Stand: 22.08.2011 08:42 Uhr  | Archiv

Ein Viertel kommt schwer in die Gänge

von Marc-Oliver Rehrmann, NDR.de

Ein weiterer Streitpunkt ist, wer die Sanierung plant. Der Gängeviertel-Verein fordert einen unabhängigen Architekten, der nicht den wirtschaftlichen Interessen der Stadt verschrieben ist. Als Horrorszenario gilt vielen Künstlern ein "glattsaniertes" Quartier, wie es in Berlin in den Hackeschen Höfen zu erleben sei. Die Stadt ihrerseits führt an, ein externer Architekt sei zu teuer. "Wenn die Stadt jetzt schon sagt, ein unabhängiger Architekt sei zu teuer, dann können wir uns schon vorstellen, wie die Gebäude am Ende aussehen", sagt Ebeling. Sie befürchtet, dass bei der Sanierung Geldfragen eine zu große Rolle spielen. Es sei keineswegs gesichert, dass einige Gebäude nicht doch noch abgerissen werden. Und zwar dann, wenn die Stadt meint, eine Sanierung sei zu kostspielig.

An der Forderung nach einem unabhängigen Architekten will die Gängeviertel-Initiative festhalten. "Notfalls rufen wir zu Spenden auf, um das Honorar für den Architekten aufbringen zu können", sagt Ebeling.

Eine Tapete als Zeitzeuge

Die Gängeviertel-Initiative hat eine genaue Zukunftsvision: Es sollen Wohnungen für rund 150 Menschen entstehen. Zudem viele Ateliers, die Künstler nutzen können. Gewünscht wird, dass die historischen Gebäude behutsam saniert werden. Idealerweise sollen nicht nur die Fassaden erhalten bleiben, sondern auch vieles andere, das den Charme des einstigen Arbeiterviertels ausmache. "Die Grundrisse der Wohnungen, die alten Tapeten oder auch ein hundert Jahre altes Waschbecken können viel über die vergangene Zeit erzählen", sagt Architekt Donsbach. Wichtig sei, dass künftig Arbeiten und Wohnen wieder nah beieinander liegen. So wie es früher im Gängeviertel üblich war.

Aber erst einmal wollen die Unterstützer den "Geburtstag" des Gängeviertels feiern - zwei Jahre nach dem Beginn der Besetzung. Für das kommende Wochenende wird ein ausführliches Programm auf die Beine gestellt. Alle Hamburger sind eingeladen. Auch um sich ein Bild davon zu machen, was sich in letzter Zeit im Gängeviertel getan hat.

Dieses Thema im Programm:

Hamburg Journal | 22.08.2011 | 19:30 Uhr

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