Stand: 15.02.2019 14:58 Uhr

Mehr als nur den Job erledigen

Bei allem Respekt vor harter Arbeit: Rackern, Schuften und Malochen fühlte sich früher anders an.

Eine Glosse von Detlev Gröning

Bild vergrößern
""Schwitzen bei der Arbeit" - gibt es das heute noch?

In jüngster Zeit werde ich von den Sozialgranden in unseren Talkshows ja derartig mit Respekt und Wertschätzung überschüttet, dass mir vor dem Fernseher peinliche Fragen aufsteigen: Warst Du heute ebenfalls tüchtig, womöglich sogar fleißig? Hast Du Dich unermüdlich angestrengt? Also nicht einfach nur Deinen Job gemacht und Dein übliches Pensum abgespult, sondern richtig rangeklotzt und reingehauen, angepackt und hart gearbeitet? Mit einer Härte, gegen die sich ein Diamant wie Knetgummi anfühlt? Und wirst Du am Ende mindestens 35 Jahre lang die Ärmel aufgekrempelt, die Knochen hingehalten und das Land nach vorne gebracht haben?

"Sag die Wahrheit, Junge!", raunt mir mein Opa aus dem Fotoalbum zu, wo er als Kreisbahnangehöriger bei minus 15 Grad  eine entgleiste Dampflok aus einer Schneewehe schaufelt. Und so mache ich sämtliche Kreuze bei "Nein", während das innere Unbehagen steigt. Gewiss, die Unterstellung, mein Broterwerb gestalte sich unter ähnlich widrigen Umständen, geht runter wie eine nasse Tapete, aber man will sich ja nicht mit fremden Federn schmücken. Wo ich noch nicht mal früh aufgestanden bin, wie es die Politikerrede verlangt.

Ein junger Mann schaut mit seinem Laptop auf dem Schoß nachdenklich aus dem Fenster. © imago Foto: Westend61

Vom Rackern, Schuften und Malochen

NDR Info - Auf ein Wort -

Bei allem Respekt vor harter Arbeit: Rackern, Schuften und Malochen fühlte sich früher doch noch ganz anders an. Detlev Gröning bittet in seiner Glosse auf ein Wort.

5 bei 5 Bewertungen

Mit von 5 Sternen

bewerten

Vielen Dank.

schließen

Sie haben bereits abgestimmt.

schließen

Download

Seit der Grundrenten-Debatte arbeitet ja niemand mehr einfach so vor uns hin. Nein, da wird geschuftet, gerackert und malocht, dass es einem viermal täglich die Klamotten durchnässt, bevor man zerschunden, ölverschmiert und rußbedeckt nach Hause kriecht, als käme man gerade aus einer Erzmine oder vom Pyramidenbau.

Ich würde Hubertus Heil gerne mal fragen, ob er es wenigstens tagsüber auch eine Nummer kleiner hat, allein schon um Kindern keine Angst vor dem Erwerbsleben zu machen. Schließlich wurde uns in der Schule erzählt, wer sich ganz dolle anstrenge und fleißig sei, der werde sein Auskommen finden. Und jetzt scheinen es ausgerechnet die zu sein, die im Alter mit leeren Händen dastehen. Vor Tische las man es anders.

Während des Abspanns habe ich meiner Nichte geraten, sie solle sich von harter Arbeit fernhalten und stattdessen Leistungsträgerin im Sinne der FDP werden. Über Steuersätze zu jammern, sei am Ende wohl besser als Bedarfsformulare auszufüllen.

In der nächsten Talkrunde geht es um die Verzweiflung bienenfleißiger Kleinsparer ob der niedrigen Zinsen mit den Stichworten "Urlaubsverzicht", "Notgroschen", "hohe Kante"  sowie "vom Munde abgespart". Ich freue mich jetzt schon drauf!

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Auf ein Wort | 15.02.2019 | 18:25 Uhr