Stand: 12.10.2018 14:59 Uhr

Von Wahlverwandten und Schwesterparteien

Mit der Familie ist es ja so eine Sache. Man mag sie - oder man mag sie eben nicht. Aber es gibt ja glücklicherweise noch die Wahlverwandten. Das sind die, die man sich aussuchen kann und darf. Und dann gibt es da noch zwei Schwesterparteien, die so gar nicht brüderlich miteinander umgehen.

Eine Glosse von Katharina Abt

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Trotz Schwesternschaft zwischen der CDU und der CSU machen sich die Parteien gegenseitig das Leben schwer.

Dass das menschliche Genom zu 98,7 Prozent mit dem des Schimpansen übereinstimmt, ist allgemein bekannt. Und das hat mich auch nie gewundert, finde ich doch Schimpansen seit meiner Kindheit, nicht zuletzt dank der TV-Serie "Daktari", besonders sympathisch. Klar, dass man mit so was gerne verwandt ist.

Nun erfuhr ich, dass das menschliche Erbgut zu 50 Prozent dem der Banane ähnelt. Heißt das, dass ich kannibalistische Züge in mir trage, da Bananen immer schon zu meinen Lieblingsfrüchten gehörten? Bin ich eventuell mit allen Dingen, die mir sympathisch sind, verwandter als ich dachte? Eher nicht.

Erwachsener hält Kinderhand © Fotolia.com Foto: Alekss

Wird Familie überschätzt?

NDR Info - Auf ein Wort -

Hat Verwandtschaft überhaupt etwas mit Sympathie zu tun? Das fragt sich sicher nicht nur Katharina Abt. Sie bittet in ihrer Glosse zu dieser Frage aber hier auf ein Wort.

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Ständige Bestandsaufnahmen der Familien-Loyalität

Familie wird meiner Meinung nach überschätzt. Zumindest die Familie, in die man hineingeboren wird. All die Tanten und Cousins, Schwager und Schwippschwager, dauernd muss man sich mit ihnen zu irgendwelchen Treffen zusammenrotten, Kuchen oder fetten Gänsebraten mampfen und auf vermeintliche Gemeinsamkeiten pochen. Vor allem bei Jubiläen und runden Geburtstagen werden regelmäßig Bestandsaufnahmen der Familien-Loyalität gemacht: Wer nicht erscheint oder sich daneben benimmt, wird zukünftig geächtet.

Familie versus Wahlverwandschaft

Ich mag meine Familie seit jeher nicht besonders. Von einzelnen Ausnahmen wie meiner Tante Betty einmal abgesehen, fühlte mich schon immer mehr zu Freunden, meinen sogenannten Wahlverwandten hingezogen. Was bedeutet eigentlich Verwandtschaft? Dieselben Gene haben? Wenn man mir als Kind gesagt hätte, man hätte mich nach der Geburt vertauscht, ich sei eigentlich Französin und würde nicht zu dem immer grantigen, schimpfenden Volk der Bayern gehören: Ich hätte es sofort geglaubt! Doch dem war leider nicht so. Noch heute fremdle ich mit so manchem selbst ernannten bayrischen Verkehrserzieher, fühle mich als Wahlhanseatin dann vornehm düpiert, obwohl ich - ganz ehrlich - selber auch wahnsinnig gerne schimpfe. Ja, die Hamburger waren mir schon immer sympathischer als die Bayern!

Hat Verwandtschaft überhaupt etwas mit Sympathie zu tun? Einem Kind würde man niemals zumuten, so einen Unsinn zu glauben. Erst recht nicht, wenn ihm gerade wieder der Bruder das Lieblingsstofftier zerschnitten hat.

Erinnerungen an den Gott des Gemetzels werden wach

Schauen wir in die Politik: Gerade können wir beobachten, wie sich zwei sogenannte Schwesterparteien mit Machtspielchen das Leben schwer machen. Beide verbindet das "Konservativ-Gen", sicher, aber beim Wort "blutsverwandt" fühlt man sich hier eher an wetzende Messer, Shakespeare und den Gott des Gemetzels erinnert.

Auch hier wird penibel auf die Familien-Loyalität geachtet, nur steht anstelle des Jubiläums oder runden Geburtstags eine Wahl an. Und wer sich daneben benimmt, wird keinesfalls geächtet, sondern ihm wird erstmal eine Beförderung in Aussicht gestellt.

Was Merkel und Nahles verbindet

Bei so viel Verwerfungen geschieht Ungeahntes: Zwischen den eigentlichen Rivalen Angela Merkel (CDU) und Andrea Nahles (SPD) ist eine Art "Schwesternschaft" entstanden, obwohl ihre Genom-Übereinstimmung jenseits dessen, dass sie beide zur "Gattung Mensch" gehören, gegen Null gehen dürfte. Die Damen vereint der Hass auf den trampeligen Onkel aus Bayern. Eigentlich würden sie jenen gerne nächstes Jahr nicht mehr zur Familienfeier einladen, aber sie haben Angst, dass er dann seine eigene Party macht.

Wie viel genetische Übereinstimmung Horst Seehofer wohl mit dem Haken schlagenden Hasen hat, dem er gerade so ähnelt und der wohl selbst mittlerweile nicht mehr weiß, welchen Igel er jagt? Ich tippe auf 99,9 Prozent. Wobei der Igel ja er selber ist.

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Auf ein Wort | 12.10.2018 | 18:25 Uhr