Stand: 25.04.2018 18:02 Uhr

Schön, schöner - Porsche 911

Der Porsche 911 ist eine der Design-Ikonen der Autowelt. Das Landgericht Stuttgart befasst sich gerade mit der Frage, wer das Urheberrecht an dem legendären Design hat. Ein Aussehen, das jeder sofort erkennt - anders als bei heutigen Autos.

Eine Glosse von Detlev Gröning

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Früher war zwar nicht alles besser, aber zumindest das Auto-Design viel schöner als heute.

Sagt Ihnen der Name "Erwin Komenda" etwas? Klingt wie der Hauptverdächtige aus einer alten Kommissar-Folge, stimmt's? Nein, das stimmt nicht, der hieß Popinga. Aber auf der Zeitachse sind Sie der Lösung ganz nahe: Erwin Komenda hat ein Design entwickelt - das des legendären Porsche 911.

Und zack - schon ist das Bild vor Augen, habe ich recht? Da steht es, das Herz-Ass des Autoquartetts der 60er, fast auf Augenhöhe mit dem Aston Martin und dem Jaguar E-Type.

Neue Porsche 911.

Als Autos noch unverwechselbar waren

NDR Info - Auf ein Wort -

Man muss nicht viel sehen von einem schnittigen Porsche 911, um zu erkennen: Das ist einer. Bei den Auto-Designs der Neuzeit ist das anders. Detlev Gröning bittet auf ein Wort.

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Wenn ich Ihnen jetzt gesagt hätte, Erwin Komenda, das ist der, der an ein und demselben Tag den Skoda Fabia, den VW Polo, den Nissan Micra und gegen Abend auch den Toyota Yaris designt hat, dann hätten Sie das vielleicht für möglich gehalten, aber auf der Staffelei im Gehirn wäre nur irgendein silbergraues Diktat der Windkanal-Effizienz erschienen.

Als Zeuge in besagter Krimiserie wäre ich heutzutage ein Totalausfall. "Konnten Sie das Fluchtauto sehen?", fragt mich der Walter unter seiner Pfeifenwolke. "Jawoll, ich stand eine Viertelstunde lang fünf Meter daneben." - "Welche Marke war das denn?", wird nachgebohrt. Und schon wäre ich ratlos wie bei einer Gegenüberstellung mit einer Delegation chinesischer Geschäftsleute.

Klar, was Sie jetzt denken, wie die Geschichte weitergeht: Gleich kommt wieder der gegenwartsverdrossene Opa mit seinen Nachkriegskisten um die Ecke. Und in der Tat war der neulich auf einer Oldtimer-Wiese mit Bratwurstverkauf wieder mal in zahlreicher Gesellschaft, die freudetrunken durch die Artefakte der mobilen Gründerzeit taumelte: Hier streichelte jemand eine Ente, dort der Kniefall vor einem Karman Ghia, an anderer Stelle die Alt-Insassen unserer Dorf-Disco um einen Ford Capri, und gleich daneben der vernehmliche Eisprung vor einer Isetta, die bei einer Besucherin noch einmal den Brutpflegeinstinkt weckte.

Keine Rede davon, dass der Opel Diplomat zwei Tankstellen auf 100 Kilometer brauchte und der CO2-Ausstoß des VW 1300 auch den ignorantesten Leugner des Klimawandels ins Grübeln bringt.

Damals war nämlich überhaupt nichts besser, aber man konnte das Schlechtere einfach besser auseinanderhalten.

Für ein paar Euro extra kann man sich auch heute noch ein mobiles Alleinstellungsmerkmal verschaffen. Nehmen wir als Beispiel gleich mal ein aktuelles Zeitungsfoto: "Schießerei im Zuhälter-und Drogenmillieu." Zwei Polizisten nehmen Deckung hinter einem Lamborghini Diablo. Den habe ich sofort erkannt. Aber wenn das der Preis für Individualität ist, dann sitzt man in solchen Momenten doch lieber in der silbergrauen Tristesse.

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Auf ein Wort | 25.04.2018 | 18:25 Uhr