Stand: 22.10.2019 08:08 Uhr

Standpunkte: Meinungen aus deutschen Medien

Die CDU-Vorsitzende Kramp-Karrenbauer fordert angesichts des türkischen Militäreinsatzes in Syrien eine international kontrollierte Schutzzone in der Region. Zuvor hatte ihr Parteikollege, der Außenexperte Kiesewetter, eine Stationierung von bis zu 40.000 europäischen Soldaten ins Gespräch gebracht.

Die "Neue Osnabrücker Zeitung" hält nichts von den Ideen:

"Eine 'humanitäre Schutzzone' in Nordsyrien? Gar noch unter dem Mandat der Vereinten Nationen? Was für ein naiver Vorschlag. Eine solche UN-Schutzzone ist schon während des Jugoslawienkriegs kläglich gescheitert. Und nichts spricht dafür, dass es in Syrien anders laufen würde. Denn worum geht es eigentlich? Um Einfluss in Syrien und der Region, um Öl, um Gasfelder und Häfen, ums Geldverdienen am syrischen Wiederaufbau."

Für unseren Autor von NDR Info führt die Offensive der Türkei die Hilflosigkeit der Europäer vor Augen:

"Elf Tage hat es gedauert, bis die Bundesregierung den türkischen Einmarsch nach Syrien als das bezeichnet hat, was er ist: ein völkerrechtswidriger Militäreinsatz. Das ist beschämend spät und zeigt das ganze Dilemma der deutschen und europäischen Außenpolitik auf. Millionen Menschen verlassen ihre Heimat, weil sie vor dem Krieg flüchten. Das ist vor allem eine menschliche Tragödie, aber auch eine politische Bankrotterklärung. Europa ist nicht in der Lage, die fragile Lage in der Region zu stabilisieren."

Angesichts des heutigen Treffens des türkischen Präsidenten Erdogan mit seinem russischen Kollegen Putin blickt die "Hannoversche Allgemeine Zeitung" auf die Rolle Moskaus:

"Der russische Präsident ist mächtig wie noch nie. Russland kontrolliert in Syrien nicht mehr nur den Luftraum. Putins Truppen treten neuerdings auch überall am Boden als einzige Ordnungsmacht auf. Die 'politische Lösung' für Syrien, von der die europäischen Politiker oft fantasiert haben, gibt es nicht. Zu besichtigen ist eine militärische Lösung, Putins Lösung."

Die "Mittelbayerische Zeitung" aus Regensburg sehen die russische Außenpolitik kritisch:

"Wo immer er kann, versucht Präsident Putin Instabilität zu säen. Ein Frieden in Syrien würde ihn der Möglichkeit berauben, die Türkei weiter vom Westen zu entfernen und die Nato tiefer zu spalten. Wer also auf einen Friedensstifter in Moskau setzt, sollte sich gegen jede Art von Enttäuschung wappnen."

Die "Rhein-Zeitung" aus Koblenz meint, die Folgen des türkischen Vorgehens in Syrien für Europa seien immens:

"Erdogan ist dabei, eine neue Flüchtlingswelle zu produzieren. Wo sollen die Kurden und die von Assad abtrünnigen Syrer, die bislang in den von den Kurden kontrollierten Gebieten Schutz fanden, denn hin? Etliche von ihnen werden sich auf den gefährlichen Weg nach Europa machen."

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Nachrichten | 22.10.2019 | 06:20 Uhr

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