Stand: 21.02.2019 15:45 Uhr

Todesgefahr durch Wanderlust

Der magnetische Nordpol der Erde wandert - und zwar mit zunehmender Geschwindigkeit. Dies berichten Geowissenschaftler der US-Raumfahrtbehörde NASA. Waren es Anfang des 20. Jahrhunderts noch rund 16 Kilometer pro Jahr, so bewegt sich der Pol heute mit 55 Kilometern pro Jahr in Richtung Nord-Nord-West. Die Messungen deuten darauf hin, dass unserem Planeten eine Umkehr seines Magnetfelds bevorsteht. Das heißt, es dreht seine Richtung um 180 Grad. Der magnetische Südpol wird dabei zum Nordpol und umgekehrt.

Eine Glosse von Ulrike Ufer, NDR Info

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Wandern ist ja eine schöne Sache. Aber muss auch das Magnetfeld der Erde wandern?

Neben dem Kindergarten und dem Katzenjammer haben die Deutschen der Welt noch ein weiteres Konzept geschenkt - die Wanderlust. Ja, selbst ich habe Teile meiner Jugend unter einem Rucksack ächzend und an einer Steigung stöhnend in den Tiefen des Hochsauerlandes und in den Höhen des Teutoburger Waldes verbracht. Soweit - geschenkt, von einem Trauma mit Eichenlaub am Bande würde ich deshalb noch nicht sprechen. Doch jetzt bereitet eine gänzlich andere Wanderung internationalen Experten Sorgen: die Polwanderung. Jeder Leichtmatrose kennt die wenigen, aber wichtigen Grad Abweichung zwischen geografischem und magnetischem Norden - also zwischen dem, was die Karte sagt und dem, was die Kompassrose zeigt.

Die Position des magnetischen Nordpols ist aber dummerweise null fix, sondern eilt aktuell leider sogar immer fixer in Richtung Sibirien. Laut der üblichen US-Raumfahrtbehörde waren es zu Zeiten von Roald Amundsen selig noch rund 16 Kilometer pro Jahr. Heute sind wir bummelig beim Dreifachen. Das ist Ihnen herzlich egal, sagen Sie? Tja, dann sage ich mal: Viel Spaß auf der nächsten Trekkingtour ohne Kompass, ohne genaue GPS-Daten im Handy oder auch an Bord Ihres Ferienfliegers.

Eine grobe Idee vom eigenen Standpunkt erleichtert nicht nur in der Politik vieles ungemein. Und laut NASA kündigen die galoppierenden Daten sogar eine plötzliche komplette Umkehr des Magnetfelds der Erde an, Nord wird zu Süd und umgekehrt. Viel Freude im Flieger!

Übrigens geschieht das dann nicht zum ersten Mal in der Geschichte des Planeten - alles schon mal dagewesen vor Jahrmillionen. Jetzt wissen wir auch, warum Asterix fürchtete, ihm falle der Himmel auf den Kopf. Und warum ich damals allein im dunklen Teutoburger Wald in viel größerer Gefahr war, als ich japsend am Wegesrand geahnt habe.

Nicht die Geister irgendwelcher von Germanen erschlagener Römer, nicht meine blutig geschundenen Füße, keine zurückgekehrten Wölfe bedrohten mein Leben. Mein Tod im Wald war nur ein ungewöhnliches Taumeln der Erdachse, nur ein heftigeres Wogen des glühenden Erdkerns entfernt. Verwirrt durch eine tanzende Kompassnadel, auf ewig verirrt in den Tiefen des Teutoburger Waldes, das wäre um die Haaresbreite weniger Längengrade mein mieses Ende gewesen.

Mir ist die Lust am Wandern jedenfalls gründlich vergangen. Und die Pole warten hoffentlich noch ein Weilchen mit ihren ganz großen Abweichungen.

Wanderer auf dem Goetheweg im Harz © Harzer Tourismusverband

Todesgefahr durch Wanderlust

NDR Info - Auf ein Wort -

Das Wandern ist des Müllers Lust.- klar, aber, wenn man Geologen folgt, wird es in Zukunft nicht ganz ungefährlich sein. Ulrike Ufer bittet auf ein Wort.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Auf ein Wort | 21.02.2019 | 18:25 Uhr