Stand: 19.06.2019 13:28 Uhr

Petition: DLRG will Schwimmbäder erhalten

von Michael Latz

Wo es kein Schwimmbad gibt, kann man auch nicht schwimmen lernen. Seit Jahren kritisiert die Deutsche Lebensrettungsgesellschaft (DLRG), dass Kinder und Jugendliche immer schlechter schwimmen können. Der Grund, so die DLRG: Immer mehr kommunale Hallen- und Freibäder werden geschlossen. Deshalb sammelt sie Unterschriften für eine Petition an den Bundestag - zum Erhalt der Sportstätten. Mehr als 100.000 Menschen haben schon mitgemacht. Nun läuft der Endspurt.

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Während in großen Städten sogar mehr Schwimmunterricht angeboten wird, müssen auf dem Land viele Bäder schließen.

In den Augen von DLRG-Sprecher Achim Wiese gibt es ein schleichendes Bädersterben in Deutschland. Im Schnitt seien vom Jahr 2000 bis 2017 etwa 80 Bäder pro Jahr geschlossen worden. Für dieses Jahr rechnet die DLRG mit ähnlich hohen Zahlen. Für Wiese sind Schwimmbäder kein Luxus, sondern eine Daseins-Vorsorge: "Wer schwimmen kann, rettet Leben - zumindest mal sein eigenes". Er bemängelt die fehlende Wasserfläche durch geschlossene Bäder. Bereits 25 Prozent der Grundschulen hätten keinen Zugang mehr zu irgendeinem Bad. Die Schüler würden so keine Schwimmausbildung bekommen können.

Geschlossene Bäder werden durch moderne ersetzt

Von einem großen Bädersterben will die Deutsche Gesellschaft für das Badewesen dagegen nicht sprechen. Sie vertritt unter anderem die Betreiber der knapp 5.000 Hallen- und Freibäder in Deutschland. "Wir erleben im Moment sogar einen beispiellosen Bauboom", meint Sprecher Christian Ochsenbauer. Geschlossene Bäder würden oft durch modernere Anlagen ersetzt. Bäder würden baulich saniert, energetisch optimiert und technisch auf den neuesten Stand gebracht.

Das Langenhagener Freibad in Godshorn ist komplett leer. © dpa-Bildfunk Foto: Holger Hollemann

Schwimmbäder schließen, weniger Schwimmunterricht

NDR Info - Aktuell -

Die DLRG kritisiert, dass Schwimmbäder geschlossen werden und protestiert dagegen mit einer Petition an den Bundestag. 100.000 Menschen haben diese schon unterzeichnet.

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In Städten mehr Bäder als auf dem Land

Von den baulichen Maßnahmen profitieren die Schwimmerinnen und Schwimmer jedoch nicht überall gleich. In Städten wie Hamburg gibt es mehr Schwimmangebote als noch vor einigen Jahren. Anders sieht es auf dem Land aus: "In dünnbesiedelten Regionen Deutschland gibt es viele kleine Kommunen, die ein oder zwei Bäder haben, bei denen seit Jahrzehnten nichts oder zu wenig gemacht wurde", so Ochsenbauer. Sollte die Kommune dann noch finanziell schlecht aufgestellt sein, würden ersatzlose Bäderschließungen drohen.

Im niedersächsischen Helmstedt fehlt das Geld

Beispiel Büddenstedt, ein Ortsteil von Helmstedt in Niedersachsen: Dort entscheidet der Stadtrat in der kommenden Woche, ob das Schwimmbad saniert oder stillgelegt wird. Bis zu zwei Millionen Euro sind nötig, um die Wasseraufbereitung, Heizung und Lüftung zu modernisieren - zu teuer für eine verschuldete Kommune, in der es noch ein zweites Hallenbad gibt. Ortsbürgermeister Dirk Zogbaum will das Bad in Büddenstedt trotzdem nicht aufgeben und mit einem Förderverein weiterbetreiben.

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Wenn aus Routine-Untersuchung eine Grundsanierung wird

Etwas weiter westlich in der Stadt Gehrden ist das Delfi-Bad seit vergangenem Sommer geschlossen. Eine Routine-Wartung wurde in dem 1960er-Jahre-Bad zu einer Grundsanierung. Die nötigen 200.000 Euro für die Sanierung sind vorhanden, aber auch nach der Reperatur ist das Becken undicht. Dazu kam ein Rohrbruch im nahgelegenen Freibad. "Die Schwimmsparte des SV Gehrden hat große Sorge, weil Mitglieder abwandern. Und die Schulen vor Ort können nicht ihr eigenes Bad nutzen, obwohl sie in Wurfweite liegen", so Gehrdens Bürgermeister Cord Mittendorf.

Petition an den Bund soll Bäder offen halten

Vielen kleinen Kommunen in Norddeutschland geht es wie Gehrden oder Büddenstedt: In Schleswig-Holstein etwa haben zwischen 2006 und 2014 mehr als 20 Bäder geschlossen. An 13 Prozent der Schulen gab es im vergangenen Jahr keinen Schwimmunterricht. Schlesweig-Holstein stellt aber allein in diesem Jahr 13 Millionen Euro für die Sanierung von Schwimmbädern bereit und arbeitet an einem Entwicklungsplan für die Sportstätten. Eben einen solchen Plan will die DLRG mit ihrer Petition nun für ganz Deutschland erreichen, so DLRG-Sprecher Achim Wiese. Das Geld soll gefährdeten Bädern helfen, es könnten aber auch Ausbildungszentren geplant werden. Auch Zusammenschlüsse von mehreren Kommunen für ein neues Bad wären für Wiese eine Möglichkeit, um den Menschen Zugang zu Schwimmbecken zu ermöglichen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Infoprogramm | 19.06.2019 | 08:08 Uhr