Stand: 29.07.2019 15:50 Uhr

Der SUV als bestes Mittel der Wahl

Und plötzlich will auch die CSU die umweltpolitische Wende: Bahntickets sollen günstiger werden, über eine höhere Kfz-Steuer soll es vor allem den klimaschädlichen SUVs an den Kragen gehen. Wer will dem widersprechen? Allerdings: Die Geländewagen für die Stadt sind doch eigentlich ziemlich tolle Autos - wenn man denn selber am Steuer sitzt.

Eine Glosse von Udo Schmidt, NDR Info

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SUV-Fahren ist in sehr vielen Situationen von Vorteil.

Am Montagmorgen konnte ich nicht links abbiegen. Direkt an der Straßenecke stand ein SUV, eines dieser klimapolitisch ja wohl zum Aussterben verurteilten Stadt-Geländefahrzeuge, und nahm mir die Sicht. Aber so was von. Im SUV lebt und fährt man ja immer buchstäblich über dem Gewusel der Normalos. Wir da oben, ihr da unten. Blöd nur, wenn man unten ist, wie ich eben beim Linksabbiegen.

Irgendwann war ich dann doch rum um die Kurve, nach vorsichtigem und langsamem Vorantasten. Und irgendwann, als ich endlich geradeaus fahren konnte, tat mir der SUV auch wieder leid. Aber so was von.

Ein BMW X5-Geländewagen fährt auf einer Straße an Fußgängern vorbei. © dpa picture alliance Foto: Gaetan Bally

Der SUV muss leben

NDR Info - Auf ein Wort -

Auch die CSU will jetzt den klimaschädlichen SUVs mit einer höheren Steuer an den Kragen. Und das, obwohl es doch so tolle Autos sind, meint Udo Schmidt in seiner Glosse.

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Die Wagen sind nicht nur richtig groß ...

Alle wollen ihm jetzt an den Kragen. Nicht nur die Grünen, die müssen das ja. Aber jetzt glaubt auch die CSU, es zu müssen. Ja, die SUV, die Sport Utility Vehicle, sind nicht nur groß, sondern sie verbrauchen auch viel Sprit und verursachen unsinnige Emissionen.

Und wenn morgens die Kinder mit einem extra hochpreisigen SUV zur Schule gebracht werden, die Riesenkarren die Straße verstopfen und der Normalo mit Kleinwagen das Gefühl hat, dass in diesem Moment die Erziehungsbemühungen der wohlhabenden Helikopter-Eltern in die völlig falsche Richtung gehen, dann bleibt für Begeisterung für den Geländewagen nicht mehr viel Raum.

Die Ehrfurcht der anderen ist Ihnen sicher

Wenn ich allerdings in den Urlaub fahre, dann - und nun ist es Zeit für ein Geständnis - buche ich gerne einen SUV als Mietwagen. Ist weit weg von meinem Zuhause, merkt ja keiner, macht irre Spaß und mit dem ganzen Gepäck und so. Sie wissen schon ...

Im Urlaub sind diese Riesenautos doch die beste Wahl. Autos, mit denen man Regenwälder durchqueren, schlammige Flüsse überwinden oder auch Elefanten aus dem Weg räumen kann. Wahlweise auch Kängurus im letzten Australien-Urlaub. Man sitzt oben, überblickt alles - und hat nicht zu viel Kontakt zur fremden Bevölkerung.

Im Kleinwagen durch ein fremdes, womöglich armes Land, da sind Sie ja nur am Geschenke Verteilen, Kugelschreiber an die Kinder herausreichen und so. Im SUV bleibt Ihnen das garantiert erspart. Die Ehrfurcht der anderen ist Ihnen sicher.

Mit einem tiefergelegten GTI durch den Klimawandel?

Aber nun kommt sogar die CSU um die Ecke und will gar nicht mehr ehrfürchtig sein. SUVs sollen teurer werden und damit möglichst abgeschafft. Zugegeben: Elefanten oder Kängurus gibt es bei uns doch recht selten und garantiert nie auf der Straße. Aber muss man denn, Sie wissen schon, immer so grausam vernünftig sein. Setzen Sie sich mal rein in so ein Traum-Fahrzeug, dann reden wir weiter.

Das ist doch wie beim Fliegen. Klar, lehnen wir ab, Business im A380 erst recht, außer Sie können sich das Ticket leisten oder bekommen zumindest ein günstiges Update angeboten. Dann: "Ja, das eine Mal, das macht doch nichts."

Hinzu kommt: Wenn der Klimawandel denn wirklich über uns hereinbricht, und ich weiß, dass wir schon mittendrin stecken, dann ist der SUV doch das absolut geeignete Mittel der Wahl gegen steigende Meeresspiegel und zunehmende Überschwemmungen zumindest der Küstenstädte. Einen tiefergelegten GTI möchte ich dann jedenfalls nicht fahren.

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Auf ein Wort | 29.07.2019 | 18:25 Uhr