Stand: 04.06.2019 17:49 Uhr

Teile den Rauch oder: Möchten Sie mal ziehen?

Die Deutschen haben im vergangenen Jahr weniger Zigaretten gekauft. Der logische Rückschluss wäre: Die Deutschen rauchen weniger. Aber stimmt das?

Eine Glosse von Udo Schmidt, NDR Info

Bild vergrößern
Mit geschnorrten Zigaretten fühlt man sich nicht so sehr als Raucher.

Die Deutschen rauchen weniger, sie kaufen zumindest weniger Zigaretten. Diese alarmierende Erkenntnis einer Studie wurde jetzt bekannt. Um zweieinhalb Prozent ist demnach der Absatz von Zigaretten im vergangenen Jahr zurückgegangen. Okay, es wurden immerhin noch 67 Milliarden Zigaretten gekauft, das ist dann doch schon noch eine ganz Menge. Aber, ich sage nur: Wehret den Anfängen.

Vielleicht allerdings kaufen die Deutschen zwar weniger Zigaretten, rauchen aber gar nicht weniger, sondern schnorren jetzt lieber. Nach Car-Sharing und Ride-Sharing, also dem Teilen eines Autos, einer Fahrt, eines Erlebnisses, jetzt als logische Konsequenz Smoke-Sharing? Ob ich bei Ihnen kurz mal ziehen dürfte? Auf Partys ehemaliger Raucher eine gerne geäußerte Bitte.

Mit dem Rauchen aufzuhören, ohne es sein zu lassen

Junge Frau mit Zigarette © dpa - Bildfunk Foto: Tobias Hase

Lässt sich eine Zigarette gut teilen?

NDR Info - Auf ein Wort -

Die Deutschen haben im vergangenen Jahr weniger Zigaretten gekauft. Aber rauchen die Deutschen auch weniger als früher? Udo Schmidt bittet in seiner Glosse auf ein Wort.

0 bei 0 Bewertungen

Mit von 5 Sternen

bewerten

Vielen Dank.

schließen

Sie haben bereits abgestimmt.

schließen

Download

Schon vor Jahren, ich kann mich noch genau erinnern, antwortete mir der Leiter einer Erdbebenwarte auf der indonesischen Insel Java auf die Frage, ob er aufgehört habe zu rauchen: Nein, er rauche natürlich noch, er habe nur aufgehört, Zigaretten zu kaufen. Geschenkt von mir würde er sie aber gerne noch nehmen. Indonesien als bekennendes Raucherland war also schon damals, 2011, ziemlich weit vorne. Jetzt ziehen wir Deutschen nach. "Share a smoke" - teile den Rauch. Vielleicht ist das ja auch eine gute und lösbare Art, mit dem Rauchen aufzuhören, ohne es sein zu lassen.

Denn das ist doch derzeit das größte Problem vieler urbaner Hedonisten. Gesundheit ist alles, Rauchen passt da überhaupt nicht, ist so was von gestern, old fashioned - und riecht nach Eckkneipe. Gleichzeitig ist Spaß aber irgendwie auch alles, und da passt das Rauchen wieder. Und zwar richtiges Rauchen, echtes Inhalieren der Rückstände verbrannten Tabaks, nicht so ein Nuckeln an einem Verdampfer, der ein wenig wie eine geschrumpfte Eiserne Lunge daher kommt.

Pädagogisch wertvolles Rauchen

Gerade erzählte mir eine Freundin, sie rauche jetzt nur noch, wenn ihre Kinder nicht dabei seien, also nicht zu Hause. Sie rauche also vernünftig, pädagogisch wertvoll. Und sie sei sicher, dass die Kleinen, immerhin schon halbwüchsig, nichts davon mitbekommen würden, dass sie immer noch - oder besser: wieder - Raucherin sei. Na klar, man merkt das nicht. Riecht auch gar nicht.

"Part time health-concious" - zeitweise gesundheitsbewusst. Auch so ein neuer Trend. Kommt gleich nach "Daily antagonism", dem Widerspruch des Alltags. Mit dem SUV zum Flughafen, in der Hand einen garantiert wiederverwertbaren Kaffeebecher, in der Innentasche das Parteibuch der Grünen. Und kein Platz mehr für Zigaretten, die deswegen nur geschnorrt werden können.

Dann bleibt noch Geld für Zigaretten ...

"Smoke-Sharing" eben. Natürlich nach dem Gang zum Atmosfair-Schalter, an dem der CO2-Ablass entgegengenommen wird, also die Rechnung für die in der Luft verursachten Emissionen, noch bevor der Flug über den großen Teich startet. Den Ablassbrief könnte man ja eigentlich auch teilen. "Compensation-Sharing" - teile den CO2-Ausgleich. Voller Flug, halbe Kompensation. Ist ja immerhin etwas.

Dann bleibt auch noch Geld für eine Schachtel Zigaretten. Schließlich muss man beim Smoke-Sharing auch mal anbieten, also den aktiven Part spielen. Immer nur schnorren, das geht nicht. Möchten Sie mal ziehen? Gerne! Sehr gerne!

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Auf ein Wort | 04.06.2019 | 18:25 Uhr