Stand: 05.12.2016 09:50 Uhr

Hospizmitarbeiter: Engel, die begleiten

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Elisabeth Bornhorst (links) und Heide Lange (zweite von links) bilden die Hospizhelfer im Hospizverein Damme aus.

Viele Menschen wissen nicht, an wen sie sich wenden können, wenn es um Hilfe und Unterstützung für Sterbende geht. Ehrenamtliche Hospizmitarbeiter nehmen sich dieser Menschen an - sie begleiten sie auf Wunsch in der letzten und schwersten Zeit des Lebens. Beim Hospizverein Damme e.V., im Landkreis Vechta, werden zurzeit elf Menschen zu ehrenamtlichen Hospizmitarbeitern ausgebildet. Zehn Frauen und ein Mann setzen sich dafür intensiv mit den Themen Sterben und Tod auseinander. Koordinatorin Elisabeth Bornhorst bereitet die Freiwilligen auf das Beraten, Begleiten und Betreuen vor. Auch das Zuhören, Schweigen und das Zurücknehmen gehören dazu: "Wenn der zu Begleitende wirklich einmal nicht in der Stimmung oder in der Lage ist, den Besuch zu ertragen, dann sollte sich der Hospitzmitarbeiter zurückziehen." Denn auch die Ablehnung des Bedürftigen gehöre zum Job dazu. Das dürfe der Hospitzmitarbeiter nicht persönlich nehmen.

Gruppenarbeit soll auf schwierige Situationen vorbereiten

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Mechthild Hüttemeier (links) weiß noch nicht, wohin die Reise geht. Für sie ist noch nicht ganz klar, ob sie nach der Ausbildung sterbenskranke Menschen in den Tod begleitet.

In der Gruppenarbeit bearbeitet Bornhorst Themen, die auf die Ehrenamtlichen zukommen. Mechthild Hüttemeier ist 56 Jahre alt und eine der angehenden Mitarbeiter des Hospizes. Die Ausbildung macht sie zunächst nur für sich. Ob sie am Ende Sterbende begleiten wird, ist noch nicht klar - erst einmal hat für sie Priorität: Erfahrungen für den Alltag zu sammeln. "Das gibt es immer wieder, dass man im Bekanntenkreis, weiter Ferne oder auch im Näheren, Menschen um sich hat, die erkrankt sind", so Hüttemeier. "Und das ist eine Situation, wo ich dann denke, was kann ich jetzt tun, wie kann ich mich richtig verhalten?" Etwa ein halbes Jahr lang dauert die Ausbildung zum ehrenamtlichen Hospizmitarbeiter. Gelernt wird unter anderem an Wochenenden. Die elf Teilnehmer aus Damme sind zwischen 28 und 78 Jahre alt. Koordinatorin Elisabeth Bornhorst freut sich über die harmonische Gruppe - und darüber, dass sie sich auf das Thema "Arbeiten im Bereich Hospiz" einlässt. Das sei nicht jedermanns Sache: "Nein, das kann nicht jeder. Die Teilnehmer müssen sich auf das Thema Tod und Sterben einlassen."

Hoffen auf die Begleitung in den Tod

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Otto Dierken ist der einzige Mann in der Runde. Er hofft, dass er durch die Ausbildung seine Fähigkeiten im Umgang mit sterbenskranken Menschen noch verbessern kann.

Otto Dierken ist der einzige Mann in der Runde. Vor fast anderthalb Jahren starb seine Frau in einem stationären Hospiz. Neun Wochen lang hat er sie dort täglich besucht und sie auf ihrem Weg begleitet. Danach ist er dem Hospiz treu geblieben - hat als Gast andere Bewohner bis zu deren Tod besucht. Der 74-Jährige ist gerne unter Menschen, kann zuhören, bei Bedarf aber auch reden und sogar Platt schnacken. Durch die Ausbildung zum ehrenamtlichen Hospizmitarbeiter will er seine Fähigkeiten im Umgang mit sterbenskranken Menschen noch verbessern. Der Blick auf seine eigene Endlichkeit erschreckt ihn nicht: "Ich bin katholisch erzogen und ich habe bislang noch keine Angst vorm Sterben. Und wenn es dann so weit sein sollte, dann hoffe ich, dass ich auch Leute um mich habe, die mich dann begleiten!" Denn sterben müsse ja jeder, so Dierken.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | 05.12.2016 | 10:50 Uhr