Stand: 26.07.2019 14:32 Uhr

"Fahr zur Hölle"? - Sehr gerne!

Früher war die Musik von AC/DC zu vorgerückter Stunde ein Garant für Stimmung auf fast jeder Party. Spätestens bei "Highway to hell" war die Tanzfläche voll. Luftgitarristen und Mitsinger gaben sich ein Stelldichein. Und eigentlich hat sich daran seit dem Erscheinen dieses "Meilensteins der Rockmusik" vor 40 Jahren nichts geändert.

Eine Glosse von Stephan Fritzsche, NDR Info

Bild vergrößern
Die Scheibe "Highway to hell" darf in keiner Musiksammlung fehlen.

Ich weiß nicht, wo Sie waren, als der süße Wohlklang in A-Dur zum ersten Mal an Ihr Ohr traf. Ich jedenfalls stand in einem Plattenladen in Kiel, legte dieses von einem Freund dringend empfohlene Kleinod musikalischer Anmut zum Reinhören auf den Plattenteller, nahm mir die Kopfhörer, setzte die Nadel aufs Vinyl - und es traf mich wie ein Blitz!

Es brauchte nur dieses kurze, synkopierte Riff in seiner brachialen Schnörkellosigkeit - und der Satz "Fahr zur Hölle" bekam eine ganz neue Bedeutung. Der behörnte Beelzebub am Eingang hatte jetzt einen bürgerlichen Namen: Angus Young. Und er machte die Hölle zu einem coolen Ort.

AC/DC-Konzert am 21. Juni 2015 auf dem Messegelände in Hannover: Johnson/Young © NDR 2 Foto: Axel Herzig

"Fahr zur Hölle" - aber sehr gerne!

NDR Info - Auf ein Wort -

Vor 40 Jahren veröffentlichte die damals kaum bekannte Band AC/DC ein legendäres Album: "Highway to hell". Bis heute ist es ein Musikgeschichte-Meilenstein, findet Stephan Fritzsche.

4,11 bei 9 Bewertungen

Mit von 5 Sternen

bewerten

Vielen Dank.

schließen

Sie haben bereits abgestimmt.

schließen

Download

Jede Menge Identifikationsmusik

Sicher, es gab bereits eine Menge Identifikationsmusik - schwarzen Magie, Psychedelisches, Musik von Maskierten, von Herrschaften in Glam und Glitter, es gab Heavy Metal, Hard Rock, Kuschelrock, den intellektuellen Satirerock von Zappa und die Ablehnung des gesamten Systems durch die Punkbewegung.

Die Frage nach Stones oder Beatles war zu dem Zeitpunkt völlig antiquiert. 1979, das war Helmut Schmidt, Franz Josef Strauß, Walter Scheel, Erich Honecker, Papst Johannes Paul II., Jimmy Carter oder Rudi Carrell.

Eine Energiewende der völlig anderen Art

Und dann so was: Das war der australische Lockruf des ultimativen Rhythmus! Ein schmächtiger Mann durchbrach die bis dato überall zur Schau gestellte Rock 'n' Roll-Coolness in einem völlig neuen Outfit: "Back to School" - kurze Hosen, Ranzen und Kniestrümpfe, irgendwie putzig. Auf der Bühne verwirrte er durch eine neuartige, hüpfende Bewegungsform in gebückter Haltung auf einem Bein, dazu zwei Zeigefinger als Hörnersymbol an den Schläfen. Dann dieser unnachahmliche Sound dieses Grundschülers, der sich vollkommen verausgabte, auf dem Boden wälzte und der Gitarre Soli entlockte, die jedem Lehrer dieser Welt das Fürchten lehrte. Der Teufel im Gewand eines Viertklässlers. Ein völliger Stilbruch. Einfach grandios!

Und überhaupt: Gleichstrom/Wechselstrom, was für ein Bandname. Den hätte sich der Teufel nicht besser ausdenken können. Das war eine Energiewende der völlig anderen Art. Diese Platte lief auf meinem Dual-Plattenspieler in Schleife, es war für mich eine Art Erweckung. Weniger für meine Eltern, die nun ständig auf Lautstärkedrosselung beharrten. Dieser irre Lärm würde mich noch taub machen.

40 Jahre volle Energie

Hat er letztlich nicht. Er hat mich fortan begleitet, als feste musikalische Größe. Für jede Lebenslage gab und gibt's was Passendes von AC/DC. Bis heute funktioniert dieses Riff für viele als eine Art pawlow'scher Reflex, ein Auftakt zu drei Minuten Achterbahnfahrt der Emotion. Auf rauschenden Partys oder bei lästiger Hausarbeit - volle Energie. Seit 40 Jahren.

Glückwunsch - und danke, AC/DC. Und was die Hölle angeht: Ich hoffe, da steht ein Plattenspieler, wenn ich da mal hin muss.

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Auf ein Wort | 26.07.2019 | 18:25 Uhr