Stand: 24.01.2019 06:00 Uhr

Standpunkte: Meinungen aus deutschen Medien

Bundesinnenminister Seehofer hat die neuesten Zahlen zur Zuwanderung vorgestellt. Demnach kommen immer weniger Asylsuchende nach Deutschland. Ein Grund dafür seien auch die Maßnahmen der Bundesregierung, sagte Seehofer.

Die "Neue Osnabrücker Zeitung" widerspricht dem Innenminister:

"Wie gerne würde sich Horst Seehofer dafür feiern lassen, dass er die Flüchtlingszahlen unter Kontrolle gebracht hat. Allein: Das hat er nicht. Dass im vergangenen Jahr nur knapp 162000 Menschen erstmals Asyl beantragten, ist nicht sein Verdienst. Migrationsströme sind nämlich nicht per Koalitionsbeschluss zu lenken. Die Wahrheit ist: Die Zahl der Asylbewerber in Europa geht aus Gründen zurück, mit denen die Bundesregierung erst mal wenig zu tun hat. Etwa weil viele es den Vertrag der EU mit der Türkei gibt und Italien Rettungsschiffe einfach nicht mehr in die Häfen lässt."

Auch der "Kölner Stadt-Anzeiger" kritisiert Seehofer:

"Zu erleben war ein Innenminister, der vermittelte, dass die von vielen in der Bevölkerung gewünschte Begrenzung von Migration funktioniert. Es ist eine gute Wendung. Erst ein halbes Jahr ist es her, da überhöhte Seehofer die Zurückweisung von Migranten an der österreichischen Grenze zur Schicksalsfrage der großen Koalition. Für eine Nichtigkeit stürzte er seine Partei, die Bundesregierung, das Land in die Krise."

Die "Landeszeitung" aus Lüneburg meint, es müsse viel mehr für eine menschenwürdige Zukunft in den Ländern getan werden, aus denen die Asylsuchenden nach Europa kommen:

"Wen die Tatarenmeldungen der Rechtspopulisten vom unmittelbar bevorstehenden Bevölkerungsaustausch beunruhigt haben, kann sich entspannen. In Deutschland suchen immer weniger Flüchtlinge Schutz. Ist nun alles wieder gut? Nein, in einer Welt, in der 26 Milliardäre so viel besitzen wie die ärmere Hälfte der Weltbevölkerung, in der das goldene Kalb der Nation wieder angebetet wird, in der die Menschen selbst dafür sorgen, dass der Planet für uns lebensfeindlich wird, wird die Zahl der Flüchtlinge steigen."

Die "Märkische Oderzeitung" aus Frankfurt an der Oder gibt zu bedenken:

"Es ist kein Geheimnis, dass Deutschland Migration braucht- nach Schätzungen der Arbeitgeber bis zum Jahr 2040 rund 6,4 Millionen Menschen. Und das Land selbst sollte steuern können, woher sie kommen sollen, nicht die Schleuser."

Die "Rhein-Zeitung" aus Koblenz schreibt:

"CDU und CSU sollten aufpassen, dass sie nicht hinter schon gewonnene Erkenntnisse zurückfallen. Es geht nicht um einen Schlussstrich unter das Jahr 2015. Aber die Fehler von damals sind benannt. Und Deutschland hat in der Migrationsfrage wieder Tritt gefasst. Das ist das Verdienst vieler Bürger - und das beste Mittel gegen Rechtsradikale und Populisten."

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NDR Info | Nachrichten | 24.01.2019 | 06:57 Uhr

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