Stand: 21.09.2018 10:12 Uhr

Standpunkte: Meinungen aus deutschen Medien

Seit mehr als zwei Wochen brennt es in einem Moorgebiet bei Meppen. Inzwischen ist das Feuer auch ein Fall für die Justiz und die Politik. Es geht um die Frage, wer Fehler gemacht hat und wer die Schuld für den Brand trägt, der durch eine Schießübung der Bundeswehr ausgelöst wurde.

Der "Tagesspiegel" aus Berlin kommentiert:

"Es lässt sich kaum ein Szenario denken, dass Raketenerprobungen ausgerechnet nach einer Rekordtrockenphase und zudem ohne ausreichende Absicherung durch funktionsfähige Löschfahrzeuge nötig macht. Nun ist der Schaden da, und er kann so schnell nicht behoben werden. Die Qualmwolke bei Meppen wird zu einer weiteren Chiffre für Verantwortungslosigkeit im Umgang mit der Natur."

NDR Redakteurin Martina Schimmelpenning spricht bei NDR Info von grober Fahrlässigkeit bei der Bundeswehr:

"Mit Dusseligkeit oder Hasardeurtum allein ist diese Haltung nicht zu erklären. Die Staatsanwaltschaft Osnabrück will nun aufklären. Die Grünen haben Strafanzeige gestellt und fordern einen Untersuchungsausschuss. Die niedersächsische Landesregierung ist erst spät aktiv geworden. Gestern kritisierte Innenminister Pistorius die Informationspolitik der Bundeswehr. Die kann nur auf eines hoffen: auf eine kalte Dusche von oben - und das möglichst wochenlang."

Auch die "Neue Osnabrücker Zeitung" kritisiert die Bundeswehr:

"Das stinkt zum Himmel. Da schießt die Bundeswehr ein Moor im Emsland in Brand, und was macht Verteidigungsministerin von der Leyen? Sie schweigt, während die Truppe vor Ort lange beschwichtigte mit Weisheiten wie dieser: "Moorbrände kommen einfach vor." So viel Dreistigkeit ist unverzeihlich angesichts eines Feuers, das eines der größten in der Geschichte Niedersachsens ist. Das desolate Krisenmanagement der Bundeswehr passt ins Bild einer heruntergewirtschafteten Truppe, die es mit einem Waffentest schafft, ein folgenschweres Unglück zu verursachen, weil ein Löschfahrzeug kaputtging."

Zu einem anderen Thema: Der "Kölner Stadtanzeiger" befasst sich mit den Brexit-Verhandlungen während des EU-Gipfels in Salzburg:

"Am Ende wird es eine Übereinkunft geben – insbesondere mit Blick auf die ungelöste Grenz-Frage auf der irischen Insel. Viel unwahrscheinlicher ist, dass die Briten mit ihrer Idee durchkommen, irgendwie doch Teil des europäischen Binnenmarkts bleiben zu können. Die Briten haben sich verzockt. Die Folgen werden noch auf Jahrzehnte hinaus zu spüren sein, und zwar beiderseits des Ärmelkanals."

Der "Mannheimer Morgen" wünscht sich mehr Engagement von Kanzlerin Merkel beim Thema "Brexit"

"Derart zurückgenommen, wie Merkel in Salzburg auftrat, ist sie für die EU eher ein Problem denn eine Hilfe. Das könnte sich beim Brexit zeigen. Denn dabei wird Merkel gebraucht - nicht nur als koordinierende Politikerin, sondern als Hüterin deutscher Interessen."

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Nachrichten | 21.09.2018 | 06:20 Uhr

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