Stand: 27.12.2016 17:30 Uhr  | Archiv

Als 20.000 Hamburger der Speicherstadt wichen

Warum aber entschied sich damals die Stadt Hamburg die Abrissviertel zu dokumentieren? Nun, Vorbild dürfte Paris gewesen sein. Die französische Hauptstadt hatte bereits in den 1860er-Jahren einen Fotografen beauftragt, den dramatischen städtebaulichen Wandel in der französischen Stadt festzuhalten. Er sollte die Straßenzüge und Teile der Stadtviertel dokumentieren, die für den Umbau zu einer modernen Metropole weichen mussten. So entstanden 425 Fotografien als "behördliche Dokumente", die das verschwundene Paris zeigen. Ein Teil der Werke führte Frankreich 1873 auf der Weltausstellung in Wien vor. Zahlreiche offizielle Vertreter Hamburgs besuchten die Weltausstellung, unter ihnen Beamte aus der Baudeputation.

Verdienstmedaille auf Weltausstellung

Auch Georg Koppmann präsentierte etliche seiner Fotografien auf der Weltausstellung - "seine Arbeiten fanden besondere Beachtung", wie Olaf Matthes in dem Buch "Stadt Bild Wandel" schreibt. Koppmann erhielt eine der insgesamt 13 Fotografier-Verdienstmedaillen, die für Architektur-Aufnahmen zur Weltausstellung vergeben wurden.

Nach ihrer Rückkehr von der Weltausstellung nahm sich die Hamburger Baudeputation bald vor, künftig "bei allen größeren baulichen Umgestaltungen den bisherigen Zustand durch photographische Aufnahmen zu fixieren". Georg Koppmann erhielt zwar keinen festen Vertrag, aber er wurde "der mit Abstand wichtigste Fotograf für die Baudeputation" (Matthes). Zu seinen Aufträgen zählte auch die Dokumentation des neu errichteten Gaswerks Barmbeck und des weiteren Ausbaus des 1866 eingeweihten Sandtorhafens. Für Koppmann sollte die Hamburg Baudeputation über mehrere Jahrzehnte hinweg ein verlässlicher Auftraggeber sein.

Auch den Kaiser abgelichtet

So hielt Koppmann auch die Zollanschlussfeier am 29. Oktober 1888 fest - eine Art Eröffnungsfeier für die neu errichtete Speicherstadt. Auch Kaiser Wilhelm II. kam zur symbolträchtigen Schlusssteinsetzung in die Hansestadt. Der Fotograf sollte im Auftrag der Baudeputation alle wichtigen Programmpunkte des Tages dokumentieren. Die Menschen, die hier einst lebten, waren längst weg. Sie waren vor allem in die Stadtteile Barmbek, Hammerbrook und Eimsbüttel gezogen. Der Senat entschädigte die Hauseigentümer, aber nicht diejenigen, die dort zur Miete wohnten.

Einer der bedeutendsten Dokumentar-Fotografen

Georg Koppmann starb schließlich am 4. Juli 1909, er wurde auf dem Ohlsdorfer Friedhof beigesetzt. Sein Foto-Geschäft wurde zunächst von seinem Sohn Gustav weiter geleitet. Heute gilt Georg Koppmann als einer der bedeutendsten Hamburger Dokumentar-Fotografen im letzten Drittel des 19. und im frühen 20. Jahrhundert. "Allein der beachtliche Umfang seines Schaffens in einem Zeitraum von etwa 40 Jahren sowie die durchgängig hohe Qualität erheben seine Hamburg-Aufnahmen zu bedeutenden Zeugnissen des stadträumlichen Wandels", urteilt Matthes.

VIDEO: 2013: 125 Jahre Hamburger Speicherstadt (4 Min)

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Dieses Thema im Programm:

Hamburg Journal | 27.10.2013 | 19:00 Uhr

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