Stand: 12.03.2019 16:25 Uhr

Was das Internet alles (nicht) kann

Der 30. Geburtstag der World-Wide-Web-Idee ist ein guter Anlass, das Netz mal etwas abzuklopfen: Wo liegen die Stärken des Internets, wo die Schwächen? Und da sind wir schnell bei einem wichtigen Punkt: der Geschwindigkeit.

Eine Glosse von Detlev Gröning

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Wenn's im Netz mal wieder länger dauert, steht vielleicht gerade jemand auf der Leitung ...

30 Jahre Internet in drei Minuten hochladen? "Donnerwetter", werden Sie sagen, "der Breitbandausbau geht voran". Von wegen. Gar nichts geht voran. Wenn ich abends zwischen acht und elf einen Film aus der Mediathek anklicke, dann nur, um einen nostalgischen Moment auszukosten, als man noch von einem analogen Modem in die Welt gepfiffen wurde und sich im Erfolgsfall Bilder bei 56 Kilobyte pro Sekunde zeilenweise aufbauten - das "Dalli-Klick" der digitalen Gründerzeit -, während der Telefonanschluss besetzt war.

Das kann man sich heute ja kaum noch vorstellen, wo alle 200 Meter eine Amazon-Lieferung den Radweg blockiert, nichts so leise ist wie acht Jugendliche am Smartphone in unserer Stehbäckerei, und wo man verrinnende Lebenszeit bei Dienstleistern und in Behörden so intensiv spürt, während gegenüber jemand was eintippt, kurz aufstöhnt, flucht oder ein "Hä? Was ist das denn?" von sich gibt.

Ein Junge hält ein Smartphone in den Händen. © klicksafe/Marcel Kusch

Als die Daten laufen lernten

NDR Info - Auf ein Wort -

30 Jahre Internet, das ist doch mal ein Grund zum Feiern. Na ja, es könnte zumindest einer sein, wenn das Internet schnell genug wäre. Detlev Gröning bittet auf ein Wort.

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Dafür findet man nur im Internet derart viele Leute mit den gleichen absurden Wahnvorstellungen, dass man die eigene pathologische Weltsicht für eine Mehrheitsmeinung halten kann: dass Deutschland gerade von finsteren Mächten abgewickelt wird, Psychopharmaka aus Verkehrsflugzeugen zischen oder die Erde eine Scheibe ist. An gleicher Stelle findet man sogar den idealen Liebes- und Lebenspartner, wenn auch normalerweise nur dort, wo noch die Bahncard 100 hinreicht.

Auch die hitzigen Debatten von einst, wer wann und wo in welchem Film mitgespielt hat oder eben nicht, sind dank Mobilgerät in 30 Sekunden beendet. Und so surfen wir alle Tage, bis sich das Notebook als digitaler Lumpensammler so viele Viren, Würmer und Trojaner aufgelesen hat, dass eine sich drehende Sanduhr ausgiebiges Nachdenken darüber erlaubt, warum wer oder was gerade heimlich unsere Daten verarbeitet, warum aufgescheuchte Politik ein digitales Bürgerportal annonciert, das sich leider wegen Datenschutz nicht öffnen lässt, oder einen Glasfaserausbau zum Staatsziel erklärt, der seine Gewinner in Randlagen oder auf dem Lande findet, wo Zweckverbände die Leitungen lediglich durch ein paar nasse Koppeln schießen, während sich die historische Verdrahtung im Stadtzentrum ins Weltkulturerbe gammelt.

Und so konnte es geschehen, dass man heute in Knöllerupfeld Spielfilme in 4K-Ultra-HD- mit Goldkante streamt, während sich im hauchdünn verkupferten Stadtgebiet unscharfe Standbilder abwechseln. Und in eben diese Stille hinein erscheint mir jenes Déjà-vu als akustische Halluzination: Ich glaub', mein Modem pfeift.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Auf ein Wort | 12.03.2019 | 18:25 Uhr