Stand: 27.05.2019 16:17 Uhr

Erst die Hausarbeiten, dann das Vergnügen

Langeweile ist gut, Pflichten sind wichtiger - so knapp lässt sich das Ergebnis einer Studie des Deutschen Kinderhilfswerk in Berlin zusammenfassen. Mehr als 1.000 Eltern wurden befragt, welche Dinge sie für wichtig für die Entwicklung ihrer Kinder halten. Dabei fanden die Eltern Hausaufgaben und häusliche Verpflichtungen viel wichtiger als die Freizeitgestaltung ihrer Kinder.

Eine Glosse von Julia Jakob

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Spiel und Spaß als Ausgleich nach einem langen Schultag - schön wär's!

Noch heute wecke ich meinen Mann gerne mit den Worten: "Schnuggi, aufstehen, du schreibst heute Französisch." Dieses Hochschrecken, dieser panische Ausdruck in seinen Augen, das ist unbezahlbar.

Andererseits stimmt es bedenklich, dass eine solche Aussage auch kurz vor der Pensionierung noch eine solch vehemente Reaktion auslösen kann. Schule prägt - und wir lernen fürs Leben!

Kinder schauen enttäuscht auf ihre Eltern © imago stock Foto: Emil Umdorf

Fürs Leben lernen ist richtig wichtig

NDR Info - Auf ein Wort -

Hausaufgaben sind wichtiger für Kinder als Freizeitgestaltung. Das sagen viele Eltern, die in einer Studie nach ihrer Meinung befragt wurden. Julia Jakob bittet auf ein Wort.

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Die Tricks mit dem Hausaufgabenheft

Natürlich habe ich es gehasst, den Abendbrottisch zu decken, abzutrocknen oder den Müll rauszubringen. Puppe Rosemarie brauchte dringend eine neue Frisur, dem Legohaus fehlte noch das Spitzdach und die Pumuckl-Schallplatte hatte schließlich noch eine Rückseite.

Die häuslichen Pflichten ließen sich schwer umschiffen, dafür die Hausaufgaben umso leichter. Bei uns gab es ein Hausaufgabenheft. Dort mussten die Aufgaben für den nächsten Tag eingetragen werden. So hatten die Erziehungsberechtigten die Kontrolle - dachten sie.

Ich cleveres Kerlchen habe einfach Aufgaben eingetragen, die schon längst erledigt waren. Im Deutschheft stand ja der Aufsatz, die Textaufgabe war bereits in der Schule gelöst worden und Vokabeln zu lernen fiel mir, warum auch immer, eh leicht. Und selbst als mir Muttern auf die Schliche kam und ich mich an den Schreibtisch setzen musste: Mir ist Effizienz in Fleisch und Blut übergegangen. Ein rationeller Umgang mit knappen Ressourcen. Fürs Leben lernen wir, nicht für die Schule.

Spickzettel sind vergeudete Energie

Die kleinen Tricksereien - oder mal soziologisch formuliert: die Vermeidungsstrategien - sind die Schule des Lebens. Man lernt: Fieses, hinterhältiges Betrügen lohnt sich nicht, irgendwann holt es einen ein. Eine gefälschte Entschuldigung, das geht, zwei, drei, sieben Mal gut, aber beim achten Mal gibt's Mecker - und zwar richtig! Spickzettel sind vergeudete Energie. In dem Moment, in dem man es schreibt, lernt man es auch.

Doch Unwissenheit mit Kreativität und Witz getarnt, kann die Stimmung immens heben. In einer Biologie-Arbeit - jajaja, ich hatte mit Hui-Buh-Kassette gelernt - wurde gefragt, was ein abiotischer Faktor sei. Meine Antwort: "Weiß der Geier!" Anmerkung des Lehrers: "Dann frage ihn doch!" Bis heute juckt es mich in den Fingern, solche Antworten bei meiner Steuererklärung einzusetzen.

Hausaufgaben und häusliche Verpflichtungen schaden nicht. Eine Niederlage beim "Mensch ärgere dich nicht" ist wesentlich schwieriger zu bewältigen als der Abwasch vom Vortag.

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Auf ein Wort | 27.05.2019 | 18:25 Uhr