Sendedatum: 05.12.2017 12:20 Uhr

Kindern über Trauer hinweghelfen

von Jörn Schaar

In einem kleinen Raum im Dachgeschoss eines Hauses in der Elmshorner Innenstadt liegen Kissen auf dem Boden, davor stehen Teelichter in Gläsern und eine große Kerze steht in der Mitte. Nach und nach trudeln die fünf Kinder der Trauergruppe für Fünf- bis Achtjährige ein. Sie fangen sofort an, mit Handpuppen oder Stoffkeulen zu spielen. Das geht nicht ohne einen gewissen Lärmpegel. "Das brauchen die, um anzukommen", lacht Sandra van Lengen, die die Gruppe betreut.

Kinder lernen, mit ihrer Trauer umzugehen

An das eigene Leben erinnern

Nach ein paar Minuten kehrt Ruhe ein. Alle sitzen im Kreis auf den Kissen und reihum zünden die Kinder zwei Kerzen an. "Eine für mein Leben, das weitergeht, und eine für meine Oma", sagt Celina, während sie konzentriert das Stabfeuerzeug in das Glas mit dem Teelicht rangiert. Danach darf jeder die Klangschale zum Klingen bringen, mal ganz leise oder auch mit viel Kraft. Der vermutlich ruhigste Moment des Nachmittags, wenn alle versuchen, auch noch den letzten Ton der Schale zu hören. "Dann sucht euch mal alle einen Fisch aus", sagt Sandra van Lengen, als alle ihre Kerzen angezündet und die Klangschale geschlagen haben. Auf Postkarten sind Zeichnungen von Fischen, denen unterschiedliche Emotionen zugeordnet sind. Die Kinder greifen zu zwei bis vier Karten. Bevor es Streit darüber geben kann, ruft Sandra van Lengen noch: "Man kann sich auch zu zweit eine Karte teilen."

Ein Kind malt etwas auf Papier © NDR Fotograf: Jörn Schaar

Sandra von Lengen über Monjala

NDR 1 Welle Nord - Der Nachmittag -

Monjala vom Diakonischen Werk Rantzau-Münsterdorf ist eine spezielle Trauergruppe für Kinder. Gruppenbetreuerin Sandra van Lengen erklärt, was es damit auf sich hat.

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Wie klingen Gefühle?

Anhand der Karten können die Kinder zeigen, wie es ihnen geht. "Mein Fisch ist müde", sagt Jane. "Weil ich heute schon Sport hatte, und bin auch ganz müde." Die Gefühle der Kinder schwanken heute zwischen traurig und glücklich. Das liegt vielleicht auch daran, was sich Sandra van Lengen und ihre Kollegin Evelyn Lutz für heute überlegt haben: "Wir wollen mal überlegen, wie unsere Gefühle klingen", sagt Sandra von Lengen, als sie viele Instrumente aus einem Schrank holt. Trommeln, Xylophone, Schellenkränze, eine Mundharmonika und sogar ein Donnerblech sind dabei. "Lasst uns mal gucken, wie zum Beispiel Wut klingt: Jeder sucht sich ein Instrument und spielt mal so, wie Wut klingt", erklärt sie - und sofort bricht Chaos aus. Die Kinder laufen durcheinander, probieren alle Instrumente aus.

Zwischen laut und leise

Nach ein paar Minuten hat jedes der fünf Kinder seinen Wutklang gefunden. Erst spielen alle ihre Instrumente gleichzeitig, dann noch einmal reihum jedes Kind für sich. Laura spielt dabei leise auf dem Xylophon, Levent nimmt sich eine Holztrommel, Celina dreht einen Regenmacher um, der so groß ist wie sie selbst. Jane hat zwei kleine Becken in der Hand und schlägt sie so fest aneinander, dass der Griff abgeht, und Eyman drischt so sehr auf eine Handtrommel ein, dass sich selbst die lärmerprobten Kinder die Ohren zu halten.

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Über Trauer sprechen

"Kinder können häufig ihre Trauer nicht so klar ausdrücken wie Erwachsene, das muss spielerisch funktionieren", erklärt Sandra van Lengen später. "Dabei läuft auch viel über Bande. Wir haben zum Beispiel ein Puppenkrankenhaus oder einen Puppenfriedhof, mit dem sie etwas nachspielen können. Dann erzählen die anderen Kinder oft, wie es bei ihnen war." Daneben gibt es auch viele Mutmach-Übungen. Zum Beispiel rührt die Gruppe manchmal eine Trostsalbe an. "Das ist einfach eine neutrale Creme, in die die Kinder einen Duft hineintropfen können, den sie mögen. Damit können sie sich dann eincremen, wenn sie Trost brauchen. Das hilft denen schon ganz stark", sagt van Lengen.

Abschied nehmen für Kinder

Beim Spielen erzählen die Kinder häufig von ihren Erlebnissen mit dem Tod. "Das sind Geschichten wie die Oma, die einfach umgekippt ist und sie sich furchtbar erschrocken haben", erzählt Sandra van Lengen. Das Diakonische Werk hat extra Puppensärge anfertigen lassen, weil sie für die Trauerarbeit gebraucht werden. So etwas gibt es nicht zu kaufen. "Da kommen Geschichten von Beerdigungen, bei denen die Kinder dabei waren, und wie sie sich da gefühlt haben. Sie erzählen, wie viele Menschen da waren und was ihnen gut tat."

Aber es gibt auch Geschichten darüber, was nicht so gut gelaufen ist: "Ein Kind hat mal erzählt, dass es gar nichts zur Beerdigung bekommen hat, Mama dagegen ganz viele Karten, Geld und Geschenke", sagt van Lengen. Seitdem empfiehlt sie, bei Beerdigungen auch an die Kinder zu denken und ihnen eine Kleinigkeit mitzubringen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Der Nachmittag | 05.12.2017 | 12:20 Uhr