Stand: 01.11.2011 15:45 Uhr  - NDR//Aktuell

Gedenkstätte erinnert an die "Hölle im Moor"

Das durch eine durchbrochene Stahlwand stilisierte Hauptor der Gedenkstätte. © dpa Foto: Ingo Wagner
Stahlwände symbolisieren die Zäune des ehemaligen Lagers, die unter Starkstrom standen.

Zwischen Juni und August 1933 entstand im nördlichen Emsland in Börgermoor und Esterwegen das erste Doppellager des Nazi-Regimes. Gefangene nannten das Konzentrationslager "Die Hölle im Moor". In dem Komplex litten überwiegend politische Häftlinge aus Deutschland, später kamen auch Widerstandskämpfer aus verschiedenen europäischen Ländern hinzu. Zu den prominentesten politischen Gefangenen gehörten Friedensnobelpreisträger Carl von Ossietzky (1889-1938), der SPD-Fraktionsvorsitzende im preußischen Landtag, Ernst Heilmann, und der Reichstagsabgeordnete Julius Leber.

Seit November 2011 erinnert eine zentrale Gedenkstätte bei Esterwegen an die Häftlinge des KZ und die Gefangenen der 14 weiteren Emslandlager.

30.000 Menschen überlebten die Qualen nicht

Carl von Ossietzky im Konzentrationslager um 1935. © picture-alliance/akg-images Foto: akg-images
Im KZ Esterwegen wurde auch der Publizist Carl von Ossietzky gefangen gehalten.

Von 1933 bis 1945 waren in den Emslandlagern insgesamt rund 200.000 Menschen inhaftiert. Etwa 30.000 Menschen, überwiegend sowjetische Kriegsgefangene, starben wegen der harten Arbeit oder wurden mit brutaler Gewalt ermordet.

Nach 1945 wurden in Esterwegen für einige Zeit Kriegsverbrecher untergebracht. Ab 1953 lebten dort Flüchtlinge aus der sowjetisch besetzten Zone. Von 1959 bis 1961 wurde das Gelände auch zur Unterbringung von Justizbediensteten genutzt, bevor es der Bundeswehr bis 2001 als Nachschubdepot diente.

Stahlplatten statt Nachbauten

Stahlinstallation in der KZ-Gedenkstätte Esterwegen. © NDR Foto: Hedwig Ahrens
An dieser Stelle stand ein Wachturm des Konzentrationslagers.

Von dem damaligen Lager zeugen heute nur noch wenige Spuren. Große, rostüberzogene Stahlplatten kennzeichnen markante Punkte wie Lagermauern, Wachtürme und Tore. Wo einst die Baracken für jeweils mehr als 100 Gefangene standen, wachsen junge Bäume. Einzelne Schautafeln zeigen Originalfotos und Zitate ehemaliger Häftlinge. "Wir wollten keine originalgetreue Rekonstruktion, sondern eine künstlerische Übersetzung, die zum Nachdenken anregt", erläutert die Geschäftsführerin der Gedenkstätte, Andrea Kaltofen. Dort, wo der Übergang vom Strafgefangenenlager zum KZ war, ragt ein altes Kabel aus der Erde: "Damit wurde der Wachzaun unter Starkstrom gesetzt", so Kaltofen. Immer wieder seien Gefangene in den Zaun gelaufen, um ihrem Leiden ein Ende zu setzen.

Zwölf Stationen des Lageralltags

Ein Rundweg führt Besucher der Gedenkstätte zu markanten Punkten des ehemaligen Lagers - vom Haupttor bis zum Freizeitbereich der Wachmannschaften. Im Mittelpunkt der zwölf Stationen steht die 480 Meter lange Lagerstraße. In früheren Depothallen ist eine umfangreiche Dauerausstellung zu sehen. Außerdem gibt es dort Seminarräume und eine Bibliothek.

Karte: Gedenkstätte Esterwegen

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NDR//Aktuell | 10.11.2010 | 16:00 Uhr

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