Stand: 13.09.2018 17:04 Uhr

Maßlose vegetarische Wilderer

Zwei Pilzsammler haben bei Waldshut in Baden-Württemberg spektakulär gegen das Bundesnaturschutzgesetz verstoßen - und müssen nun 1.700 Euro Strafe zahlen. Sie wurden dabei ertappt, wie sie fast 20 Kilo Steinpilze in ihr Auto luden.

Eine Glosse von Hartmut Grawe

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Von Pilzen kann man nie genug haben? Die einen sagen so, die anderen so ...

Es ist bestimmt kein Zufall, dass die schändliche Tat in einem Gebiet namens Hotzenwald geschah: Genau wie Räuber Hotzenplotz müssen diese beiden Männer mit überaus verdächtigen Säcken auf der Schulter aus dem Unterholz gekrochen sein, mit riesigen, gewaltigen Säcken voller, nun ja, Pilze aus der Gattung der Dickröhrlinge, lateinisch Boletus.

Wie Wachtmeister Dimpflmoser

Die herbeigerufenen Ordnungshüter werden wie Wachtmeister Dimpflmoser ihr stets mitgeführtes Kochbuch gezückt und rasch überschlagen haben, was die Männer daheim wohl zubereiten wollten: 190 Liter Kartoffelsuppe mit Steinpilzen vielleicht, oder 22 Kilo Tortellini mit Pilzsauce.

Können zwei einzelne Rentner spontan so viel Hunger auf ein leckeres Pilzgericht haben? Ist es nicht viel wahrscheinlicher, dass sie einen Steinpilz-Anschlag mit islamistischem Hintergrund planten? Leiden die Männer vielleicht an krankhafter Steinpilz-Sammelwut, dem hoch ansteckenden und daher meldepflichtigen Morbus Boletus? Oder sind Steinpilze eine neue Partydroge? Sollte die verbotene Ernte also klammheimlich über die nahe Grenze in die Schweiz geschafft werden, um Teilnehmer einer Gruppenkäsefondue in einen psychedelischen Steinpilz-Rausch zu versetzen?

eine großer Steinpilz im Wald © NDR Foto: Jörg Nüssemeyer aus Greifswald

Erwischt: Vegetarische Wilderer im Wald

NDR Info - Auf ein Wort -

Zwei Pilzsammler wurden dabei ertappt, wie sie stolze 19 Kilogramm Steinpilze in ihr Auto luden. Wahrscheinlich kein Eigenbedarf. Hartmut Grawe bittet auf ein Wort.

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Die Ausbeute war einfach zu groß

Letztlich war den Wachtmeistern das Motiv wohl egal, denn das Naturschutzgesetz schreibt unerbittlich vor: Ein Kilo Pilze darf jeder pro Kopf und Tag für den Eigenbedarf aus dem Wald holen, aber eben nicht nicht das Zehnfache. Offenbar konnten die Pilzsammler nicht glaubhaft machen, dass sie zehn Tage lang ununterbrochen im Wald gelebt hatten, was ja wiederum genau einem Kilo pro Tag und Kopf entsprochen hätte. Es hatten sich vermutlich nicht genügend Wildschweine in ihren Jacken verfangen, um die enorme Ausbeute auf diese Weise zu rechtfertigen.

Kein Geschäftsmodell

So endet der rätselhafte Fall namens "Die Räuber Hotzenplotz 1 und 2 und die gewaltige Steinpilz-Ernte" mit einer noch gewaltigeren Geldstrafe von 1.700 Euro - das ist etwa das Vierfache des Marktwerts der Pilze. Das Verbrechen, leicht verderbliche Schätze des deutschen Waldes reichen Asiaten als Aphrodisiakum anzudrehen, zahlt sich also nicht aus. Es ist durchaus kein Geschäftsmodell, tonnenweise Steinpilze, Blaubeeren und Bärlauch im Türfutter des Autos zu schmuggeln. Eine klare Botschaft der Abschreckung an die große Dunkelziffer vegetarischer Wilderer.

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Auf ein Wort | 13.09.2018 | 18:25 Uhr