Stand: 10.05.2019 13:19 Uhr

Die Sache mit der Mülltrennung

Sonnabendvormittag mit dem alten Kühlschrank zum Wertstoffhof. Ein Termin, vor dem manche sich fürchten. Wegen des doch etwas rauen Umgangstones dort. Aber ist das wirklich so?

Eine Glosse von Detlev Gröning

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Bei der Mülltrennung geht die Angst vor unverzeihlichen Entsorgungsfehlern um.

Es ist ja unglaublich, welche Bären man gutgläubigen Zeitgenossen aufbinden kann. Ich wäre auf unserem Recyclinghof gewesen, habe ich in langweiliger Runde erzählt, um mal ein bisschen Alarmstimmung in die Bude zu bringen. Das hat geklappt. Die Musik riss ab, das Deckenlicht ging an, ich hörte die Spannung knistern und fühlte gleichzeitig eine gewisse Schaden-Vorfreude aufdämmern. "Und? Nun erzähl schon!"

Ja, was soll man da sagen? Alles bestens! Man wird freundlich begrüßt, bekommt einen detaillierten Überblick über das Gelände, wertvolle Tipps für das Abladen - und wenn es ein Problem gibt, dann stehen einem die Mitarbeiter hilfreich zur Seite. Hier ist der Kunde noch König.

Von wegen! Man sei dort ähnlich willkommen wie ein Grippevirus, widersprach mein Nachbar, der den Bauschutt seines Doppelcarports aus Angst vor unverzeihlichen Entsorgungsfehlern über fünf Jahre auf seine graue Hausmülltonne verteilt hatte.

Müll in einer Wertstofftonne. © NDS Online Foto: Kerstin Staben

Das Wunder vom Wertstoffhof

NDR Info - Auf ein Wort -

Auf einem Wertstoffhof ist die korrekte Mülltrennung wichtig. Sonst bekommt man Ärger mit dem Personal. Und das will ja keiner, betont Detlev Gröning in seiner Glosse.

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Nun galt es, meine Geschichte auszuschmücken. Die hätten sogar ein leeres Lackdöschen toleriert, zwei Eimer mit Blauem Engel durchgewinkt und blieben auch noch untätig, als ich eine Kunststoff-Gardinenstange versehentlich in den Container für lackiertes Holz geschmissen hatte.

"Gibt's doch gar nicht!", staunte ein anderer. "Normalerweise lassen die einen hinterher springen und das Teil wieder rausholen." Das Personal auf Wertstoffhöfen mache eigentlich keine Unterschiede zwischen dem Müll und dem, der ihn anschleppt.

Dem nächsten war eine Neun-Volt-Batterie aus der Schublade eines Nachtschränkchens auf dessen Sturzflug in Container 14  gekullert. Er selbst sei vermutlich nur noch am Leben, weil sein Kombi schneller war als der Radlader des wachhabenden Augenzeugen. Ich hingegen gab mich bestens betreut, dabei hätte mein Gerümpel sogar sichtbare Spuren von Dämmstoff enthalten.

Die Runde hing an meinen Lippen. So muss sich Martin Luther King gefühlt haben, als er seine Vision von einer besseren Welt zu Gehör brachte.

Sie ahnen es natürlich längst: Ich war gar nicht auf unserem Recyclinghof. Zuletzt vor drei Jahren, als der Müllinspektor eine leere Capri-Sonne aus meinen zwei Kubikmetern Kartonage herausragen sah. Da hatte ich kurz Angst um meine Schneidezähne, doch der Blaumann hatte seinen gnädigen Tag und ließ mich mit einem "Nächstes Mal kannst Deinen ganzen Rotz wieder mitnehmen" glimpflich davonkommen.

Aber seitdem weiß ich, wie manch abgewohntes Sofa oder die alte Badewanne hinter den Knick oder in den Wald geraten ist. Ihr Angsthasen!

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Auf ein Wort | 10.05.2019 | 18:25 Uhr