Stand: 13.06.2019 14:29 Uhr

Mit Aktien in Saus und Braus im Lebensherbst?

Die private Altervorsorge sollte verpflichtend sein, das hat Friedrich Merz (CDU) in dieser Woche vorgeschlagen. Und Teil der Vorsorge müsse ein Aktienpaket sein. Aktien sind langfristig sicher eine gute Anlage, aber mit der Volksaktie ist es ja schon einmal schiefgegangen.

Eine Glosse von Detlev Gröning

Wenn mir ein Friedrich Merz den Aktienkauf zur Vorsorgepflicht machen will, dann hab ich doch sofort ein Bild vor Augen: In schwarzen Handschuhen führt mir der Blackrocker mit Überlänge - leicht nach vorn geneigt und von unten beleuchtet wie damals Klaus Kinski im Wallace-Krimi -  ein Wertpapier vor die Augen. Da läuft einem doch gleich ein kalter Schauer über das Portemonnaie, auch wenn die Idee, wenigstens einen Teil der Rente nicht an mühselig verhandelte Löhne sondern an vielbeneidete Unternehmensgewinne zu koppeln, gar nicht mal so fies klingt. 

Die große Anzeige in der Börse in Frankfurt am Main (Hessen) zeigt die Dax-Kurve und verschiedene Börsenkurse (Aufnahme mit Doppelbelichtung). © dpa bildfunk Foto: Daniel Reinhardt

Mit dem DAX in Rente

NDR Info - Auf ein Wort -

Aktien sind langfristig sicher eine gute Anlage, aber mit der Volksaktie ist es ja schon einmal schiefgegangen, erinnert sich Detlev Gröning und bittet auf ein Wort.

4 bei 2 Bewertungen

Mit von 5 Sternen

bewerten

Vielen Dank.

schließen

Sie haben bereits abgestimmt.

schließen

Download

Dazu hat der Aktien-Fritz eine nachträglich beeindruckende Strategie für Saus und Braus im Lebensherbst auf seiner Seite: Ein Beitragszahler, der seine Prämie von Anfang an nicht in der Rentenversicherung versenkt sondern in den Deutschen Aktienindex geworfen hätte, blickte nach 45 Arbeitsjahren auf das Vielfache dessen, was dem Ruheständler üblicherweise aufs Konto tröpfelt, also nicht die durchschnittlichen 1.400 Euro sondern derer 6.100 Euro. So soll es ein von Kopf bis Fuß ruhmbekleckerter Finanzanalyst durchgerechnet haben. Damit käme man heute zu Fuß durch die Ägäis, indem man einfach über sämtliche Kreuzfahrtschiffe steigt.

Bild vergrößern
Schön, wenn die Rente den Lebensabend versüßen kann.

Ob diese Rechnung womöglich aus der Feder einer Milchmädchens stammt und auch noch aufgeht, wenn nicht einer, sondern 45 Millionen Arbeitnehmer ihre Rentenbeiträge seit 1974 in den DAX investiert hätten, den es damals übrigens noch gar nicht gab, ließe sich wohl in drei, vier Stunden gehobener Mathematik überprüfen. Haben Sie die Zeit? Dacht ich es mir.

Ohnehin taucht in der Rechnung womöglich das Wort "Risiko" auf, und da ist bei den meisten unter uns der Spaß sowieso vorbei; spätestens seit uns die grundsoliden Bauspargesichter zweier Tatort-Kommissare die T-Aktien ins Depot geplaudert haben, die jetzt seit ewig und drei Tagen im 15-Euro-Gefrierfach auf Tauwetter warten. Dann doch lieber gemeinschaftliches Grummeln über Vermögensverteilung, Nullzins und Mario Draghi.

Dabei ahnen wir längst: Die Zeiten, in denen unverwüstliches Geld seine Eigentümer mit fünf Prozent Zinsen beschenkt hat sind endgültig vorbei. Stattdessen verhält es sich mit bombensicheren Altersrücklagen wie mit einer Urlaubsreise von Hamburg nach Marbella mit Tempo 30. Ein tödlicher Unfall ist praktisch ausgeschlossen, aber bis man da ankommt, sind die Ferien vorbei.

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Auf ein Wort | 13.06.2019 | 18:25 Uhr