Stand: 16.05.2018 12:36 Uhr

Google und der intelligente Quatsch-Automat

Google hat jetzt mit der Software Duplex einen sogenannten Sprachassistenten vorgestellt, der selbstständig telefonieren und etwa Tische im Restaurant bestellen kann, ohne dass der Kellner am Telefon bemerkt, dass da eine Maschine mit künstlicher Intelligenz spricht. Google Duplex wirkt bedrohlich, könnte aber auch ein praktischer Ausreden-Automat sein.

Eine Glosse von Klaus Nothnagel

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Was Google erfindet, wird ein Erfolg? Bei der Software Duplex warten wir mal schön ab ...

Verehrte Hörerinnen und Hörer, wer spricht zu Ihnen? "Blöde Frage", höre ich Sie antworten, "ein freundlicher Spaßmacher in Diensten des Norddeutschen Rundfunks spricht zu uns, wer sonst?" Sehen Sie, und genau das ist die Frage: Ich könnte auch eine Maschine sein.

Die Firma Google arbeitet zurzeit daran, eine Sprechsoftware serienreif zu machen, einen lebensechten Quatsch-Automaten. Duplex heißt er. Bisher beherrscht er das telefonische Vereinbaren von Friseurterminen sowie die Tischbestellung im Restaurant. Er klingt nicht mehr monoton wie frühere Maschinenstimmen, er kann auf Nachfragen seines natürlichen Telefonpartners sinnvoll antworten, und er streut in seine Rede zwanglos "Ähs" und "Ähms" ein, um wie ein Mensch zu klingen.

Smartphone © Fotolia.com Fotograf: Tanusha

Wenn plötzlich eine Maschine mit Dir spricht

NDR Info - Auf ein Wort -

Die neue Google-Software Duplex wirkt zunächst einmal bedrohlich. Sie könnte aber auch ein praktischer Ausreden-Automat sein. Klaus Nothnagel bittet in seiner Glosse auf auf Wort.

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Duplex, das Dummerchen

Der Laber-Automat muss allerdings äußerst präzise programmiert sein, er kann nur ein Thema und erinnert darin ein wenig an Horst Seehofer. Spräche die Friseuse am Telefon: "Nein, da müssen Sie sich verwählt haben. Hier ist der Hundefriseur Fifi", dann bräche die Redemaschine sofort zusammen. Und würde das Restaurant fragen "Darf es auch ein Tisch gleich bei der Toilette sein?", dann glaube ich nicht, dass Duplex, das Dummerchen, mit einer elegant improvisierten Antwort glänzen würde!

Wenn zwei Maschinen miteinander plaudern ...

Trotz der fundamentalen Albernheit dieser Erfindung, ist eine gewisse Brauchbarkeit nicht zu leugnen. Der reisende Pharmavertreter, der mit außerehelichem Sex recht gut, mit geschickten Lügen aber gar nicht zurechtkommt, lässt einfach seine Duplex-Maschine am Telefon zur Gattin sagen, ihr Mann stecke in einem üblen Stau bei Hannover, während er in Wahrheit ein Stundenhotel in Gelsenkirchen bezieht.

Zum künftigen Kundenkreis gehören auch Teenager: "Mama, ich konnte nicht um Mitternacht zu Haus sein, drei S-Bahnen nacheinander sind nicht gekommen" - so was lügt die Software mit der gesampelten Stimme der jungen Dame souveräner als sie selbst. Aber was wäre, wenn auch Mama sich ein Duplex zugelegt hätte, sodass an beiden Enden des Telefons die Maschinen plauderten?

Kommt es zum allgemeinen Roboter-Aufstand?

Könnten die Maschinen auch hinter unserem Rücken Vereinbarungen und Verabredungen treffen oder gar Intrigen schmieden? Steht nicht am Ende dieser seltsamen Entwicklung folgerichtig der allgemeine Roboter-Aufstand? - Immerhin, eins kann ich garantieren: Im Radio werden erst dann Sprechautomaten eingesetzt, wenn die Hörerinnen und Hörer flächendeckend durch Hör-Automaten ersetzt wurden. Beruhigend, oder?

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Auf ein Wort | 16.05.2018 | 18:25 Uhr