Der Hamburger Landesleiter der Caritas, Michael Edele und Hamburgs Landespastor Dirk Ahrens mit Gesichtsmasken vor einem Aufsteller mit der Aufschrift "Hand in Hand für Norddeutschland".  Foto: Alexander Heinz

NDR Benefizaktion: Warum Corona-Hilfe in Hamburg wichtig ist

Stand: 29.11.2020 23:00 Uhr

Corona-Hilfe ist der Schwerpunkt der NDR-Benefizaktion "Hand in Hand für Norddeutschland" in diesem Jahr. Im Interview erläutern Hamburgs Diakoniechef und Landespastror Dirk Ahrens und der Landesleiter der Caritas, Michael Edele, warum Spenden wichtig sind.

Wen in Hamburg trifft die Corana-Krise ganz besonders?     

Dirk Ahrens: Es trifft Menschen in Pflegeheimen besonders hart. Und auch Seniorinnen und Senioren, die zu Hause leben, sind stark betroffen, weil sie zur Risikogruppe gehören. Menschen, die einsam sind, werden noch einsamer. Das merken wir zum Beispiel daran, dass die Telefondrähte bei der Telefonseelsorge wirklich glühen wie nie. Die Menschen haben einfach einen wahnsinnigen Gesprächsbedarf und sitzen teilweise völlig isoliert über Wochen und Monate einsam in ihren Wohnungen.

Hamburgs Landespastor Dirk Ahrenssteht neben einem Aufsteller mit der Aufschrift "Hand in Hand für Norddeutschland".  Foto: Alexander Heinz
Dirk Ahrens (57) ist seit 2015 Landespastor und Chef der Diakonie in Hamburg.

Michael Edele: Die Lebenslage von vielen hilfsbedürftigen Menschen hat sich extrem verschärft. Ein Beispiel sind Obdachlose, die schon zu Beginn der Pandemie richtig Probleme hatten, Essen, Trinken und Kleidung zu bekommen und Hygienemöglichkeiten wie Toiletten nutzen können, weil viele Angebote geschlossen hatten.


Was sind die sozialen Folgen der Corona-Krise?

Dirk Ahrens: Im sozialen Bereich sehen wir, dass Corona so eine Art Beschleuniger oder Brennglas ist, und genauer zeigt, was sowieso schon da ist. Und da zeichnet sich sehr deutlich ab, dass wir sehen: die Armen werden ärmer, und die Einsamen werden einsamer. Und insgesamt macht Corona noch einmal deutlich, was sowieso zentrale Herausforderung jeder Sozialpolitik in unserer Stadt sein muss: Wir müssen die Gesellschaft dringend zusammenhalten. Wir müssen ein Auseinanderdriften der Gesellschaft, wie wir es auch unter Corona-Bedingungen weiter beobachten können, unbedingt verhindern.

Michael Edele: Das ist sicherlich die größte Krise, die diese Republik seit ihrer Gründung durchmachen muss.

Die Corona-Pandemie trifft ja jeden in Hamburg auf eine oder andere Weise. Welche Veränderungen sehen Sie bei Ihrer Arbeit?

Dirk Ahrens: Die ganzen Hygienemaßnahmen machen sehr viel Arbeit. Es wird auf einmal zu eng. Wir bringen nicht mehr so viele Menschen unter. Besonders greifbar wird es bei der Tagesaufenthaltsstätte für Wohnungslose, wo man auf einmal auf den Quadratmetern, wo man vorher120 Menschen zum Mittagessen hatte, jetzt nur noch 30 unterbringen kann. Solche Fragestellungen ziehen sich durch alle Bereiche durch.
 
Michael Edele: Es entsteht ein erhöhter Beratungsbedarf bei den Menschen. Das sehen wir zum Beispiel in der Hilfe für Geflüchtete. Wenn wegen Corona der Arbeitsplatz gefährdet ist oder verloren geht, was geschieht dann mit der Aufenthaltserlaubnis? Da entsteht ein großer Beratungsbedarf, und wir müssten den Menschen eigentlich noch mehr helfen, um sie mehr zu stützen als sonst. Da entstehen richtige Härtefälle, weil gut integrierte Menschen coronabedingt ihren Job oder Ausbildung verlieren und drohen, abgeschoben zu werden.

Können Sie zwei Beispiele für besonders wichtige und wirksame Projekt nennen?

Hamburgs Diakoniedirektor Michael Edele neben einem Aufsteller mit der Aufschrift "Hand in Hand für Norddeutschland".  Foto: Alexander Heinz
Michael Edele (54) ist seit 2018 Chef der Caritas Hamburg.

Michael Edele: Ich denke zum Beispiel an unser Projekt "Straßenvisite" für Obdachlose. Obdachlose sind besonders stark betroffen. Sie haben keine Möglichkeit, sich irgendwie zurückzuziehen und zu erholen und sie sind sowieso oft erkältet. Es droht immer ein hohes Maß an Ansteckung. Da setzt die "Straßenvisite" an, bei der ein Sozialarbeiter zu den Menschen auf der Straße geht und sie unterstützt. Am Anfang haben wir mit dem Projekt Essenspakete verteilt, auch um ins Gespräch zu kommen und den Betroffenen die Chance geben, sich noch mehr Hilfsangebote zu finden.

Dirk Ahrens: Ich denke zum Beispiel an den Zirkus "Abrax Kadabrax", der versucht, Freizeitangebote für Kinder und Jugendliche zu machen, die auch unter Corona Bedingungen möglich sind. Ich denke an die "Arche", in der Kinder und Jugendliche nicht nur sozialen Kontakt haben, sondern auch in ihren schulischen Belangen begleitet werden mit Nachhilfeunterricht und Hausaufgabenhilfe. Das Besondere dabei ist, dass wir aufgrund der Hygieneregeln weniger Jugendliche begleiten können. Das heißt, wir brauchen, wenn wir das machen wollen, mehr Orte und mehr Kolleginnen und Kollegen, die das machen können. Dafür benötigen wir Spenden.

Welche Signalwirkung wünschen sie sich von dieser Aktion?

Dirk Ahrens: Als Signal wünsche ich mir, dass gesehen wird:  Wir machen was. Wir bringen Dinge voran. Wir verbessern die Situation vieler betroffener Menschen. Und daneben gibt es auch ein Signal nach innen: Der NDR schenkt Aufmerksamkeit, in dem er zu uns kommt und über die wichtige Arbeit der Corona-Hilfe berichtet. Das ist enorm wertschätzend für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die sich einsetzen.

Wie wird das Geld aus der Aktion verteilt?

Michael Edele: Wir stellen eine Jury zusammen, in der wir uns gemeinsam mit Vertreterinnen und Vertretern von Caritas, Diakonie und NDR besprechen und dann auswählen, wie das Spendengeld am besten verteilt wird. Wichtig ist dabei, dass 100 Prozent des gespendeten Geldes in den Projekten direkt ankommt.

Das Interview führte Alexander Heinz

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NDR 90,3 | 30.11.2020 | 20:00 Uhr

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