Stand: 26.03.2019 10:59 Uhr

Alte Handys werden immer wertvoller

Kennen Sie das: Sie wühlen sich durch den Dachboden und entdecken verstaubte Schätze der eigenen Vergangenheit? Die spannendsten Zeitzeugen vergangener Jahre finden sich allerdings häufig in der untersten Schreibtisch-Schublade: die Telefone der vergangenen 20 Jahre. Sie erzählen die Geschichte unseres Lebens. Und wertvoll werden sie auch noch ...

Eine Glosse von Detlev Gröning

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Wer weiß schon genau, ob und wann die alten Handys ihre Besitzer reich machen ...?

"Das legen wir erstmal auf den Dachboden - frisst ja kein Brot." Jeder kennt sowohl die beliebte Sofortmaßnahme bei akuter Raumnot als auch das griffige Motto der Entrümpelung, das dem überbevölkerten Gnadenhof des Ausrangierten irgendwann bevorsteht: Was man drei Jahre lang nicht vermisst hat, kann jetzt auch mal endgültig weg.

Waren es früher Renaissance-Truhen, Biedermeier-Gestühl und Jugenstil-Kommoden, die von Kunstkretins durch den Kamin geschoben wurden, so sind es in neueren Zeiten museal unterschätzte Elektro-Kleingeräte, denen die technische Revolution den letzten Weg in Tonnen und Container ebnete.

Dabei konnten einem schon mal die Wehmutstränen ins Auge schießen, während das einst teuer bezahlte Teil auf einem geborstenen Röhrenfernseher im Recyclinghof aufschlug: der VHS-Videorekorder, das Magnetophon-Bandgerät, die Kompaktanlage mit Kassettenrekorder im Ebenholzfurnier, der Mr-Hit-Plattenspieler mit Lautsprecher im Deckel, der Atari ST mit dem gigantischen Ein-Megabit-Arbeitsspeicher - sie alle haben sich längst mit dem Flug aus Heckklappen und Kofferräumen und einem unschönen Geräusch verabschiedet.

Nur dank seiner verträglichen Ausmaße gelang es einer Spezies der Telekommunikation, in meinem Haushalt eine ökologische Nische zu erobern, ein ruhiges "Elektrotop" in einer abgelegenen Schublade, die nur im Stadium endgültiger Verzweiflung auf der Suche nach Batterien oder Ersatzschlüsseln ergebnislos auf- und wieder zugezogen wird. Hätte ja sein können, ... nein, hätte es nicht!

Eine Frau tippt mit einem Stift auf einem alten Motorola Handy rum. © dpa - Fotoreport Foto: Marcus Krüger

Echter Reichtum: Handys mit Museumswert

NDR Info - Auf ein Wort -

In Ihrer Schublade schlummert womöglich ein Wertgegenstand, den Sie bislang noch nicht als solchen angesehen haben. Detlev Gröning bittet in seiner Glosse auf ein Wort.

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In tief entladener Eintracht versammeln sich hier ausschließlich die Handys meines Lebens. Vom letzten Smartphone mit dem filigran zersplitterten Display bis zum allerersten Knochen mit einer SIM-Karte, die sich ob ihrer Größe unauffällig in ein Skatblatt mischen ließe.

"Hallo? Bist Du noch dran?", flüstert es in Vollmondnächten aus den pensionierten Kämpfern gegen ländliche Funklöcher. Zunächst war es eine Mixtur aus Bequemlichkeit, Umweltbedenken und "man kann ja nie wissen", die das Konvolut vor dem Mülleimer bewahrte, doch ab jetzt schlummert dort eine attraktive Wertanlage, seit in der Ferne das erste Donnern des Auktionshammers erklingt.

750 Euro für ein Nokia 8800, 4.000 Euro für das Motorola DynaTac, 15.000 für das iPhone 2g, zum Ersten, zum Zweiten und zum Dritten! Verkauft an den Herrn in der zweiten Reihe mit der Meise unterm Pony.

Für die eigene Altersvorsorge ist das Teil noch nicht reif, aber nach seriösen Berechnungen wird mich im Jahre 2061 mein T-Mobile MDA mit Stylus und Gürtelclip posthum zum lukrativen Erbonkel machen. Das Ding kommt ins Testament und bleibt bis dahin gefälligst in der Schublade. Frisst ja kein Brot.

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Auf ein Wort | 25.03.2019 | 18:25 Uhr