Stand: 17.01.2019 13:55 Uhr

Die wahren Probleme des Brexit

Das Brexit-Drama nimmt seinen Lauf und findet kein Ende. Großbritannien und die EU können sich auf keinen Ausstiegsvertrag einigen, Theresa May steht mit dem Rücken zur Wand und langsam wird es Zeit, dass wir alle uns auch ganz persönlich mit den Folgen des Brexit beschäftigen.

Eine Glosse von Albrecht Breitschuh, NDR 2

Am Anfang klang es noch ganz harmlos, fast so wie Katzenfutter. Wer aber das "R" stärker betonte, merkte schnell: das könnte unangenehm werden, es roch irgendwie nach Ärger: "Brrrexit"! Erinnerte das nicht an den ewig knurrenden und latent-aggressiven Nachbarshund und die Befehle von Herrchen gleich mit? "Ruhig, Brrrexit!" "Sitz, Brrrexit!" Oder nach schlimmer: "Brrrexit, Fass!" Wer wollte da schon in der Nähe sein? Und jetzt ist alles noch viel schlimmer, jetzt steht er kurz bevor, der "harte Brexit". Wer solche Begriffe eher beiläufig wahrnimmt, fragt sich vielleicht: Hab ich das auch? Und welche Heilungschancen gibt es bei "Hartem Brexit"? Helfen warme Bäder oder Salben? Laugeneinläufe oder gar Wurmkuren?

Zu sehen ist die Flagge von Großbritannien, auf welche die europäischen Sterne geleuchtet werden. © DPA Picture Alliance Foto: Tim Irland

Der Brexit und ich

NDR Info - Auf ein Wort -

Das Brexit-Drama nimmt seinen Lauf und findet kein Ende. Albrecht Breitschuh beschäftigt sich ganz persönlich mit den Folgen und bittet auf ein Wort.

4,67 bei 3 Bewertungen

Mit von 5 Sternen

bewerten

Vielen Dank.

schließen

Sie haben bereits abgestimmt.

schließen

Download

Verhandlungen am eigenen Leib erfahren

Bild vergrößern
Welche Heilungschancen gibt es beim "Harten Brexit"?

Jedenfalls kann es alle von uns betreffen, wenn auch anders als gerade eben nahegelegt. Mein Sohn zum Beispiel geht im März auf Klassenreise, nach England. Grittleton heißt der Ort. Für alle, denen das nichts sagt: gemeint ist das Grittleton, zu dem auch der Ortsteil Littleton gehört und nordwestlich von Chippenham liegt. Ziel dieser Reise scheint es zu sein, den Schülern mal ein Gefühl dafür zu geben, wie zäh und unnachgiebig die Brexit-Verhandlungen in London, Brüssel, Straßburg oder wo auch immer geführt worden sind: Die Klasse fährt 18 Stunden mit dem Bus hin, bleibt ein paar Tage in Grittleton und fährt dann 18 Stunden mit dem Bus zurück. Ähnliche Reisebedingungen für die Unterhändler von EU und britischer Regierung hätten die Kompromissbereitschaft und den Einigungswillen vermutlich gefördert und wir würden heute nicht vom harten, sondern geregelten Brexit sprechen.

Proviantvorräte lieber aufstocken

Für den stehen die Heilungschancen übrigens auch deutlich höher. Ob die Rückfahrt der Schüler 18 Stunden dauert, halte ich für nicht sehr wahrscheinlich. Vielmehr neige ich nach dem Theater der letzten Tage, ach was, Wochen, oder wohl doch eher Monate dazu, die Proviantvorräte aufzustocken, bevor ich meinen Sohn auf diese geheimnisvolle Insel schicke. Er sollte jedenfalls nicht mit einer Rückkehr vor Ostern rechnen, wenn es anders kommt, umso besser. Die Rückreise ist für den 29. März geplant, dem Tag, an dem der Brexit vollzogen werden soll.

Eine lange Geschichte

Aber was heißt das schon? Wissen das auch die Grenzposten? Winken die dann einfach so durch? Oder fällt ihnen auf, dass der Pass, mit dem die Schüler einreisten, jetzt gar nicht mehr gültig ist? Ich höre die Kinder schon fragen: Warum gildet der nicht mehr? Das ist eine lange Geschichte, antworten dann hoffentlich die auf Deeskalation bedachten Grenzposten. Was tun? Schnell noch einen Reisepass beantragen oder auf eine Einigung in letzter Sekunde setzen? Ein neues Referendum? Ganz schwere Entscheidung. Jedenfalls könnte es voll werden, sollten am 29. März viele Noch-EU und dann nicht mehr EU-Bürger rauswollen. Und eine Schulklasse aus Lüneburg mittendrin. Aber sie wollten es so und hätten es viel einfacher haben können. Neben Grittleton stand nämlich auch Usedom als Reiseziel zur Auswahl. Ebenfalls eine Insel, nur lange nicht so kompliziert.

Weitere Informationen

Barley: Zweite Brexit-Abstimmung sinnvoll

17.01.2019 07:20 Uhr

Katarina Barley hält eine zweite Volksabstimmung über den Brexit-Entwurf mit der EU für sinnvoll. Das sagte die Bundesjustizministerin am Donnerstag im NDR Info Interview. mehr

Pro und Kontra: Soll die EU den Briten entgegenkommen?

16.01.2019 17:08 Uhr

Sollte die Europäische Union den Briten nach dem Nein zum Brexit-Deal noch weiter entgegenkommen oder ist die Zeit der Zugeständnisse vorbei? Ein Pro und Kontra von NDR Info. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Auf ein Wort | 17.01.2019 | 18:25 Uhr

NDR Logo
Dieser Artikel wurde ausgedruckt unter der Adresse: https://www.ndr.de/info/programm/Die-wahren-Probleme-des-Brexit,brexit440.html