Ein freiwilliger Helfer schiebt eine Bewohnerin im Rollstuhl © NDR Foto: Petra Volquardsen

Gegen die Einsamkeit: Freiwillige unterstützen Senioren

Stand: 09.12.2020 13:28 Uhr

Viele Bewohnerinnen und Bewohner in Alten- und Pflegeheimen leiden besonders unter der Corona-Krise. Als ein Mittel gegen Einsamkeit bringt die Diakonie in Poppenbüttel freiwillige Helfer und Senioren zusammen.

von Petra Volquardsen

Draußen vor dem "Hospital zum Heiligen Geist" in Poppenbüttel. Paul Dondenwill schiebt Karin Sievers im Rollstuhl über den Platz. Sie ist 84, er 29 Jahre alt. Im Frühjahr haben sich die beiden kennengelernt. "Das war zu Beginn der Corona-Pandemie, ich war damals auf Jobsuche, hatte viel Zeit und wollte mich engagieren", sagt Dondenwill. Im Internet liest er, dass unter anderem die Diakonie Freiwillige sucht. Er meldet sich und wird ans "Hospital zum Heiligen Geist" vermittelt.

Freiwilliger Helfer mit zwei Bewohnern © NDR Foto: Petra Volquardsen
AUDIO: "Hand in Hand" Unterstützung für Menschen im Altenheim (2 Min)

"Wir haben uns gleich gut verstanden"

Die ersten Male treffen sich die beiden draußen im Freien. "Wenn ich mich recht erinnere, sind wir erstmal zusammen zum Briefkasten gegangen", erinnert sich Karin Sievers. Beide haben sich sofort gut verstanden. "Mit Frau Sievers gab es gleich überraschend viele Schnittpunkte", erzählt Paul Dondenwill. "Sie ist in dem Viertel aufgewachsen, wo ich inzwischen wohne, in Winterhude am Stadtpark. Und sie hat lange in Langenhorn gelebt, wo ich zur Schule gegangen bin." Manchmal spielen sie auch zusammen - meistens Rummikub.

Vier Monate lang, von April bis August, ist Paul Dondenwill regelmäßig ins Seniorenheim nach Poppenbüttel gekommen. Mit einer dementen Bewohnerin ist er am Alsterlauf spazieren gegangen. Auch mit Jens Hubo hat er sich getroffen. Der 88-Jährige freut sich über so viel Engagement: "Ich finde das großartig. Er hatte Zeit und es ist ja auch interessant, mit den Leuten zu sprechen."

Durch Corona viele neue Ehrenamtliche

Ein Mitarbeiter vorm Eingang zum Haus "Arnika" © NDR Foto: Petra Volquardsen
Nizar Müller kümmert sich im "Hospital zum Heiligen Geist" um neue Projekte.

Das Hospital zum Heiligen Geist wollte die Zusammenarbeit mit Ehrenamtlichen ohnehin weiter ausbauen, sagt Nizar Müller, der sich im Alten- und Pflegeheim in Poppenbüttel um neue Projekte kümmert. "Wir haben seit etwa eineinhalb Jahren eine Quartiersentwicklerin bei uns". Für dieses Jahr war geplant, das Freiwilligenmanagement aufbauen und unter anderem ein Musiktherapie-Projekt zu starten. Durch Corona sind neue Ehrenamtliche dazu gekommen. Zuerst ging es darum, einen Einkaufsservice aufzubauen und Masken zu nähen. "Aber uns ist vor allem soziale Teilhabe wichtig".

Bewohner lernen mit Tablets und Laptops umzugehen

Künftig könnten Freiwillige und junge Auszubildende die Seniorinnen und Senioren beim Umgang mit digitalen Medien unterstützen. Nicht nur während der Corona-Beschränkungen sind Tablets oder Laptops eine gute Möglichkeit, etwa mit Angehörigen in Kontakt zu bleiben. So leiden die Bewohnerinnen und Bewohner weniger unter Vereinsamung. "Die Idee ist, eine Art Mini-Computerkurs zu machen - mit denen, die täglich damit zu tun haben und mit denen, für die das noch fremd ist", sagt Nizar Müller. Auch darum, wie Videotelefonate funktionieren, soll es dann gehen.

"Es macht Spaß, zu erzählen"

Epfangsgebäude am Hospital zum Heiligen Geist in Poppenbüttel © NDR Foto: Petra Volquardsen
Das Empfangsgebäude am "Hospital zum Heiligen Geist" in Poppenbüttel ist weihnachtlich geschmückt.

Paul Dondenwill hat mittlerweile eine neue Arbeitsstelle gefunden und nicht mehr so viel Zeit. Trotzdem kann er sich gut vorstellen, weiter mitzumachen. Für Karin Sievers sind die Treffen mit ihm jedes Mal eine große Freude und eine willkommene Abwechslung. Gerade im Corona-Jahr, in dem viele Freizeitaktivitäten und Veranstaltungen ausfallen mussten. "Man kann mit ihm über Vieles reden, was meine Kinder schon kennen und was sie vielleicht nicht so interessiert. Und er ist sehr wissbegierig. Es hat Spaß gemacht, zu erzählen. Und was mir dann alles wieder eingefallen ist."

Gemeinsam gegen die Einsamkeit

Menschen unterschiedlichen Alters miteinander ins Gespräch bringen - jetzt während der Pandemie und darüber hinaus. Für Nizar Müller sind es solche Begegnungen, die einen Unterschied machen: "Davon lebt unsere Gesellschaft. Und das macht das Leben gerade in Hamburg, in dieser tollen Stadt, so lebenswert."

Um alle Ideen in die Tat umzusetzen zu können, hofft die Diakonie auf Spenden aus der NDR Benefizaktion "Hand in Hand für Norddeutschland" - und auf weitere ehrenamtliche Unterstützerinnen und Unterstützer.

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | 09.12.2020 | 15:38 Uhr