Stand: 20.06.2019 17:00 Uhr

Keine Angst vor Anfängern!

Sie kennen den Satz ihres Zahnarztes : "Lehnen sie sich zurück und entspannen sich, es kann vielleicht ein bischen weh tun, ist aber nicht schlimm". Und dann tut es weh und ist schlimm. Kann das der Grund sein, weshalb zur Zeit Zahnarzt-Studenten keine Probanden mehr finden, an denen sie erste Bohrübungen machen können? Oder generell gesagt: Kann man Anfängern überhaupt richtig vertrauen?

Eine Glosse von Detlev Gröning

Damit wir auch morgen noch kraftvoll zubeißen können, sollten wir jene unterstützen, die sich im Studium anschicken, uns mit Zange, Bohrer und anderen Gerätschaften mit Schmerzpotenzial einen Besuch in der Mundhöhle abzustatten. Denn wie in anderen Gewerken fallen auch in der Dentalbranche die Meister nicht vom Himmel. Zahnarzt-Studenten beklagen einen Mangel an tapferen Übungspatienten.

Ein Zahnarzt behandelt einen Patienten. (Illustration) © dpa/picture alliance Foto: Markus Scholz

Keine Angst vor Anfängern

NDR Info - Auf ein Wort -

Zahnarztstudenten finden immer weniger Probanden, um die ersten Bohrungen in der Praxis zu üben. Herrscht Angst? fragt sich unser Autor Detlev Gröning. Und beruhigt.

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Beim Frisör kann man das Risiko gerade noch eingehen, der Pony wächst nach, aber darauf will man bei den Kauwerkzeugen lieber nicht vertrauen. Darum müssen üblicherweise Freunde und Verwandte die Weisheitszähne hinhalten, selbst der Opa, der nur noch sechs Richtige im Kiefer hat. Ab jetzt hat er nur noch 5 Richtige mit Zusatzzahn, und das nur, weil wir Weißkittel-Phobiker Angst vor Anfängern haben. Dabei muss man in Wirklichkeit keine Packung Valium, sondern höchstens ein wenig Zeit mitbringen, denn die gewissenhafte Erstverspachtelung einer kariösen Schadensregion unter fachlicher Aufsicht kann sich schon mal auf die Länge einer mittelprächtigen Herz-OP hinziehen.

Gerade in der Medizin haben es Berufseinsteiger nicht leicht, wie wir Arztserien-Gucker wissen - und selber im OP-Vorbereitungsraum nicht hören wollen: "Gut, dass Sie ihr Sedativum schon intus haben - wir sind alle so aufgeregt - unser Herr Buske macht heute seine allererste Gallenoperation; schade, dass Sie davon so wenig mitkriegen, aber wir wecken Sie, wenn es geklappt hat." So ist das, wenn in der Police die Chefarztbehandlung fehlt. Auch die Urlaubsreise könnte spannender beginnen als gedacht: "Meine Damen und Herren, Kapitän Jäkel begrüßt Sie herzlich auf seinem allerersten Linienflug." Da zieht man die Gurtschnalle reflexartig auf Anschlag.

Dabei ist die Furcht, an Premieren von Einsteigern teilzunehmen mindestens weit übertrieben. Niemand zittert sich so vorausschauend, pingelig und rechtstreu durch den Straßenverkehr wie der Fahranfänger. Keiner ist so fokussiert wie der Chirurg beim ersten Schnitt ins Leibhaftige oder so umsichtig wie der Installateur beim ersten Kunden. 

Kritisch wird es erst, wenn zwei, drei Jahre alles zu glatt gelaufen ist. Dann vergessen die ersten den Tupfer im Bauchraum, der nächste dreht die Sicherungen nicht mehr raus und der selbsterkannte Spitzenfahrer gibt nach drei Halben den Disco-Chauffeur.

Aber in den Händen derer, bei denen sich die Tinte unter Approbation, Fluglizenz oder Gesellenbrief noch in der Trocknungsphase befindet, darf man sich gut aufgehoben fühlen, und darum: Keine Angst vor Anfängern!

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Auf ein Wort | 20.06.2019 | 18:25 Uhr