Stand: 05.12.2019 11:41 Uhr

Der Kampf um die Hafenstraße - eine Chronologie

Die Hamburger Hafenstraße © Günter Zint Foto: Günter Zint
Die Sprüche an den Häuserfassaden in der Hafenstraße treffen in den 80er-Jahren den Nerv der Republik.

Brennende Barrikaden, fliegende Molotow-Cocktails und Großeinsätze der Polizei: Was mit einer Besetzung begann, entwickelte sich in den 80er- und 90-Jahren zu einem Politikum ersten Ranges mit hohem Symbolwert auch über Hamburgs Grenzen hinaus: Die Hamburger Hafenstraße stand fast 15 Jahre für den Widerstand gegen den Staat.

September/Oktober 1981: Jugendliche besetzen zunächst unbemerkt zwölf teilweise leer stehende Häuser in der Hafenstraße, die der städtischen Wohnungsbaugesellschaft SAGA gehören. Zuvor hatte die Stadt beschlossen, die maroden Altbauten abzureißen und die Fläche für profitablere Zwecke zu nutzen.

Frühjahr 1982: Die SAGA bemerkt die Besetzungen, als ein Transparent mit der Aufschrift "Besetzt - Ein Wohnhaus ist kein Abrisshaus" an die Fassade gehängt wird. Es kommt zu ersten Auseinandersetzungen.

Ende 1982: In Verhandlungen zwischen Besetzern und Senat wird eine "Winterfestmachung" der Gebäude zugesichert.

November 1983: Es werden dreijährige Mietverträge zwischen den Bewohnern und der SAGA abgeschlossen. "Die Bewohner kamen und unterschrieben den Vertrag mit 'B. Setzer' - und niemand hat's gemerkt", sagt der damalige Bürgermeister Klaus von Dohnanyi (SPD) später.

Januar 1985: Anwohner errichten Barrikaden und setzen diese in Brand, um ihre Solidarität mit den RAF-Gefangenen zu demonstrieren.

Oktober 1985: Der Chef des Hamburger Verfassungsschutzes, Christian Lochte, behauptet, in der Hafenstraße hätten sich der RAF nahestehende Frauen versteckt.

Dezember 1986: Kurz vor Auslaufen der Mietverträge gehen 12.000 Menschen für den Erhalt der Gebäude auf die Straße. "Solidarität mit der Hafenstraße. Keine Räumung, kein Abriss. Schluss mit dem Polizeiterror", lautet die Parole.

Hamburgs damaliger Bürgermeister Klaus von Dohnanyi (Mitte) mit Sozialsenator Jan Ehlers (links) und Pressesprecher Thomas Mirow bei einer Pressekonferenz zur Hafenstraße in den 1980er-Jahren © picture-alliance/Sven Simon
Im November 1987 bürgt Bürgermeister von Dohnanyi mit seinem Amt für die Durchsetzung eines Pachtvertrags.

November 1987: Der Senat erklärt die Vertragsverhandlungen für gescheitert, erneut steht die Räumung bevor und die Lage droht zu eskalieren. Bürgermeister von Dohnanyi bürgt mit seinem Amt für die Durchsetzung eines neuen Pachtvertrags, sofern die Bewohner die Barrikaden binnen weniger Stunden beseitigen. Tausende Hamburger entfernen die Befestigungen und es kommt schließlich zur Unterzeichnung eines mühsam ausgehandelten Mietvertrags.

Mai 1988: Von Dohnanyi tritt überraschend zurück. Er begründet den Schritt mit der langen Zeit politischer Aktivität - aber auch innerparteiliche Differenzen und die Diskrepanz zwischen dem politisch Wünschenswerten und Durchsetzbaren spielten bei seiner Entscheidung offenbar eine Rolle. Von Dohnanyis Nachfolger wird Henning Voscherau (SPD). Der Hafenstraßen-Kritiker will sich zunächst nicht von den Bewohnern provozieren lassen.

April 1993: Das Hamburgische Oberlandesgericht erklärt den Pachtvertrag wegen angeblicher Verfehlungen der Bewohner für gekündigt.

Februar 1994: Voscherau macht eine überraschende Kehrtwende: Er bietet den Hafenstraßen-Bewohnern an, auf Räumung und Abriss zu verzichten, wenn sie die Bebauung von angrenzenden Freiflächen akzeptieren.

April 1994: Ohne große Proteste beginnt der Bau von 55 Sozialwohnungen.

Dezember 1995: Die Stadt verkauft die Häuser für rund 2 Millionen Mark an die eigens zu diesem Zweck gegründete Genossenschaft "Alternativen am Elbufer".

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Bunt bemaltes Haus in der Hamburger Hafenstraße © Günter Zint Foto: Günter Zint

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Dieses Thema im Programm:

Hamburg Journal | 05.05.2012 | 19:30 Uhr

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