Stand: 14.06.2019 14:10 Uhr

Heimarbeit ist allseits unbeliebter als gedacht

Homeoffice, Arbeiten von Zuhause aus, wird immer häufiger genutzt, ist aber offenbar bei vielen Beschäftigten nicht sonderlich beliebt. Das zumindest ist das Ergebnis einer gerade vorgelegten Studie der Bundesagentur für Arbeit. 70 Prozent der Befragten halten demnach Homeoffice für nicht sehr attraktiv.

Eine Glosse von Detlev Gröning

Wie ginge es wohl auf mancher Ausfallstraße zu, würde man aus dem allmorgendlichen Verkehrsstau all diejenigen entnehmen, die unterwegs sind, um ein Arrangement aus Schreibtisch, Monitor und Tastatur mit einem absolut vergleichbaren Ensemble zu tauschen, das lediglich nicht zu Hause steht, sondern in den Büroräumen eines Stadtzentrums?

Zukunft der Arbeit © - Foto: -

In der Firma ist es doch am schönsten

NDR Info - Auf ein Wort -

Homeoffice ist bei vielen Beschäftigten nicht sonderlich beliebt. Detlev Gröning bittet auf ein Wort.

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Viele Arbeitnehmer halten ihre Anwesenheit in der Betriebsstätte für absolut unverzichtbar.

Natürlich wird auf Nachfrage durchs Seitenfenster jeder und jede steif und fest behaupten, ihre Anwesenheit in der Betriebsstätte sei absolut unverzichtbar, aber wenn man den heutigen und künftigen Stand der Vernetzung und Digitalisierung bis ans Ende denkt, dann könnte man die genervte Schlange der Berufspendler gewiss um einige Köpfe kürzer machen. Das wäre nicht nur eine glatte Eins in Sachen Ökologie, Zeitgewinn und Arbeitseffizienz, sondern auch eine Entlastung für alle, deren häusliche Abwesenheit tatsächlich alternativlos ist.

Aber gibt es einen zwingenden Grund, für die Erstellung einer Excel-Tabelle, die Ausfertigung eines Verwaltungsaktes oder die Pflege einer Kundenkartei Tag für Tag zermürbende 50 Kilometer durch unsere Atmosphäre zu dieseln, am Zielort acht Stunden Präsenz einzustempeln und gleichzeitig für den daheimgebliebenen Dreijährigen verzweifelt nach einer Ganztagsbetreuung zu fahnden?

Und wie es den gibt! Neben jenen, die ihre leibhaftige Anwesenheit in der Firma als unerlässlich einstufen, ergab die Befragung ein Missbehagen gegen die Heimarbeit auf beiden Seiten: Den einen fehlt die dicht besiedelte Stätte des Broterwerbs als Raum der Geselligkeit, manchen gar als Fluchtoase aus familiärer Bedrängnis, als Ort einer stabilen Hackordnung, der Begegnung von Mitreisenden in der täglichen Tretmühle oder als Mekka des Kantinengetuschels, des Anwanzens und Stühlesägens.  

Die Geschäftsleitung auf der anderen Seite fürchtet sich vor Kontrollverlust, sinkender Arbeitsmoral und würde ihre Hierarchiekulisse schmerzlich vermissen. Wozu ist man überhaupt Chef geworden, wenn im ganzen Laden kein Schwein zu sehen ist, das der Ermahnung bedarf?  

Bei aller digitalen Kunst ist es ja nicht dasselbe, ob man sich als meckerndes Hologramm in ein häusliches Mitarbeiterzimmer projiziert oder den erstbesten Knecht auf dem Flur der Personalabteilung zusammenfaltet, weil man heute mit dem falschen Fuß aufgestanden ist.

Und so lautet das Fazit der Studie: Heimarbeit ist allseits unbeliebter als gedacht. Welcher Mitarbeiter der Bundesanstalt die Daten ausgewertet und zusammengeschrieben hat, ist nicht überliefert, aber nach Lage der Dinge dürfen wir annehmen: Dafür ist er so einige Kilometer hin und zurück gefahren.

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Auf ein Wort | 14.06.2019 | 18:25 Uhr