Stand: 12.06.2019 17:16 Uhr

So klappt das mit der Rekrutierung bei der Bundeswehr nicht

Die Bundeswehr bemüht sich seit Langem um den Soldaten-Nachwuchs. Mit immer neuen Kampagnen versucht sie, bei jungen Menschen Interesse für die Uniform zu wecken. Dagegen spricht eigentlich nichts, aber die neueste Kampagne ist vielleicht etwas missraten.

Eine Glosse von Florian Schroeder

Eine neue Plakatwerbung für die Bundeswehr arbeitet mit dem Claim "Gas, Wasser, Schießen", und was im Radio vielleicht nicht so richtig rüberkommt, ist: Das soll eine Anspielung auf den Klempnerspruch "Gas, Wasser, Scheiße" sein. Auf Klempner kommt man nicht sofort, wenn man das Plakat sieht, die Assoziation mit etwas Braunem dagegen leider doch. Und das liegt an dem Wörtchen "Gas". Denn "Gas" ist im Zusammenhang mit deutschem Militär historisch nicht so positiv besetzt. Vielleicht will die Bundeswehr bestimmte Worte aber auch einfach neu besetzen? Ich meine: früher fremde Länder, heute Worte. Das ist doch schon mal ein Fortschritt.

Kabarettist Florian Schroeder zu Gast bei Bettina und Bommes am 28.10.2016 © NDR/Christian Wyrwa Foto: Christian Wyrwa

Gas, Wasser, Schießen - unsere Bundeswehr

NDR Info - Auf ein Wort -

Die Bundeswehr wirbt auf einem Plakat für Nachwuchs. Aber die neueste Kampagne ist vielleicht etwas missraten, meint Florian Schröder und bittet auf ein Wort.

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Geschmacklose Tombola-Ideen

Vergleichbar geschmacklos wäre es nur, wenn die Bundeswehr eine Tombola machen würde, bei der der Hauptgewinn eine Jahreskarte für die SS-Bahn wäre oder eine Hakenkreuzfahrt durch die Ostsee. Das versteht eigentlich jeder, nur die Bundeswehr weiß mal wieder nicht, was der ganze Rommel soll. Bei "Gas, Wasser, Schießen" denken sie im Osten doch nur: Gas, Schießen, okay - aber Wasser? Will die Bundeswehr ihre Gegner jetzt ersaufen? Wenn, dann doch nur mit den Tränen der Bundeswehrmechaniker angesichts ihres Fuhrparks.

Erfahrung mit anstößigen Claims

Schon den Stellenabbau bei Ford hat die Bundeswehr gewinnbringend für sich genutzt: Mit einer Werbekampagne mit dem Claim "Job Fort? Mach, was wirklich zählt." Ein Wagen mit der Aufschrift ist dann vor dem Kölner Ford-Werk auf - und abgefahren. Vor dem VW-Werk in Wolfsburg dieselbe Nummer mit dem Claim: "Einen Job fürs Volk wagen". Da hat sich das Verteidigungministerium offensichtlich mal wieder von den richtigen Leuten beraten lassen - offenbar von Verena Bahlsen Consulting. 

Man vermisst Fingerspitzengefühl

Da vermisst man ein gewisses Fingerspitzengefühl, aber was soll eine Institution mit Fingerspitzengefühl, die mit einem Sturmgewehr wie dem G36 schießt, die Millionen für die Reparatur der "Gorch Fock" hinblättern muss und eine Flugbereitschaft hat, die am Boden ist und bleibt: Kanzlerin Merkel ist schon genauso hängengeblieben wie Bundespräsident Steinmeier und Heiko Maas sogar in Mali. Flugzeuge, die nach Afrika fliegen und nicht mehr zurückkommen: Horst Seehofer war natürlich sofort interessiert.

Berateraffäre hat mehr Sprengstoff als komplette Bundeswehr

Es war schließlich Ursula von der Leyen, die Millionen für ihre Lieblingsberater ausgegeben hat - oft ohne Ausschreibung. Mittlerweile lässt sie ihre Zeugen in der Berateraffäre von Beratern beraten. Die Beraterberater aber beraten auch die Rüstungsindustrie. Ernst & Young, Price Waterhouse Coopers und KPMG beraten allesamt Rüstungsfirmen wie Airbus, Thyssenkrupp, Rheinmetall und sogar Heckler & Koch. Weit über 250 Millionen haben die Berater kassiert von Rüstungsfirmen, die teilweise oder ganz im Besitz des Staates sind, in dessen Namen sie diese nun überprüfen sollen. Das Thema hat mehr Sprengstoff als die komplette Bundeswehr.

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Auf ein Wort | 12.06.2019 | 18:25 Uhr