Bedrohlicher Schatten eines Erwachsenen fällt auf einen Jungen, der am Spielfeldrand sitzt (Bildmontage) © imago/blickwinkel

Neu in Mecklenburg-Vorpommern: Ein Projekt stärkt Kinderschutz

Stand: 01.12.2021 08:05 Uhr

Kinder sollen es in Zukunft einfacher haben, sich zu öffnen, wenn sie etwas bewegt oder verletzt. Das Projekt "Kinder in guten Händen" klärt auf, wie das allen Beteiligten gelingen kann.

Der Kinderschutzbund Mecklenburg-Vorpommern arbeitet seit diesem Jahr mit dem Landesfußballverband zusammen. Unter dem Motto "Kinder in guten Händen" gibt es auch eine Kooperation mit dem Landesturnverband. Ehrenamtler sollen für die Bedürfnisse der Kinder sensibilisiert und im richtigen Umgang mit ihnen geschult werden.

Kinder zeigen ihre Probleme oft nicht direkt

Maria Dahlke vom Kinderschutzbund e.V.  Foto: Kerstin Dopp-Rexrodt / NDR
Maria Dahlke vom Kinderschutzbund e.V.

"Ein Kind mit Ängsten und Sorgen muss sich sieben Mal äußern, bis jemand hilft", sagt Maria Dahlke vom Kinderschutzbund MV. Und das hat nach ihrer Erfahrung verschiedene Gründe. So benennen Kinder ihre Probleme oft nicht so konkret wie es sich Erwachsene vielleicht wünschen würden. Wenn Kinder sich mitteilen, machen sie das sehr vage, mit Andeutungen oder mit einem Halbsatz. Hinzukommt, dass es ihnen unangenehm oder auch peinlich ist. "Es liegt nicht daran, dass sie Erwachsenen nicht vertrauen", so Maria Dahlke. "Sondern, dass sie das Gefühl haben, nicht richtig gehört zu werden und dass ihr Problem kein Problem ist. Teilweise hat es auch mit Überforderung der Erwachsenen zu tun."

Das Projekt "Kinder in guten Händen" klärt auf

Das Projekt setzt bei Sportvereinen an, denn hier kommen Mädchen und Jungen oft mehrmals in der Woche zum Training zusammen. In diesem Jahr sind ehrenamtlich arbeitende Betreuerinnen und Trainer erstmals in Sachen Kinderschutz geschult worden. In diesen Seminaren wurden folgende Fragen angesprochen: Wer kann mir in einem Kinderschutzfall professionell helfen? Und wie spreche ich ein Kind an, wenn mir an ihm etwas auffällt? "Es ist wichtig, Kinder sensibel und offen zu fragen", so Maria Dahlke, die in Schwerin auch die Kontaktstelle Kinderschutz leitet. Erwachsene sollten emotional nichts hineininterpretieren. Ein Versprechen wie "Das bleibt unter uns" sollte man auf keinen Fall geben. Transparenz ist extrem wichtig. Die Erfahrung der Expertin zeigt, Mädchen und Jungen können sehr gut nachvollziehen, dass man eine Notlage nicht auf sich beruhen lassen kann.

Wer sich im Notfall nicht sicher ist, könne sich darüber hinaus an den Kinderschutzbund wenden oder auch an die Jugendämter. Dort gibt es Bereitschaftstelefone, die 24 Stunden geschaltet sind. Die Anrufenden können sich auch anonym melden, Hinweise geben oder einfach um eine Einschätzung bitten.

FC Anker Wismar schreibt Kinderschutz groß

Der Verein der Hansestadt hat als erster im Land zusammen mit dem Kinderschutzbund ein Konzept entwickelt. Das hat etwa ein Jahr gedauert und einiges verändert. Alle Frauen und Männer, die bei FC Anker Wismar Kinder betreuen und trainieren, müssen nun ein erweitertes Führungszeugnis vorlegen. Für Eltern und Mitglieder gibt es eine Anlaufstelle, die sich mit Hinweisen und Fragen rund um Kinderschutz beschäftigt. Ein Verhaltenskodex ist formuliert, wie man respektvoll miteinander umgeht. Dazu gehört unter anderem auch, dass man in Umkleidekabinen nicht einfach hineinplatzt, sondern vorher anklopft. Manches ist dem ein oder anderen selbstverständlich. In den Schulungen versucht man, alle zu sensibilisieren.

Für weitere Schulungen werden Spenden benötigt

Im kommenden Jahr sollen weitere Dozenten geschult werden. Der Kinderschutzbund, der sich über Mitgliedsbeiträge, Zuschüsse und Stiftungsgelder finanziert, ist dafür auf Spenden angewiesen. Benötigt werden rund 4.000 Euro. Das Geld ist zum Besipiel für die Raummiete und die Referenten der Wochenendkurse vorgesehen. "Die Offenheit sei da", sagt Maria Dahlke. Und, fügt die Expertin hinzu, Kinderschutz sei kein Hexenwerk, man müsse einfach nur anfangen.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 01.12.2021 | 08:05 Uhr