Stand: 24.06.2019 17:01 Uhr

Auf ein Wort: SPD - Mit fünf Euro bist du dabei

Die SPD könnte künftig auch von einer Doppelspitze geführt werden. Das hat der Bundesvorstand am Montag entschieden. Alle Parteimitglieder sollen über die Kandidaten abstimmen dürfen. Thomas Oppermann, früherer Bundestagsfraktionschef der SPD, wollte zuvor offenbar noch einen Schritt weitergehen. Er warb dafür, dass die SPD bei Abstimmungen über Parteivorsitz und Kanzlerkandidatur auch Nicht-Mitglieder teilnehmen lässt. "Diese Entscheidungen auch für interessierte Bürger zu öffnen, die sich zum Beispiel für eine Kostenbeteiligung von fünf Euro für eine Wahl registrieren lassen, wäre ein mutiger Schritt", sagte er.

Eine Glosse von Nils Heinrich

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Für nur fünf Euro sollen auch Nicht-Parteimitglieder über den SPD-Chef bestimmen können, so ein Vorschlag von Thomas Oppermann.

Sie kennen doch noch den Spruch "Mit fünf Mark sind Sie dabei!". Das war der Claim der Deutschen Fernsehlotterie. Die Lotterie gibts bald wieder. Und zwar für eine Sache, die genauso bedeutungslos geworden ist wie das Fernsehen: nein, nicht die Bundeswehr. Ich meine die SPD.

Partei ohne Mission - und ohne Gesicht

Das ist ja eine Partei. Wie sie selber glaubt. Aber jedes Kind und jeder YouTuber weiß: Die SPD ist zurzeit die Abnick- und Promoabteilung der CDU. Eine Mehrheitsbeschafferin mit Mission, aber ohne Ziel. Und ohne Gesicht. Weil: momentan kein Parteichef. Da hat gerade keiner Bock drauf. Das Spitzenpersonal ist verbrannt. Der Job als SPD-Chef ist nun mal unbeliebt. Um nicht verhasst zu sagen. Es ist erstrebenswerter, sich mit heißen Spaghetti auspeitschen zu lassen oder im Callcenter zu arbeiten. Und noch lieber infiziert man sich mit einer ansteckenden Krankheit, als SPD-Vorsitzender zu werden. Von einer Krankheit kann man sich nämlich erholen.

Aber kommen wir zurück auf "Mit fünf Mark sind Sie dabei!". Fünf Mark sind ja mittlerweile fünf Euro, für die man noch weniger kriegt als mal für fünf Mark: Zigaretten, Bier in der Kneipe, Wohnraum zur Miete oder Eigentum - egal! Thomas Oppermann von der SPD hat für fünf Euro mal ein richtiges Schnäppchen im Angebot: einen SPD-Vorsitzenden.

Vollkommen verzweifelter Vorschlag, aber super

Das ist wie früher, beim Wunschfilm im ZDF. Man ruft eine Nummer an, die Geld kostet, und sieht mit Glück, was man will. Ich finde den Vorschlag vollkommen verzweifelt, aber super. Weil man ja so einen Vorsitzenden der SPD auch als nicht SPD-Mitglied ständig sehen muss, wenn man kein Netflix hat und gerade mal vom Bügeln oder Whatsappen zum Fernseher hochguckt. Bei Frank Lanz oder Markus Plasberg. Und in den Talkshows von diesen drei Uschis mit der gleichen Frisur. Und in der Tagesschau. Und auf der Startseite von GMX.

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SPD-Vorsitz: Dürfen auch Nicht-Mitglieder wählen?

Doppelspitze? Wahrscheinlich. Mitgliederbefragung? Auch. Doch bei der Suche nach einer neuen SPD-Führung will Ex-Fraktionschef Thomas Oppermann noch einen Schritt weitergehen. Mehr bei tagesschau.de extern

Jeder sieht so einen SPD-Vorsitzenden. Da kann ihn auch gleich jeder auswählen. Freiwillige scheint es nicht zu geben, also muss jemand dazu verurteilt werden. Wem wünschen Sie den Job des SPD-Chefs an den Hals? Wen möchten Sie sonntags bei Anne Will dabei zusehen, wie er auch mal was sagen will? Rufen Sie an! Wählen Sie Ihre persönliche Lieblingskategorie: klein, groß, Mann, Frau, Augenfarbe, Haarlänge, Leberflecken, Brille, Ossi, Wessi, in Farbe, schwarz-weiß oder grau. Oder gleich eine Katze oder nen Hund.

Direkte Demokratie für Leute mit Geld

Ein SPD-Vorsitzender wie aus dem Katalog. Das ist mal eine vernünftige Investition. Man würde sich von den fünf Euro ja doch nur wieder Teelichter bei Ikea kaufen. Aber so kriegt man einen SPD-Vorsitzenden seiner Wahl, der vielleicht sogar bellt. Und für etwas mehr Geld kann man weitere Features dazu buchen. Wie bei einer Autobestellung.

Das ist direkte Demokratie für Leute, die Geld übrig haben. Also, äh, das gleiche, wie jetzt schon. Nur billiger. Für fünf Euro. Ist ja auch die SPD. Die "Alles muss raus" unter den Parteien. Übrigens: Studenten, Hartz-IV-Empfänger und Rentner zahlen das Doppelte. Aber über den Daumen gepeilt kennen die das auch nicht anders - von der SPD.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Auf ein Wort | 24.06.2019 | 18:25 Uhr