Stand: 24.05.2019 06:27 Uhr

Standpunkte: Meinungen aus deutschen Medien

Nach der Kritik des Video-Bloggers Rezo vor allem an der CDU haben Unionspolitiker den Youtuber zu einem Gespräch eingeladen. Er hatte unter anderem die ungerechte Vermögensverteilung in Deutschland und die Klima- und Umweltpolitik der Parteien beklagt.

Die "Nordwest-Zeitung" aus Oldenburg kritisiert die Reaktionen vieler Christdemokraten auf das Video:

"Teilweise wird das Video von der Parteiführung sogar ins Lächerliche gezogen. Das offenbart eine selbstherrliche Wahrnehmung, die sich noch rächen wird. Denn was die Parteiführung offenbar völlig unterschätzt: Rezo spricht mit seinem Video aus, was Hunderttausende junge Menschen - und damit potenzielle Wähler - denken. Dass es auch anders geht, hatte Kanzlerin Merkel 2015 bewiesen, als sie sich mehreren Youtubern, darunter LeFloid, in einem ausführlichen Interview stellte."

Die "Volksstimme" aus Magdeburg schreibt:

"Mit mehr als fünf Millionen Klicks ist dem Youtuber Rezo ein viraler Hit gelungen. Seine Kritik an der CDU ist polemisch und überspitzt. Den Nerv der Jugend trifft er damit. Nun erwartet man von Konservativen keine hippe und kreative Antwort. Eine souveräne Reaktion wäre bereits ausreichend gewesen – egal in welcher Form. Das war aber wohl zu schwer." 

Für den Autor der ARD-Tagesthemen hat die CDU eine große Chance vertan:

„Da setzt sich bei Youtube ein junger Mann fast eine Stunde lang mit der Politik auseinander, hauptsächlich der CDU-Politik. Vieles darin ist überspitzt, einiges falsch, aber da sind Gedanken dabei, zum Klimaschutz, zur Netzpolitik, die kann man nicht einfach wegwischen. Fünf Millionen Menschen gucken sich das Video an - fünf Millionen mögliche Wähler. Und was macht die CDU mit dieser Chance? Sie macht erstmal gar nichts. Wie eigentlich fast immer, wenn irgendwas in diesem Internet passiert."

Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" sieht in dem Video einen Verfall der politischen Umgangsformen:

"Das Werk des Youtubers reiht sich nahtlos in die neue Form von Propaganda ein, die der rechtspopulistische Drang nach "Wahrheit" und "Freiheit" geschaffen hat. Nur handelt es sich in diesem Fall um ein linkspopulistisches Machwerk. Aber ist es wirklich "Recherche", wie Rezo uns glauben machen will, oder nur "Beschäftigung" mit Politik, wenn Politiker pauschal als dumm, inkompetent, korrupt und verlogen dargestellt werden?"

Ähnlich sieht es der "Kölner Stadt-Anzeiger":

"Wir sehen täglich neue wüste öffentliche Auseinandersetzungen mit einem Stil, dem weder Politik noch klassische Medien folgen können. Sie kommen von den Rändern. Wer Krawall macht, wird gehört. Wer den größten Krawall macht, kommt ins Fernsehen. Rezo ist einer von ihnen."

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Nachrichten | 24.05.2019 | 06:27 Uhr

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