Sendedatum: 08.12.2017 07:40 Uhr

Das erste Mal Ostsee-Urlaub

von Julian Marxen

Die Wellen der Ostsee klatschen an den Strand von Boltenhagen. Kinder buddeln mit Schaufeln im Sand. Die Eltern stehen daneben, klönen und lachen miteinander. Auch der kleine Lewis strahlt: "Ich finde das total gut hier." Seine Mutter Julia nickt: "Es ist super schön, eine tolle Gemeinschaft." Die Gemeinschaft - das sind neun Familien aus dem Kreis Segeberg, die in Boltenhagen ihre Ferienfreizeit verbringen. Einige sind zum ersten Mal im Urlaub, manche haben vorher noch nicht einmal die Ostsee gesehen. Sie alle haben eigentlich nicht das Geld für eine Woche Strand-Urlaub. Deshalb springt das Bildungswerk des Kirchenkreises Plön-Segeberg ein, organisiert und sponsert die Fahrt. "Es ist so wichtig, dass finanzschwache Familien mal rauskommen und entspannt Zeit miteinander verbringen können", weiß die Leiterin der Ferienfreizeit, Ulrike Haeusler. "Natürlich sind wir dabei immer wieder auf Spenden angewiesen."

Ein Urlaub für Kinder

Gemeinsam kochen und essen

Nicht einmal 100 Meter vom Strand entfernt, zwischen Kiefern und Eichen, steht das "Evangelische Feriendorf". Hier, in den Holzhäusern, wohnen die Familien und kochen zusammen. Es riecht nach Rosenwasser und Pommes, modern gesprochen: nach Crossover-Küche. Kein Wunder, denn die Familien kommen nicht nur aus Deutschland, sondern auch aus Syrien, Irak, Iran und Polen. Während Kinder durcheinander wuseln und für alle den Tisch decken, stehen drei Mütter am Herd.

Raha rührt in der Linsensuppe: "Das ist ein Original-Rezept aus dem Irak. Huhn und Pommes haben wir schon in den Ofen geschoben. Jetzt machen wir noch ein bisschen Bulgur, dahinten steht der Petersiliensalat und die Spaghetti sind auch schon fertig." An der langen und reich gedeckten Tafel sind alle begeistert von den Kochkünsten: "Das schmeckt so lecker." Besonders die deutschen Mütter loben die orientalischen Gerichte.

Freundschaften statt Sozialneid

Flüchtlinge und finanzschwache deutsche Familien - zwischen ihnen entstehen in diesem Urlaub Freundschaften. Vom viel beschworenen Sozialneid keine Spur. "Wenn Kinder zusammen spielen und es ihnen dabei gut geht, dann verbindet das. Auch wenn es vielleicht am Anfang noch Skepsis gab. Nach zwei Tagen spielte die Herkunft definitiv keine Rolle mehr", berichtet Ulrike Haeusler vom Kirchenkreis Plön-Segeberg. Während dieser Woche lernen alle voneinander. Nicht nur in der Küche. Wie gut sich die Familien verstehen, zeigt sich im Boltenhagener Kletterwald. Die alleinerziehende Kristin balanciert auf einem Drahtseil, das zwischen zwei Bäumen gespannt ist. "Ein bisschen Angst habe ich schon", gibt die junge Mutter zu. Der irakische Junge Youssef hilft ihr ganz selbstverständlich, reicht ihr die Hand. "Geh einfach geradeaus und halte Dich bei mir fest. Vertraue mir", ruft er ihr zu. Es funktioniert. Hand in Hand. Und so leistet diese Ferienfreizeit ganz nebenbei und unverkrampft einen wichtigen Beitrag zur Integration.

Weitere Informationen

Danke für mehr als zwei Millionen Euro!

Die NDR Benefizaktion "Hand in Hand" unterstützt Kinder und Familien in Not. Die Bilanz bei der Scheckübergabe: mehr als zwei Millionen Euro, Danke für Ihre Spenden. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Guten Morgen Schleswig-Holstein | 08.12.2017 | 07:40 Uhr