Stand: 21.02.2018 15:43 Uhr

Die tägliche WhatsApp-Schlacht

Früher war zwar nicht alles besser, auf jeden Fall aber war unser Leben deutlich weniger digitalisiert. Egal ob für Terminabsprachen, Einkaufslisten oder zum Grüße-Versenden: Die Kommunikation über WhatsApp hat vieles verändert. Leider ...

Eine Glosse von Ocke Bandixen, NDR Info

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Hunderte oder noch mehr WhatsApp-Nachrichten täglich ... und wie viele davon sind wichtig?

Huhu, jemand da? Schon ganz falsch, dieser Anfang. Denn wie in allen Lebensbereichen müssen wir - gerade, wenn wir Lernende dieses neuen Mediums sind - kapieren, dass immer alle da sind. Immer. Alle. Jetzt.

Denn so ist mobile Kommunikation. Und schon die Frage, ob jemand da sei, verrät, dass man noch ein anderes, womöglich nicht-digitales Leben und Wirken hat. Ha, was das wohl sein soll?

Was ist es in sich selbst? Der bekannte Philosoph und Kannibale Dr. Hannibal Lecter zitiert Marc Aurel im Film "Schweigen der Lämmer". Und genau darum geht es. Nicht um das Schweigen - WhatsApp ist ja quasi das App gewordene Gegenteil des Schweigens -, sondern um die Frage: Was ist es in sich selbst?

Das WhatsApp-Logo auf schwarzem Hintergrund. © dpa Foto: Martin Gerten

Ohne WhatsApp wäre wirklich viel zu wenig los

NDR Info - Auf ein Wort -

Es gibt ja so viel zu besprechen und zu organisieren: Geburtstage, Geschenke, Grüße ... Ist das alles auch ohne WhatsApp und Co. möglich? Ocke Bandixen bittet auf ein Wort.

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Die WhatsApp-Gruppe an und für sich ist die Büchse der Palaver-Pandoras, die Entdeckung der Ur-Quassel-Quelle, die Quatschbude 2.0. Erkannt - und akzeptiert.

"Huhu, kann jemand Marvin mit zum Auswärtspiel nehmen? Wäre nett!" - "Oh, falsche Gruppe. Tschuldigung!"

Das passiert auch ständig. Denn trotz aller Laber-Lava, die da über einen hereinschwappt (immer auf Temperatur gebracht mit einem "Da ist etwas neu, los, guck nach"-Symbol): Einfach ist die Kommunikation nicht.

"Hallo, habe ein Brot gekauft. Bis später." - "Oh, falsche Gruppe. Sorry!"

Nehmen wir folgenden, alltäglichen Fall eines durchschnittlichen Elternteils an: Geburtstaggruppe Jonas. Wer schenkt mit beim Todesstern? ("Star Wars", Sie wissen schon ...)

Nein, es ist nicht so, dass in dieser speziellen Gruppe sich jetzt nur die melden, die mitschenken wollen ("Ja, bin dabei") - die melden sich schon. Aber auch alle, alle anderen: "Nee, hab' eine gute eigene Idee: Holzmurmelbahn. Ist aber auch teuer. Wäre da jemand dabei?" - "Nee, 'Star Wars' finde ich blöd. Zu viel Krieg." - "Nee, zu wenig Mister Spock, stand immer mehr auf 'Star Trek'." - "Haha. Ich auch." - "Haha. Ich auch." - "Murmelbahn finde ich toll. Hatte auch mal eine." - "Hab' auch schon Brot, aber ohne Körner." - "Oha, falsche Gruppe." - "Kann Marvin bei Dir mitfahren?" - "Bringst Du mir auch Brot mit?" - "Haha. Jaja." - "Nana. Vertippt." - "Blöd. Hahahaha."

Und dann paradiert in der Regel - Sie kennen das ja - eine Reihe von Grinse-Monstern und Verniedlichungszeichen, die einen beim Geschenk für Leon auch nicht weiterbringen. Das heißt: Wer hatte noch geschrieben "Bin da dabei"?

Früher, ja, früher war nicht alles besser, sondern nur früher. Und Pascal hätte wahrscheinlich drei Todessterne oder gar keinen bekommen, dafür aber eine Murmelbahn ohne Körner. Und Marvin wäre einfach zum Fußballplatz gekommen und schon irgendwo zum Auswärtsspiel mitgefahren.

"Liebe Grüße, Tante Lotti. Küsschen aus Buxtehude." - "Ächz. Falsche Gruppe!" - Und dafür ist man dann noch länger mit dem Handy in der Hand auf dieser Welt und versucht, diesem neuen Medium und dem eigenen Umgang irgendwie Souveränität oder Würde abzuringen - und sich nicht wie eine Gruppe von 12-Jährigen zu benehmen.

Also, zum Beispiel darauf zu verzichten, dass eigene Mobiltelefon flach ans Ohr zu halten oder hineinzusprechen. Ist nur schwer, denn wir alle wollen auch dabei sein. Ja, ja, Datenschutz und so, klar.

Aber dennoch: Allem Anfang wohnt ein Zauber inne - und allen digitalen, einfachen Dingen auch. In drei Phasen: Erstens: "Nee, mach ich nicht mit. Was ist das?" Zweitens: "Ist doch ganz praktisch. Huhu?" Und drittens: "Haha. Smiley. Herzlichen Glückwunsch, Joris. Falsche Gruppe. Küsschen. Mit Körnern. Macht nichts. Todesstern. Spock. Sektglas. Daumen hoch. Hahahahaha." Viertens: "Dieser Text hat die Wörtergruppe verlassen."

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Auf ein Wort | 21.02.2018 | 18:25 Uhr