Hand in Hand: Die Segeberger Tafel soll winterfest werden

Stand: 02.12.2020 11:22 Uhr

Sie halten durch - auch im zweiten Lockdown. Zweimal die Woche geben die Helfer der Segeberger Tafel Lebensmittel an Bedürftige aus. Damit das auch im Winter klappt, wird jetzt renoviert.

von Malin Girolami

Faule Tomaten, matschige Mandarinen, braune Trauben - die sortieren sie hier aus, um ihren Kunden das Obst und Gemüse so appetitlich wie möglich anzubieten. Seit neun Uhr bereiten die ehrenamtlichen Helfer die Ausgabe vor. Drei Teams sind unterwegs, um die ausgemusterten Lebensmittel der Supermärkte mit dem Sprinter abzuholen. Ware, die sonst weggeworfen würde, weil sie zu nah am Mindesthaltbarkeitsdatum ist, oder eben nicht mehr so schön aussieht. Im ersten Lockdown haben sie den Carport zur Ausgabestation umfunktioniert und damit vieles nach draußen verlagert. Dort leiten sie die Kunden jetzt im Rundkurs von Tresen zu Tresen und halten so die Abstände ein.

Dankbarkeit sorgt für Motivation

Noch während die Vorbereitungen laufen, kommt eine junge Syrerin vorbei. Sie bringt dem Tafel-Team eine Auflaufform mit Couscous und Hühnchen - als Dankeschön. Und genau wegen solcher Momente sei die Motivation auch so groß, den Laden hier am Laufen halten, sagt Hans-Joachim Wild, Vorsitzender der Segeberger Tafel.

Berufsschüler zimmern Spuckschutzwände

Immer mittwochs und freitags ist Tafel-Tag in Bad Segeberg. Mehr als 200 Menschen kommen zur Ausgabe. Viele versorgen mit den Lebensmitteln ihre ganze Familie. Voraussetzung ist ein Tafel-Ausweis. Den erhält jeder, der seine Bedürftigkeit zum Beispiel durch den Rentenbescheid nachweisen kann. Und der Bedarf ist da. Vor Corona hätten sich immer lange Schlangen in den beengten Räumen der Tafel gebildet, erzählt ein Helfer. Zu Beginn der Pandemie haben sich viele der ehrenamtlichen Helfer zurückgezogen. Die meisten gehören auf Grund ihres Alters zur Risikogruppe. Doch dann kam Unterstützung von der Berufsschule. Die schickte ein Team, das Spuckschutzwände zimmerte und in der ersten Zeit sogar bei der Ausgabe half.

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Neue Herausforderungen im Winter

Mittlerweile sind viele von der ursprünglichen Truppe zurück. Alle arbeiten mit Maske. Um einen Ansturm zu vermeiden, verteilen sie Nummern an die wartenden Kunden. Die werden nach dem Zufallsprinzip aufgerufen. Mit der Outdoor-Tafel sind sie gut durch den Sommer und den Herbst gekommen. Doch im Winter wollen sie die Menschen nicht bei Minusgraden im Regen stehen lassen. Deshalb müssen die Räume der Tafel-Unterkunft am Eingang eines Segeberger Industriegebietes neu strukturiert und renoviert werden. Tische, Tresen, Raumtrenner - die Wunschliste ist lang und den Umbau muss der gemeinnützige Verein aus Spenden finanzieren.

Ein Anker im Alltag

Die erste Nummer wird aufgerufen. Es geht los. Alle Kunden müssen am Eingang ihre Bedarfskarte zeigen. Dann bekommen sie, was sie brauchen. Vom Brotlaib bis zum Shampoo. Viele gehen mit drei großen Taschen wieder raus. Zahlen müssen sie nichts. Eine kleine Spende geben einige trotzdem, so wie Angelika Albinus. Sie hat nur eine kleine Rente und die Tafel sei für sie eine Riesenunterstützung, erzählt sie. Auch Nicole Tanke kommt schon lange hierher. Sie sitzt im Rollstuhl und hat eine Helferin, die für sie die Tüten trägt. Sie kennt mittlerweile viele der Mitarbeiter, scherzt mit allen und blüht sichtbar auf. Sie verspricht, dem Team beim nächsten Mal eine Torte mitzubringen. In Zeiten von Isolation und Kontaktbeschränkungen bereichern diese kleinen Begegnungen den Alltag.

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Gemeinsam Gutes tun

Am Ende des Ausgabeparcours steht Hekmat bei den Schnittblumen. Er ist 2015 von Syrien nach Deutschland gekommen. Über das Deutschlernen habe er bei der Tafel ein zweites Zuhause gefunden, erzählt er, und man erahnt ein breites Lächeln unter seiner Maske und sieht blitzende Augen. Mittlerweile hat Hekmat eine abgeschlossene Ausbildung als Schiffskaufmann und wann immer er es schafft, kommt er freitags vorbei, um das Team zu unterstützen. Er spricht deutsch und arabisch und plaudert mit allen Kunden. Die meisten nehmen danach auch einen Bund Blumen mit und bedanken sich herzlich. Der Kontakt zu den Kunden, aber auch die Gemeinschaft untereinander, bedeutet allen Helfern viel. Mehr als 50 Ehrenamtliche engagieren sich regelmäßig. Um Kontakte zu reduzieren, sind sie aktuell in Gruppen eingeteilt.

Mit "Hand in Hand für Norddeutschland" durch den Winter

Ziel ist es, an jedem Ausgabetag alle Lebensmittel loszuwerden. Und weggeschmissen wird hier kaum etwas. Was übrigbleibt, geht an den Wildpark Eekholt. Gut drei Stunden dauert die Ausgabe an diesem Tag. Bei strahlendem Sonnenschein und zweistelligen Temperaturen läuft alles rund. Doch das Team will für den Winter gewappnet sein und den Umbau so schnell wie möglich angehen. Ein Konzept haben sie schon - und die Hoffnung auf die Spenden über "Hand in Hand für Norddeutschland".

Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 02.12.2020 | 19:30 Uhr

NDR Benefizaktion