Stand: 05.07.2019 13:38 Uhr

Der Kampf um die letzten Raucher-Reservate

Raucher haben es heutzutage wirklich schwer. An immer weniger Orten dürfen sie in der Öffentlichkeit rauchen. Wo soll das noch hinführen?

Eine Glosse von Detlev Gröning

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Die Plätze, an denen man in der Öffentlichkeit rauchen darf, werden immer weniger ...

Als barzendes Fossil lebte man ja immer schon in dünner Luft, aber so allmählich wird es ganz ungemütlich. Auf dem ersten Nichtraucherflug von Hamburg nach München zeigte der Kapitän noch Humor und bat um Verständnis: Wer die Stunde nicht durchhielte, der könne jederzeit vor der Tür rauchen.

Sofort setzte Bahnchef Mehdorn noch einen drauf: Entwöhnungskurs auf der gleichen Strecke, aber jetzt sieben Stunden ohne, auch für das Personal. Für immer unvergesslich bleibt mir ein Zugbistro-Kellner, der die Weiterfahrt auf dem Bahnsteig in Hannover verpasste und seinem ICE mit heißgerauchter Kippe nur noch hinterherschauen konnte.

In den USA war man uns ja schon immer einige Zigarettenlängen voraus. Wo einen damals vor amerikanischen Flughäfen die erste Roth-Händle nach einem 15-Stunden-Flug mit Kreislauf in die Koffer sinken ließ, existiert längst eine Bannmeile rund um den Airport, innerhalb derer aktive Raucher mit quietschenden Reifen zum Haftprüfungstermin abgeholt werden. Wie sich die Zeiten ändern ... alter Schwede!

Apropos: Der Schwede läuft bald überall emissionsfrei; sogar ohne Auto. Ab sofort hat es sich nämlich nicht nur in der Bar, sondern auch vor der Tür ausgequalmt. Die Zahl schwerster Erkältungsfälle bis hin zur tödlichen Lungenentzündung nach der Rauchpause bei minus zwölf Grad im kleinen Schwarzen hat wohl mit den tabakinduzierten Herz- und Krebsdiagnosen gleichgezogen. Was mich dabei erstaunt: Offensichtlich scheint es in Schweden noch Kneipen zu geben - die kleinen Bier-Oasen in meiner Kleinstadt hat das Rauchverbot allesamt Kopf und Tresen gekostet.

Ginge es nach der FDP, dann dürfte ich mit meiner Zigarette nicht mal mehr runter an die Bushaltestelle oder schnell rüber zum Spielplatz laufen, wie es Raucher ja gewohnheitsmäßig tun, sondern müsste wohl wieder heimlich hinter unserer Schulturnhalle rauchen, auf deren Flachdach vermutlich immer noch mein alter Klassenlehrer liegt und Beweisfotos für den Elternsprechtag macht.

Selbst ein Wechsel auf E-Zigaretten mit Verdampfer scheint vor dem Gesetz keinen Unterschied zu machen. Da wird was Längliches an den Mund geführt, und es entsteht eine Rauchwolke - das reicht schon. Im Winter draußen am Bleistift kauen, könnte zur Vortäuschung einer Straftat werden.

Am Ende bleibt unsereins wohl nur noch der Grashalm wie beim Schurken im Italo-Western. Oder Kojaks Zwei-Pfennig-Lolly. Zuckerfrei, versteht sich. Aber das wird schon die nächste Geschichte.

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Auf ein Wort | 05.07.2019 | 18:25 Uhr