Stand: 14.09.2018 17:11 Uhr

Harrisons "Maton Mastersound" ist unbezahlbar

Immer wieder werden aus dem Fundus von berühmten Musikern Instrumente versteigert. Da lohnt sich das Mietbieten natürlich. Vor allem, wenn es sich um eine legendäre E-Gitarre des verstorbenen Beatles-Mitglieds George Harrison handelt ...

Eine Glosse von Detlev Gröning

Bild vergrößern
Ach, wie schön wäre es, George Harrison wieder auf der "Maton Mastersound" spielen zu sehen und zu hören ...

Als Jäger und Sammler historischer Schätze kann man den Antikmarkt ja nicht eine Sekunde aus den Augen lassen. Da bist Du einmal nicht auf dem Laufenden, und schon verramschen sie bei Sotheby's die "Maton Mastersound" von George Harrison für lausige 300 Riesen - ein glattes Drittel unterhalb der Expertise.

Schade, die hätte bei mir perfekt an die Wand gepasst - so halbschräg über der Grassode vom Anstoßpunkt des Wembley-Stadions und dem Klorollenhalter aus dem Badezimmer Albert Einsteins. Und der Jugend von heute hätte ich dann feierlich mitteilen können: "Auf dieser E-Gitarre hat George Harrison damals 'Love me do' runtergeschrubbt. Da war der in Deutschland quasi noch unbekannt."

Ein Status, den sich der Ex-Beatle zwei Generationen später zurückerobert hat, wie sich im weiteren Verlauf der Gedenkminute vor dem Artefakt herausgestellt hätte. Wer soll das sein, George Harrison? Und diese Gitarre, wofür brauchte der die?

Eine E-Gitarre Maton MS-500 Mastersound steht in einer Ausstellung auf einem Holzstuhl. © imago

So wenig Geld für so eine "berühmte" Gitarre

NDR Info - Auf ein Wort -

Eine Gitarre des 2001 verstorbenen Beatles-Mitglieds George Harrison hat jetzt für umgerechnet etwa 390.000 Euro den Besitzer gewechselt. Detlev Gröning bittet auf ein Wort.

5 bei 1 Bewertungen

Mit von 5 Sternen

bewerten

Vielen Dank.

schließen

Sie haben bereits abgestimmt.

schließen

Download

Und schon verwelkt das Musik-Artefakt - aus der Brille meiner Nichte betrachtet - zu einer betagten Allerweltsklampfe mit deutlichen Gebrauchsspuren, die bei "Bares für Rares" für mitleidige 80 Euro in die Eifel wanderte, wäre da nicht ihre Provenienz, also die Aura desjenigen, dessen Finger vor einem halben Jahrhundert in irgendeinem verqualmten Beat-Schuppen mehr oder weniger griffsicher nach dem verminderten C-Moll-Sieben gefahndet haben.

Wir Zeitzeugen müssen ja zugeben: Als Gitarrist war George Harrison von Jimi Hendrix, Al Di Meola oderJohn McLaughlin ähnlich weit entfernt wie ein Grundschul-Flötenkreis von den Berliner Philharmonikern. Und dennoch: Die Wiederinbetriebnahme seines Instruments, womöglich in einer Tanzkapelle beim Schützenfest, wäre für den waschechten Beat-Romantiker ein ähnliches Sakrileg wie für den Tiefgläubigen die Weiterverwendung von Reliquien, etwa das Einschlagen eines Original Kreuzigungsnagels vom Typ "Golgata" in seinen Dachstuhl.

Natürlich trifft man in der Preziosen-Szene auch auf Betrüger. Wie etwa meinen Nachbarn, der um meine Sammelleidenschaft weiß und mir einen zertrümmerten Röhrenverstärker als einzige zusammenhängende Hinterlassenschaft eines Who-Konzertes oder eine halbleere Kömbuddel als angeblich letzte Hauptmahlzeit von Amy Winehouse unterjubeln wollte.

Totzdem: Die Idee war gut, um den jungen Verwandten eine vergessene Dachbodenleiche der Unterhaltungstechnik unter neuem Etikett zu präsentieren: als erstes Mischpult von DJ Bombe featuring Berno Inferno. Da leuchteten die Augen! Daneben hätte Harrisons Gitarre einfach nur alt ausgesehen.

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Auf ein Wort | 14.09.2018 | 18:25 Uhr