Stand: 09.11.2018 17:39 Uhr

Heino: Ist 2019 nun wirklich Schluss?

Ein Schock für viele, als bekannt wurde, dass der dienstälteste deutsche Volksliedbeauftragte seine Karriere demnächst beenden wird. 50 Jahre Heino sein reicht dann auch.

Eine Glosse von Stephan Fritzsche

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Heino gibt es sogar in nietenbesetzter Lederjacke.

Der 9. November, ein Tag der in vielerlei Hinsicht dieses Land geprägt hat - und nun auch noch das: Der 9. November 2018, der Tag an dem Heino das Ende seiner Sangeskarriere ankündigte. Ein Album noch mit dem passenden Titel "und Tschüss", dann noch eine  kleine Tournee und dann war es das: Aus die Maus - Schluss mit der Haselnuss. Mit 80. Dann bleibt nur noch einer, der mit besonderem Kopfschmuck und dunkler Sonnenbrille deutsch singt - Udo Lindenberg. Aber der ist ja noch nicht 80. Und sein letztes Album würde auch nicht "Tschüss"  heißen, sondern "Tschüssikowski", aber ich schweife ab.

Sänger Heino zu Gast in der NDR Talk Show am 22.04.2016 © NDR/Uwe Ernst Foto: Uwe Ernst

Heino hört auf

NDR Info - Auf ein Wort -

Ein Schock war es für viele, als bekannt wurde, dass der dienstälteste deutsche Volkslied-Beauftragte seine Karriere beenden wird. Stephan Fritzsche bittet auf ein Wort.

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Ein musikalisches Feindbild war gefunden

Heino war praktisch immer da, anfangs unter dem Namen Heinz Georg Kramm, später dann Heino. Erst ohne, dann mit Brille, aber immer mit Enzian und Haselnuss. Meine Eltern mochten ihn, mir war er deswegen suspekt. Mitte der 70er-Jahre kam der Enzian, der viele Eltern meiner Freunde in Verzückung und Mitsinglaune versetzte - ich aber hatte mein musikalisches Feindbild gefunden. Meine Eltern gingen gern wandern, in die Berge, dahin, wo eben dieser Enzian blühte. Ich hingegen hasste das Wandern als Kind und auch deswegen war dieser bebrillte Enziansänger mit seiner Volksliedwaffe einer, den es mit Black Sabbath und Led Zeppelin zu bekämpfen galt.

Texte von poetischer Wucht

Den Kampf verlor ich - Heino ist immer noch da - Black Sabbath nicht. Das ist seine späte Rache für all die Häme und Kritik, die er im Laufe der Jahrzehnte aus seiner Sicht zu Unrecht einstecken musste. Denn Texte wie "In einem Polenstädtchen lebte einst ein Polenmädchen" oder "Ja, ja sie ist so wunderbar, die schwarze Barbara" sind natürlich von einer poetischen Wucht, die viele - unter anderem auch ich - damals nicht zu würdigen wussten. Und heute tue ich es noch immer nicht, wo HG Kramm dieselben alten Deutschtümeleien in Nietenlederkutte und mit Rockerimage rammsteinmäßig auf dem Wacken Open Air versingt. 

Heino 2.0? - Bitte nicht!

National - epochal - brachial  - egal. Nostalgie frisst Rock'n'Roll. Zuletzt blühte der Enzian auf dem 2014-er Album schwarz! Da hätte ich ihm schon sagen können: "Is' gut Herr Kramm , soweit ist die Evolution noch nicht  - reicht jetzt". Und als 2016 das Album Arschkarte rauskam, da dachte ich, aha. Nun also ist 2019 Schluss. Merkel, Maaßen und jetzt eben Heino. Ein schräger Dreiklang, ich weiß, aber wir leben in Zeiten des Umbruchs. Schluss mit der Haselnuss, der schwarzbraunen. Wobei, er möchte sich ja jetzt mehr den Enkelkindern widmen, die seien auch musikalisch  - ahnen sie auch was ich ahne? Haselnuss 2.0?  - Bitte nicht!

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Auf ein Wort | 09.11.2018 | 18:25 Uhr