Stand: 20.03.2019 18:00 Uhr

Informationsleck im Aufsichtsrat der Deutschen Bank

von Jan Lukas Strozyk
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Bei der Deutschen Bank soll es ein Informationsleck geben.

Die Deutsche Bank hat nach Information von NDR, WDR und "Süddeutscher Zeitung" Ermittlungen aufgenommen, um Informationslecks innerhalb des eigenen Aufsichtsrats ausfindig zu machen. Ein Sprecher der Bank bestätigte, dass es die Untersuchungen gäbe. Zu den Details wollte sich die Bank nicht äußern.

Mitarbeiter und Aufsichtsratsmitglieder werden befragt

Mit den Vorgängen vertraute Personen berichten, dass für die Untersuchung auch eine externe Beratungsfirma engagiert worden sei. Diese habe verdächtige Bankmitarbeiter beziehungsweise Mitglieder des Aufsichtsrats zu Befragungen geladen.

Infos aus dem Aufsichtsrat zur Personalie Sewing

Hintergrund sollen unter anderem Vorfälle gewesen sein, bei denen Informationen aus dem Aufsichtsrat direkt an Medien weitergegeben worden waren. Dabei ging es um die Personalie von Christian Sewing, Nachfolger des vor knapp einem Jahr abgelösten Vorstandsvorsitzenden John Cryan.

Deutsche Bank beruft sich auf Vertraulichkeit

Auf Anfrage wollte sich die Bank dazu konkret nicht äußern. Ein Sprecher sagte: "Die Arbeiten eines Aufsichtsrats unterliegen der strafrechtlich geschützten Vertraulichkeit. Der Aufsichtsrat der Deutschen Bank hat deshalb einstimmig eine Untersuchung in die Wege geleitet, wie diese künftig am besten sichergestellt werden kann."

Achleitner kritisierte angebliche Durchstecherei schon im Mai

Dem Aufsichtsrat der Deutschen Bank gehören zwanzig Mitglieder an. Dem Gremium sitzt Paul Achleitner vor, ehemals Vorstand der Allianz AG. Er hatte bereits bei der Hauptversammlung im Mai vergangenen Jahres angebliche Durchstechereien seiner Kollegen kritisiert. Kurz vorher hatte die Bank mitgeteilt, dass Sewing Cryan an der Spitze des Deutsche-Bank-Vorstands ablösen werde. Die Bekanntgabe sei auf öffentlichen Druck hin früher als geplant erfolgte, sagte Achleitner damals: "Wie Sie alle verfolgt haben, gab es im Zusammenhang mit der Neubestellung der Position des Vorstandsvorsitzenden eine Reihe von Indiskretionen. Zu Recht sieht das deutsche Aktienrecht die unbefugte Weitergabe derartiger Informationen als strafbare Pflichtverletzung." Die Bank werde daher Strafanzeige gegen Unbekannt stellen, so Achleitner damals.

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NDR Info | Aktuell | 20.03.2019 | 18:00 Uhr