Stand: 27.10.2017 13:32 Uhr

Wir wollen auch so altern wie "Pretty Woman"

So hinreißend wie sie lacht kaum jemand in Hollywood. Als "Pretty Woman" verzauberte Julia Roberts nicht nur Richard Gere, sondern auch Millionen Kinozuschauer. Im vergangenen April wurde sie noch vom US-Magazin "People" zum fünften Mal zur "schönsten Frau der Welt" gekürt. Aus Anlass ihres 50. Geburtstag stellt sich da eine einzige Frage: Warum können wir nicht alle wie "Pretty Woman" altern?

Eine Glosse von Claudia Sarre, NDR Info

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50? 50! Julia Roberts altert irgendwie anders als wir anderen ...

Hinreißendes Lächeln, feuerrote Mähne, makelloser Körper. Welche Frau wollte damals, 1990, nicht so aussehen wie Julia Roberts in "Pretty Woman"? Dutzende Male haben wir ihr bewundernd dabei zugesehen, wie sie sich lasziv im Schaumbad des Luxushotels räkelt, in sündhaft teuren Boutiquen shoppen geht und schließlich dem schwerreichen Richard Gere den Kopf verdreht.

Julia Roberts gehört seitdem zweifellos zu den schönsten Geschöpfen, die Hollywood so zu bieten hat. Und das erstaunlicherweise bis zum heutigen Tag. Und nun wird diese Frau 50! 50???!!! Wo sind denn bitte die Krähenfüße und Tränensäcke, die Zornesfalten und Augenringe, mit denen unsereins jeden Morgen aufs Neue im Spiegel konfrontiert wird? Wo sind der graue Haaransatz und die welke Haut, die Pölsterchen und Pfunde, die sich in den vergangenen Jahrzehnten wie durch Zauberhand an Hüften, Bauch, Kinn und anderen Problemzonen niedergelassen haben?

Man ist immer so alt wie man sich fühlt

Klar sind die Fotos von Julia Roberts in den Hochglanzmagazinen retouchiert bis zur Unkenntlichkeit. Und ganz bestimmt hat sie an dem einen oder anderen Körperteil das Skalpell ansetzen lassen. Dennoch ist ihr Body Mass Index mit Sicherheit wesentlich geringer als der von den meisten Frauen um die 50.

Wie kann das sein? Warum müssen wir Normalsterbliche uns vor jedem runden Geburtstag mit bescheuerten Sprüchen trösten wie "Man ist immer so alt wie man sich fühlt" oder "Wahre Schönheit kommt von innen"?

Feiern nur mutige Frauen ihren 50. Geburtstag?

Warum klingt 50 bei Frauen nach grauer Kurzhaarfrisur, Mephisto-Schuhen, beiger Jacke und Wechseljahren? Und warum klingt 50 bei Männern ganz im Gegensatz dazu nach Prestige und Erfolg, schnellen Autos und attraktiven grauen Schläfen?

Jedes Jahr aufs Neue - und vor allem vor runden Geburtstagen, die scheinbar irgendeine überhöhte Symbolkraft haben - bekommen wir alle unisono die Krise. Und versuchen dieses bohrende Gefühl des Vergänglich-Seins mit gewollt lustigen Einladungstexten zu kompensieren. Vorausgesetzt wir haben überhaupt den Mut, unseren 50. Geburtstag öffentlich zu feiern. Zum  Beispiel heißt es dann auf den Einladungskarten: "Hiermit feiere ich meinen 49. plus xsten Geburtstag". Haha, wie witzig! Oder "50 ist das neue 30!". Fehlt nur noch "Bitte gute Laune mitbringen!". 

Sehen wir die Sache doch mal positiv

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Juli Roberts damals: 1990 verdrehte sie im Kinofilm "Pretty Woman" Richard Gere den Kopf.

Dabei ist das ganze Gehabe ums Altern doch so unnötig. Schließlich werden wir doch alle älter. Alle zusammen und jeden Tag aufs Neue. Man muss sich nur mal im Verhältnis zu anderen betrachten. Schon jetzt ist ein großer Teil der Bevölkerung über 60 Jahre alt. Da ist man mit 50 doch noch ganz knackig.

Am besten, man vergisst die alten Denkmuster - beige Jacke, Kurzhaarfrisur, Menopause - und programmiert sein Gehirn neu: 50, das klingt nach finanzieller Freiheit, nach aufregenden Reisen, nach Lebenserfahrung, vielleicht sogar nach einem jugendlichen Lover. Dabei kann eine wissenschaftliche Erkenntnis aus der Gerontologie helfen: Die richtige positive Einstellung zum Alter verlangsamt nachweislich das Auftreten körperlicher Gebrechen. 

Und überhaupt: Wer will denn schon noch mal 23 sein? Schüchtern, gehemmt, verpickelt. Nicht Anti-Aging, sondern Pro-Aging sollte die Devise sein. Und mit dieser Einstellung und einem strahlend breiten Grinsen sehen wir dann - zumindest fast - genauso umwerfend aus wie Julia Roberts.

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Auf ein Wort | 27.10.2017 | 18:25 Uhr