Stand: 10.04.2019 16:36 Uhr

Merkels Mut zur Lücke im Kanzleramt

Die Kanzlerin hat keine Angst vor einer weißen Wand: In Angela Merkels Büro im Kanzleramt in Berlin werden in Zukunft weder die beiden bisher dort hängenden Bilder von Emil Nolde (dessen zwiespältiges Verhalten zum Nationalsozialismus gerade in einer Ausstellung gezeigt werden soll) zu sehen sein, noch andere Kunstwerke. Ist eine kunstfreie Zone im Zentrum der Macht eine gute Idee?

Eine Glosse von Ocke Bandixen, NDR Info

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Stellen Sie sich die Wand hinter Angela Merkel nun einmal ganz weiß vor ...

Das ist jetzt schon ein bisschen blöd, denn mit Bildern ist das ja immer so eine Sache: Die sind nicht nur hübsch im besten Falle, sie sagen auch so viel aus. Sie sind Symbole, äußere Zeichen. Was findet der oder die gut, der oder die sie aufgehängt hat? Und in Noldes Fall: Hat er oder sie Geld? Denn auf dem freien Markt sind die ziemlich teuer.

Gut, die beiden Bilder waren geliehen - und deshalb konnte die Bundeskanzlerin sie jetzt einfach auch wieder zurückgeben. Erst wollte sie ja stattdessen zwei Bilder von Karl Schmidt-Rottluff aufhängen, aber von dem gibt es antisemitische Schriften. Und da können die Farben noch so kräftig sein - oder wie bei Nolde die Blumen noch so leuchten: Das geht nicht.

Das beleuchtete Kanzleramt in Berlin in der Dunkelheit. © dpa picture alliance

Die weiße Wand im Kanzleramt

NDR Info - Auf ein Wort -

Nachdem in Angela Merkels Büro im Kanzleramt zwei Bilder von Emil Nolde weichen mussten, stellt sich Ocke Bandixen in seiner Glosse die Frage: Wie schön sind weiße Wände?

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Ein echter Schröder in Merkels Büro?

Die Bilder im Kanzleramt, das ist sowieso ein Thema für sich. Da gibt es ja zum einen die Galerie mit den Kanzlerporträts. Adenauer, würdevoll. Ludwig Erhardt, schwenkt seine Zigarre aus dem Bild, genauso wie Helmut Schmidt seine Zigarette, gemalt von Bernhard Heisig. Oder Gerhard Schröder, gemalt von Jörg Immendorff. Die könnte Angela Merkel sich ja auch ins Büro hängen. Ach nee, dann gucken die ihr immer so auf die Finger.

Weißer Bundesadler auf weißem Grund?

Dann lieber doch die weißen Flecken. Hat ja auch was. Wahrscheinlich aber vor allem einen Staubrahmen, sodass man sehen kann, dass da vorher mal etwas war.

Ist auch ein Symbol: Ist die Kanzlerin pleite, sodass die Bilder weg mussten? Hat sie schon Macht abgegeben? Oder, das wäre das Heiterste: Ist da jetzt ein weißer Bundesadler auf weißem Grund zu sehen?

Nein, wir sollten noch größer denken: Der Schröder hatte da einen Baselitz hängen, einen mit den Fingern gemalten abstürzenden Adler. Naja. Und Helmut Kohl? War da nicht immer von einem Bismarck-Porträt die Rede? Und, naja, einem Aquarium. Guck mal, der bunte da, den habe ich neu. Ich klopfe mal.

Reden über Äußerlichkeiten

Richtig, man muss auch bedenken, dass man immer etwas zu reden hat - mit den Gästen zum Beispiel. Und das geht nun mal gut so über Äußerlichkeiten. Also Bilder an der Wand.

"Ist das da der Schwarzwald? In Öl? Im Winter? Im Nebel?"

Oder: "Ah, der Aachener Dom. Als Aquarell? Acryl? Ach."

Oder weiße Winterwelt: Wasserfarben, Wischtechnik. Wow!

Und bei der Auswahl der Künstler muss man auch vorsichtig sein: Am besten mit einem Fragebogen: Haben sie sich schon einmal neben ihrer künstlerischen Tätigkeit irgendwie politisch geäußert, womöglich radikal in irgendeiner Richtung? Oder ein Wüstling? Irgendwie schlimm zu Minderheiten? Frauen? Der Umwelt?

Malt Frau Merkel jetzt selbst?

Allein um das alles zu umgehen, bleiben der Kanzlerin drei Möglichkeiten: Abstimmen. So als Bürgerbeteiligung. Hier könnte ihr Bild hängen. Zweitens: Ein Poster aus Medi und Zini. Da war neulich was Schönes mit Pferden? Süß. Wäre auch klimamäßig okay, also vom Motiv her und wäre auch recycelt. Ist ja gerade wichtig.

Oder vielleicht selbst rasch etwas machen, Frau Bundeskanzlerin? Jeder ist ein Künstler oder eine Künstlerin! Kennen Sie noch Bob Ross, diesen immer grinsenden Maler mit dem Bart und dem Haarballon, der früher im Fernsehen immer diese kitschigen Bilder gemalt hat? Waldlandschaft, unten ein bläulich plätscherndes Bächlein. Und, huch, ein Fleck, nee, da machen wir einen Baum draus.

Wir machen keine Fehler, das sind nur happy accidents, glückliche Unfälle, hat Bob Ross gesagt. Na, wenn das mal nicht die richtige politische Botschaft aus dem Kanzleramt wäre.

Weitere Informationen

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Auf ein Wort | 10.04.2019 | 18:25 Uhr