Stand: 30.01.2019 15:45 Uhr

Lecker: eSport mit Pommes und Ketchup

Das wettbewerbsmäßige und professionelle Videospielen wird immer bekannter. Die eSportler trainieren wie Profisportler und veranstalten Gaming-Turniere. Die Finger fliegen über den Controller und die Maustasten klicken. Aber ist das wirklich Sport? Und wie wirkt sich der Bann der visuellen Welt auf das Umfeld aus?

Eine Glosse von Detlev Gröning, NDR Info

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Ein eSportler auf seinem Lieblingsplatz - vor einem Bildschirm.

Es war am späten Nachmittag eines strahlenden Sommertages, als mir die bis dato originellste Ausrede zur Abwehr häuslicher Pflichten zu Ohren kam: Aus dem Türspalt eines sorgfältig verdunkelten Zimmers - mit 31 Grad Innentemperatur und der Luftqualität eines Ziegenstalls - wurde einer Erziehungsverpflichteten von ihrem übernächtigten Nachkommen in Unterhosen beschieden: Wäre er jetzt genötigt, den Rasen zu mähen, dann würde eine Zombie-Armee die Gelegenheit nutzen, seine Festung zu stürmen und eine komplette Zivilisation niederzumetzeln.

Gaming-Sucht der Stubenhocker

Da frage ich Sie: Wie verantwortungslos muss man sein, um der Abwehr einer derartigen Bedrohung mit läppischer Grundstücksarbeit zu begegnen? Das wäre ja so, als ob Theoderich der Erste beim Anreiten Attilas auf die Katalaunischen Felder plötzlich gesagt hätte: "Schlechte Nachrichten, liebe Hunnen, aber ich muss zu Hause erstmal das Herbstlaub aus den Dachrinnen holen. Ihr müsst den Angriff vertagen." Die Weltgeschichte wäre anders verlaufen.

Zwei Hände halten eine Spiele-Controller. © NDR Foto: Melanie Köster

Fifa '19 statt draußen auf dem Platz

NDR Info - Auf ein Wort -

Ist eSport, also das Spielen von Videogames am Computer, wirklich Sport? Diese Frage steht seit einiger Zeit im Raum. Detlev Gröning bittet auf ein Wort.

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In den Fängen der Online-Welt  

Erst ein späterer, heimlicher Blick auf das Schlachtfeld machte mir die kritische Gefechtslage klar: Möglicherweise wurde die Stellung zunächst gehalten, dafür zeigte das Jugendzimmer deutlich die Handschrift der Vandalen, die wo möglich einen Toilettengang des Gegners zur völligen Verwüstung des Geländes genutzt hatten. Mein versehentlicher Schritt in einen betagten Rest von Chicken Wings mit Pommes und Ketchup fiel zum Glück nicht auf. Da konnte ich sowieso nix für: Der lag zusammen mit einem Schulzeugnis und dem Kreisbus-Monatsticket in einem Schmutzwäschehaufen - ja kann man das ahnen?

Wie ein typischer Trainingsraum halt so aussieht

Von der Erziehungsgepeinigten erfuhr ich danach, dass es sich bei diesem Messi-Habitat in Wahrheit um einen typischen Trainingsraum für das heraufziehende eSport-Turnier handelt, in dem sich halbwüchsige Kombattanten einer virtuellen Völkerschlacht am Computer auf die nächste Landnahme vorbereiten. Ja, Sie haben richtig gehört: Sport! Da kann man so reich werden wie Ronaldo, wenn man am Bildschirm hinlänglich viele Leute erschossen hat. Um diesem Ziel näherzukommen, will die Gamer-Szene meiner Heimatregion jetzt sogar Fördermittel bei unserer Landesregierung beantragen, die damals nach Winnenden das ganze PC-Geballer eigentlich auf den Index setzen wollte. Da ist man dann doch mal kurz irritiert.

Lokaler Fußball-Traditionsverein ohne Nachwuchs

Dafür weiß ich jetzt aber, wohin die vier Jugendmannschaften unseres lokalen Fußball-Traditionsvereins entschwunden sind. Die spielen jetzt FIFA '19 mit Cola und Currywurst in der Playstation. Anstoß ist nachts um 1.30 Uhr - in der Ferienzeit entsprechend später. Und Rasenmähen hat sich da längst erledigt.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Auf ein Wort | 30.01.2019 | 18:25 Uhr