Stand: 12.12.2013 11:00 Uhr

Ein Weihnachtsessen für die Tafelgäste

von Kathrin Otto

Wenn die Tafel in Hamburg-Wilhelmsburg für ihre Kunden den Tisch deckt und Mittagstisch serviert, kommen in der Regel 10 bis 20 Personen täglich. An diesem Tag jedoch sind 300 Personen der Essenseinladung gefolgt: Die Tafel veranstaltet ihre alljährliche Weihnachtsfeier. Es gibt, das ist inzwischen Tradition, Grünkohl mit Röstkartoffen, Kohlwurst und Kasseler. Ein deftiges und leckeres Essen und für die, die es hier in Empfang nehmen, nicht alltäglich. Und - auch das kommt nicht alle Tage vor - ausgeteilt wird die Mahlzeit von Moderator Carlo von Tiedemann.

Für Carlo von Tiedemann ist es nicht der erste Einsatz für eine Tafel, schon länger engagiert er sich für die Lübecker Tafel. Die Art der Einrichtung findet er sehr wichtig. "Die Menschen, die dort hingehen, haben teilweise nur sich selbst und nur den heutigen Tag. Was morgen kommt, wissen viele nicht. Einige schlafen sogar auf der Straße", erklärt er. Darum sei es ihm wichtig, regelmäßig zu helfen und mit Aktionen wie "Hand in Hand für Norddeutschland" immer wieder zum Nachdenken anzuregen.

"Weihnachten sollte wieder das Fest für die Armen sein"

Hildebrand Henatsch © NDR Foto: Claudia Timmann
Hildebrand Henatsch ist heute im Ruhestand. Für die Tafel engagiert er sich noch immer.

Gegründet wurde die Wilhelmsburger Tafel vor fast 20 Jahren, unter anderem von Hildebrand Henatsch. Von 1981 bis 2000 war er Pastor in der heutigen Reiherstieg-Gemeinde, gründete die Arbeitsloseninitiative Wilhelmsburg und als deren Beschäftigungsprojekt auch die Tafel mit. Das Konzept findet er nicht nur überzeugend, weil es Menschen mit Lebensmitteln versorgt und andere sinnvoll beschäftigt. Er findet auch wichtig, dass überschüssige Lebensmittel nicht sinnlos entsorgt werden.

Schnell nach der Gründung der Tafel wurde auch die Weihnachtsfeier ins Leben gerufen, die dem 78-Jährigen besonders am Herzen liegt. "Weihnachten im ursprünglichen Sinn war etwas für die Armen. Verkündet von den Hirten, Maria und Josef mit dem Kind in der Krippe, ein Zeichen von Obdachlosigkeit und Armut, wenn man so will. Für mich ist wichtig, dass Weihnachten auch heute wieder etwas wird für Menschen, die wenig Geld haben."

Hohe Ausgaben für die Tafel

Und von denen gibt es viele. Etwa 400 bis 500 Kunden hat die Wilhelmsburger Tafel, die ein bis zwei Mal pro Woche dort Lebensmittel abholen können. Zwei Euro müssen die Kunden pro Besuch zahlen. So finanziert die Tafel etwa ihre Miete und unterhält die zwei Tafelbusse, mit denen die Lebensmittel bei den Spendern abgeholt werden. Demnächst müssen außerdem die Sanitäranlagen saniert werden, momentan steht den täglich 10 bis 20 Mitarbeitern nur eine Toilette zur Verfügung. Kein Dauerzustand, aber auf dem Kostenvoranschlag prangt die Summe von 10.000 Euro. Für die Tafel ist das ohne Spenden nicht finanzierbar.

Eine rührende Geschichte

Das Essen für die heutige Weihnachtsfeier stiftet seit Jahren das nahe gelegene Krankenhaus Groß-Sand. Etwas später gibt es Kaffee und Kuchen und - als Extra-Dessert sozusagen - liest Carlo von Tiedemann eine Weihnachtsgeschichte vor. Ausgesucht hat er "Das Geschenk der Weisen". Darin geht es um zwei Menschen, die nichts haben außer sich selbst und ihre Liebe füreinander. "Das ist so wundervoll beschrieben. Zum Schluss habe ich jedes Mal Schwierigkeiten und muss immer wieder schlucken, weil es so schön ist", gibt er zu. Und tatsächlich, als der Moderator vor all den Menschen sitzt - die auch nicht viel haben - wirkt es, als würde seine sonst so sichere Stimme zum Abschluss dieser Weihnachtsfeier kurz ins Stocken geraten.

NDR Benefizaktion