Stand: 11.02.2019 16:47 Uhr

Kramp-Karrenbauer und die Sozialdemokratie

Man wird sich doch mal etwas wünschen dürfen! CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer hat beim Werkstattgespräch zum Thema Flüchtlingspolitik von "uns Sozialdemokraten und Sozialdemokratinnen" gesprochen. Wendet sich die CDU ihrer größten Feindin zu? Oder war es wirklich nur ein Versprecher???

Eine Glosse von Horst Kläuser, WDR, ARD-Hauptstadtstudio Berlin

Bild vergrößern
Annegret Kramp-Karrenbauer bewirbt sich um den Vorsitz der neuen Großpartei SPCDU!

Mit dem Modewort Narrativ sind Sie natürlich längst vertraut. Es bezeichnet, wenn man Wikipedia glauben mag, eine sinnstiftende Erzählung. Also, da geht es um etwas, was alle schon lange wissen, was Allgemeingut geworden ist, kurz: eine Geschichte, die nun mal so ist.

Zum Narrativ der Gegner von Frau Merkel gehört zum Beispiel seit Jahren, dass sie die Sozialdemokratisierung der CDU nicht nur schweigend hingenommen, sondern durch ihre als zu links empfundene Politik sogar gefördert habe. Das mag vor allem die konservative Seite der CDU gar nicht. Aber die Sozis finden das auch nicht toll. Sie argwöhnen, die Bundeskanzlerin habe bei etlichen Gesetzen das SPD-Copyright verletzt und mal eben die eigenen Ideen geklaut, und am Ende als CDU-Erfolg verkauft. So geht das Narrativ.

Auf einer Collage sind links Fahnen der CDU und rechts Flaggen der SPD zu sehen. © dpa picture alliance Foto: Seeger/Stratenschulte

Kramp-Karrenbauer als Sozialdemokratin

NDR Info - Auf ein Wort -

Der "Sozialdemokratie"-Versprecher der CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer hat für einigen Wirbel gesorgt. Horst Kläuser bittet in seiner Glosse auf ein Wort.

0 bei 0 Bewertungen

Mit von 5 Sternen

bewerten

Vielen Dank.

schließen

Sie haben bereits abgestimmt.

schließen

Was für eine Begrüßung ...

Angela Merkel war unlängst den Job als CDU-Chefin leid. Jetzt soll Frau Kramp-Karrenbauer das Ding aus dem Dreck ziehen. Dazu gehört, den Partnern in der GroKo mal zu zeigen, wer die politischen Hosen anhat.

Sie macht aus der Vermutung bei Merkel endlich Gewissheit. Nicht irgendwo, nicht vor irgendwem begrüßte sie am Sonntagabend ihre Parteigenossen, ähem, Parteifreunde mit diesem Satz "Ich freue mich insbesondere, dass wir dies nicht nur als Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten heute Abend hier unter uns tun, sondern dass wir dies gemeinsam mit Freundinnen und Freunden der CSU tun." Das saß.

Da fallen Späne

Zweierlei fällt bei diesem mutigen Satz auf. Kein verhaspelter Auftritt, keine Zweifel, klare Standfestigkeit. Die Botschaft ist: Zieht euch warm an, am besten in Rot. Und sie klärt erneut den Unterschied zwischen CDU und CSU: hier die leicht sozialdemokratie-versifften CDU-Menschen, dort die bajuwarischen Grantler der CSU, die vor nicht allzu langer Zeit der Kanzlerin noch Rechtsbruch oder so was vorwarfen.

Annegret Kramp-Karrenbauer sagte das zur Eröffnung der Werkstattgespräche der Union. Werkstatt, denke ich da, hämmern, hobeln - da fallen bekanntlich Späne. Apropos: Jens Spahn lachte zum angeblichen Versprecher. Noch. Abwarten ...

Halbiert nun auch die CDU ihre Wählerstimmen?

Wenn die CDU-Vorsitzende das so sagt, kamen vielleicht geheime Wünsche zum Vorschein. Wenn das ein Versprecher war, dann war es aber ein freudscher, einer, in dem der scheinbare Fehler das eigentlich Gemeinte ganz tief aus dem Unterbewusstsein ans Licht der Politik beförderte. Will die CDU die bessere SPD werden? Nur zu, sie muss nur ihre Wählerstimmen halbieren ...

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Auf ein Wort | 11.02.2019 | 18:25 Uhr