In der Außenweser steht der Leuchtturm Roter Sand. © dpa Foto: picture alliance/Sina Schuldt/dpa

Bollwerk in rauer See: 135 Jahre Leuchtturm Roter Sand

Stand: 02.11.2020 12:00 Uhr

Er ist Seezeichen, Denkmal, Symbol für die Schifffahrt - und das seit 135 Jahren: der Leuchtturm Roter Sand. Die Geburtstagsfeierlichkeiten mussten wegen des Coronavirus allerdings ausfallen.

Seit 135 Jahren trotzt der Leuchtturm den Wellen der Nordsee, die nordöstlich von Wangerooge, auf halbem Weg zwischen Bremerhaven und Helgoland, gegen sein Fundament rollen. Sein Feuer strahlte erstmals am 1. November 1885 und leitete seitdem Tausende Schiffe an die Küste. Obwohl eine ganze Kette von Seezeichen die Untiefen der Deutschen Bucht markieren, ist kein anderes so bekannt geworden wie dieser Leuchtturm.

Nationaldenkmal auf hoher See

Der Leuchtturm Roter Sand in der Nordsee war das erste Offshore-Bauwerk weltweit. Die Konstruktion war eine kühne Ingenieursleistung und für das deutsche Kaiserreich ein Symbol des technischen Fortschritts. Für die Seefahrer war der Leuchtturm das wichtigste Seezeichen zur Ansteuerung der Wesermündung und für die Auswanderer aus Bremerhaven der letzte Gruß an die alte Heimat. Nach der Stilllegung rettet ein Förderverein den Sehnsuchtsort vor dem Zerfall. Er kann in den Sommermonaten besucht werden. © NDR/Gruppe 5 Filmproduktion GmbH
Der Leuchtturm Roter Sand in der Nordsee war das erste Offshore-Bauwerk weltweit.

1974 drohte dem Turm das Ende, als der Neubau "Alte Weser" seine maritimen Aufgaben übernahm. Eine Bürgerinitiative setzte sich jedoch erfolgreich für den Erhalt des 52 Meter hohen Stahlturms mit den drei charakteristischen Erkern ein. So wurde Roter Sand 1987 erstes offizielles Objekt der Deutschen Stiftung Denkmalschutz. Deren Vorsitzender Gottfried Kiesow bezeichnet den Leuchtturm als Nationaldenkmal und stellt ihn damit auf eine Stufe mit dem Brandenburger Tor oder dem Kölner Dom. Für die Küstenbewohner habe er "einen ähnlichen Symbolwert wie die Freiheitsstatue für New York".

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Der Turm gilt als erstes Offshore-Bauwerk der Welt. Ihn zu konstruieren, bedeutete im 19. Jahrhundert eine außerordentliche technologische Herausforderung. Das Fundament entstand mit der gleichen Technik, die noch heute für moderne Windkraftanlagen auf hoher See angewendet wird. Die Ingenieure ließen am Festland einen runden Kasten mit fast 30 Metern Durchmesser bauen. Diesen versenkten sie auf hoher See und füllten ihn mit mehr als 300 Kubikmeter Beton auf. Heute sichert eine Stahlmanschette dieses Fundament. Seinen Namen erhielt der Leuchtturm von einer mit rotem Muschelkalk besetzten Sandbank, auf der er steht.

Nordsee-Denkmal Roter Sand soll saniert werden

Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz bietet im Sommer einige Fahrten mit einem ehemaligen Tonnenleger zum Roten Sand an. Er erreicht sein Ziel ab Bremerhaven in rund 2,5 Stunden. Die Stiftung plant außerdem die Sanierung des Wahrzeichens und erarbeitet ein Konzept zum langfristigen Erhalt des Bauwerks.

Karte: Leuchtturm Roter Sand

 

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NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 22.04.2020 | 06:00 Uhr

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