Stand: 16.08.2011 10:00 Uhr

Als Jimi auf die Insel kam

von Sabine Leipertz, NDR.de
Auch Buh-Rufe gab es 1970 auf Fehmarn. Die Reaktion des Gitarrengotts Jimi Hendrix? Hauptsache "in der richtigen Tonart"!

Ein Jahr nach "Woodstock" wollten drei Norddeutsche im September 1970 auf Fehmarn mit dem "Love + Peace Festival" Musikgeschichte schreiben. Ein ehrgeiziges Ziel, hatten doch in den Jahren zuvor andere Festivals die Messlatte sehr hoch gehängt. Monterey, Altamont, Isle of Wight und allen voran Woodstock: Das waren die damals schon legendären Festivals, auf denen die Blumenkinder sich selbst und ihre Ideale von Liebe und Frieden zelebrierten. Das "Love + Peace Festival" ging tatsächlich in die Geschichte ein, wenn auch nicht unbedingt in die musikalische. Den meteorologischen Unwägbarkeiten der Insel und Fehlplanungen der Veranstalter geschuldet, versank es in Regen und Chaos. Dennoch: Seitdem schmückt sich Fehmarn mit einem Jimi-Hendrix-Gedenkstein und der Legende, der Ort zu sein, an dem der Gitarrengott den letzten Live-Auftritt seines Lebens hatte.

Das Festival der Liebe auf Fehmarn 1970

1970: Die Beatles in der Trennung, Jimi Hendrix auf dem Höhenflug

Musikalisch hatte es das Jahr 1970 in sich. Im April gaben die Beatles ihre Trennung bekannt, Queen und Kraftwerk starteten ihre Karrieren. Mungo Jerry hatten mit "In The Summertime" einen der größten Sommerhits aller Zeiten und Roy Black stand mit "Dein schönstes Geschenk" neun Wochen an der Spitze der deutschen Single-Charts. Led Zeppelins "Whole Lotta Love" gelang das nur sieben Wochen. Jimi Hendrix war spätestens nach seinem Auftritt beim "Woodstock Music and Art Festival" in Bethel im Bundesstaat New York auf dem Höhepunkt seiner Karriere und einer der innovativsten und bedeutendsten Gitarristen seiner Zeit. Der Dokumentarfilm "Woodstock - 3 Tage im Zeichen von Liebe & Musik" kam in die Kinos und verbreitete das Blumenkinder-Feeling auch bis in die letzten Winkel der norddeutschen Provinz.

Summer of Love auf Fehmarn

Helmut Ferdinand, Christian Berthold und Tim Sievers - damals alle um die 30 - hatten den Plan, auf Fehmarn mit dem "Love + Peace Festival" die deutsche Version des Liebe-und-Frieden-Happenings über die Bühne zu bringen. Mit 200.000 Mark Sponsorengeld ging es los. Beate Uhse hatte diese Summe zur Verfügung gestellt, ihre damals eröffneten Erotik-Shops dienten auch als Vorverkaufsstellen. Die Unternehmens-Chefin nutzte das Festival als Promotion-Plattform für ihre Shops und schmiss eigenhändig Kondome unters Hippie-Volk.

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Jimi Hendrix war eines der Zugpferde des "Love + Peace Festival" auf Fehmarn.

Alles, was in der Musik-Szene Rang und Namen hatte, wurde gebucht: Jimi Hendrix, Ten Years After, Canned Heat, Taste, Colosseum, Cactus, Ginger Bakers Air Force, Sly & The Family Stone, Procol Harum, Mungo Jerry, The Faces: Ein Musikfestival dieser Größenordnung hatte es bis dahin in Deutschland nicht gegeben. Die Veranstalter hatten allerdings keine Ahnung vom Musikzirkus. Die Kosten explodierten, die Verpflegung der Besucher war dürftig und so ging das Projekt regelrecht den Bach runter; das Auftauchen einer Hamburger Rocker-Gang tat ihr Übriges.

Der Anfang vom Ende einer Ära

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Die amerikanischen Bluesrocker Canned Heat in den 70ern. Alan "Blind Owl" Wilson (2.v.l.) starb nur einen Tag vor Festivalbeginn.

Als Tausende von Hippies aus ganz Europa nach Fehmarn pilgerten, war das Ende der Flowerpower-Ära jedoch schon eingeleitet: Sie hatte im wahrsten Sinne des Wortes begonnen, auszusterben. Den Anfang machte Anfang September Alan "Blind Owl" Wilson, Gründungsmitglied, Leadgitarrist und Sänger der amerikanischen Bluesrockband Canned Heat, die damals auf den großen Festivals zum Standard-Line-up gehörte. Er starb am 3. September, einen Tag vor Festival-Beginn, an einer Überdosis Barbiturate mit nur 27 Jahren. Kurz darauf sollten ihm weitere Stars der "Love & Peace"-Generation folgen. Jimi Hendrix und Janis Joplin: zwei der berühmtesten Mitglieder des sogenannten Club 27.

 

Dieses Thema im Programm:

Doku & Reportage | 10.12.2018 | 23:15 Uhr

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