Stand: 31.05.2019 14:41 Uhr

Tupperboxen sind doch immer eine Party wert

Tupperpartys gehören seit Jahrzehnten geradezu zum Kulturgut. Die Kunststoff-Schüsseln und -Verpackungen waren bisher immer eine Feier wert. Und ohne Party waren sie nicht zu erwerben. Das könnte nun bald zu Ende sein, denn im schleswig-holsteinischen Büdelsdorf hat ein erster Tupperware-Vorführladen eröffnet - ein sogenanntes Party-Zentrum als bundesweites Pilotprojekt.

Eine Glosse von Detlev Gröning

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"Was kann das denn?" - Bei den Tupperpartys wird das Angebot ganz genau unter die Lupe genommen.

Beim Ankauf einer rostfreien Maurerkelle übermannte mich kürzlich im Baumarkt ein Gefühl der Dankbarkeit. Was ist es doch für ein Glück, in einem Wirtschaftssystem zu leben, in dem man die meisten Produkte einfach so aus dem Regal ziehen kann. Es hätte ja auch sein können, dass ich für den Erwerb zunächst mal eine Party mit gleichbedürftigen Freunden und Bekannten ausrichten muss, auf der ein wortgewandter Polier zusammen mit einer fröhlichen Runde von Heimwerkern eine Klinkerverblendung an meiner Wohnzimmerwand hochzieht.

In meiner Rolle als Gastgeber reiche ich dazu Bier, Doppelkorn und Schnittchen. Nachdem dann gegen Mitternacht alle Bestellungen aufgegeben sind, organisiere ich umgehend die Party eines Herstellers von Stemmeisen und Vorschlaghämmern, um die Mauer wieder loszuwerden. Dieses Verfahren nennt man Direktvertrieb - den Älteren unter uns noch geläufig vom Zusammentreffen des Saugbläsers Heinzelmann mit dem originalverkorkten Wein der Winzerei Pahlhuber & Söhne sowie der Hannoverschen Lebensversicherung.

Eine Frau steht hinter einem Tisch, auf dem sehr viele Tupperware-Produkte in den unterschiedlichsten Formen und Farben liegen. © dpa picture alliance/abaca

Nie mehr zur Tupperparty?

NDR Info - Auf ein Wort -

In Schleswig-Holstein hat ein erster Tupper-Laden eröffnet. Detlev Gröning befürchtet in seiner Glosse, dass das das Ende für die legendären Tupperpartys bedeuten könnte.

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Gewiss: Unterwäsche, eine neue Badewanne oder - falls es die Umstände erfordern - sogar eine Packung Kondome konnte man immer schon erwerben, ohne dass eine häusliche Vorführung in großer Runde zwingend notwendig wurde. Aber es gibt eben auch Produkte, die zum Verkauf des festlichen Rahmens und konsumbereiter Ausgelassenheit bedürfen.

Zu den bekanntesten Feierbiestern im Bereich langlebiger Haushaltsgüter gehört die Tupperware, deren Party-Managerinnen den unverwechselbaren Deckelseufzer ihrer Frischhalteboxen in hausfraulicher Geselligkeit zu Gehör bringen. Ein durchaus sozialverträgliches Event für die Etagenwohnung.

Dagegen setzt der Bewohner eines gedämmten Einfamilienhauses in Alleinlage auf Vorwerk, lädt ein zur Thermomix-Kochshow und freut sich im Kreise seiner Lieben, wenn der Tinnitus nach dem zehnsekündigen Raspeln eines Frozen Daiquiris allmählich wieder abklingt und man gewiss sein kann, sich beim Aufruf von 1.400 Euro für eine Küchenmaschine nicht verhört zu haben.

Doch angesichts abnehmender Partylaune in der Bevölkerung erwägt Vorwerk nun den Shopverkauf für seinen dampfgarenden Rührschredder, und auch bei Tupperware geht es jetzt ans Eingemachte, indem sich die luftdichten Tresore für Essensreste aller Art - wiederum mit einem hörbaren Deckelseufzer - dem Internet-Shopping öffnen.

Doch welches Produkt ersetzt uns jetzt Geselligkeit und Riesenstimmung unter Gleichgesinnten? Ich plädiere für Damenschuhe, die ab sofort nur noch auf fest terminierten Ladenpartys verkauft werden, zu denen Männer keinen Zutritt haben. Vorzugsweise Sonnabendnachmittags, während die Bundesliga läuft. Das wäre die Rettung für den Direktvertrieb und gleichzeitig ein Beitrag zum Weltfrieden.

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Auf ein Wort | 31.05.2019 | 18:25 Uhr