Stand: 25.10.2018 14:57 Uhr

Musik immer und überall - Spotify sei Dank!

Zehn Jahre gibt es den Musikstreaming-Dienst Spotify inzwischen. Er hat das Erlebnis Musik verändert. Zum besseren? Eher nicht!

Eine Glosse von Udo Schmidt, NDR Info

Bild vergrößern
Musik "to go" hat einen Nachteil: Oft wissen wir gar nicht, welche Band oder welche Sängerin man da gerade überhaupt hört.

Ich kann mich noch erinnern, vage und dunkel, wie ich wochenlang auf eine neue LP gespart habe, von Steamhammer etwa, Spooky Tooth oder Atomic Rooster, die ich dann, als Mitglied unseres Langspielplatten-Freundeskreises "Letzte Rille" als Teil einer Großbestellung aufgab. Mit dem absolut verlockenden Angebot, dass bei zehn bestellten Scheiben die elfte kostenlos sein würde und - nach einer angemessenen, einer sehr angemessenen Wartezeit - jedes Gruppenmitglied ein neues Album umsonst versprochen bekam. Umsonst. Nichts dafür bezahlt. 40 bis 50 Minuten Musik für lau!

Eine Hand hält ein Smartphone, auf der die App von Spotify angezeigt wird. © dpa picture alliance Foto: Britta Pedersen

Eine endlose Rolltreppen-Fahrt mit Spotify

NDR Info - Auf ein Wort -

Früher wurde auf eine neue Langspielplatte gespart. Mittlerweile gibt's musikalisch immer alles überall. Wenn man nur wüsste, wer da spielt! Udo Schmidt bittet auf ein Wort.

0 bei 0 Bewertungen

Mit von 5 Sternen

bewerten

Vielen Dank.

schließen

Sie haben bereits abgestimmt.

schließen

Download

Endlos Musik hören ...

Kicher, hüstel, lächel, würde sich eine moderne Comic-Figur jetzt äußern - und dann auf dem Smartphone die Spotify-App antippen. Musik für lau, sofern man Werbeeinblendungen akzeptiert, oder für relativ wenig Geld, wenn man den Klang pur möchte - und dann so viel und so endlos wie man will - und erträgt. Nicht nur 40 Minuten.

Stunden, ganze Listen, Stimmungen, Genres. Ganze Nächte und Urlaube lassen sich so musikalisch zudecken - und hinterher weiß man nicht, was man gehört hat. Wenn das Leben ein wenig zu einer endlosen Rolltreppen-Fahrt wird, dann liegt das eben auch ein bisschen an Spotify. Musik, die nicht stört, hübsch ist, nett auch, deren Interpreten man nicht kennt, weil es sie eventuell auch gar nicht gibt, also nicht als lebendige Musikanten, sie wissen schon, mit Gitarre, Schlagzeug oder Waldhorn.

Als man noch die Namen der Bandmitglieder kannte

Okay, ich gebe zu, ich verrenne mich ein wenig und ende in einer Art Smartphone-Digital-Stürmerei. Alles Teufelszeug, oder so ähnlich. Jeder kennt doch Freunde, die abends bei der zweiten Flasche analogen toskanischen Rotweins genauso zu meckern beginnen. Will man ja auch nicht dazu gehören.

Also, ja, ich lausche auch Spotify, wenn auch noch keine zehn Jahre, nutze gerne so eine Musik-Liste, die einigermaßen hält, was sie verspricht. Während des Sports. Manchmal auch nur beim gemütlichen Spazierengehen. Aber es hat sich schon etwas geändert. Ich weiß häufig nicht, was ich höre. Und die Zeiten früher, ganz früher, als ich alle biografischen Daten der Bandmitglieder deklamieren konnte, sind sehr, sehr vergangen.

Ist Musik bald nur noch Umgebung?

Musik ist nur noch eine Art Bestandteil der Umgebung. Und da wird es wieder interessant. "Car to share" könnte sich doch auch bald genauso entwickeln. Ich nutze ein Auto, irgendeines, das rumsteht und mich nicht wirklich interessiert - und fahre irgendwohin. Irgendwohin, wo ich vielleicht gar nicht hin wollte. Um dort dann Zeit zu verbringen, mit der ich im Grunde genommen nichts anfangen kann.

Alles nur noch Umgebung und veredelte Langeweile - untermalt von Musik der Spotify-Liste "Magische Welten so fern". Zehn Jahre Spotify. Was wohl die nächsten zwanzig bringen?

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Auf ein Wort | 25.10.2018 | 18:25 Uhr