Stand: 07.03.2018 16:59 Uhr  | Archiv

Tollensetal - Schlachtfeld aus der Bronzezeit

Zertrümmerte Schädel, von Pfeilspitzen durchbohrte Knochen, Reste von Waffen: Diese und andere Funde zeugen von der ältesten bekannten Schlacht in Europa. Hunderte Menschen starben vor rund 3.300 Jahren auf einem bronzezeitlichen Schlachtfeld im Tollensetal nahe Neubrandenburg - Pfeile, Schwerter, Dolche, Lanzen und Holzkeulen brachten ihnen den Tod.

1996 wurden an dem kleinen Fluss Tollense die ersten Knochen entdeckt, seit 2007 untersuchen Archäologen das Gebiet systematisch. Seither stießen sie auf einer Länge von drei Kilometern auf rund 13.000 Fragmente im Boden und im Fluss. Neben Knochen und Waffen fanden sie auch Schmuck aus Gold - eine international bedeutsame Entdeckung. Nirgendwo sonst in Europa ist ein vergleichbar altes Schlachtfeld bekannt. Zu etwa der gleichen Zeit kämpfte Ägyptens Pharao Ramses gegen die Hethiter.

4.000 Kämpfer und Hunderte Tote

Beschädigter Schädel eines Mannes vomSchlachtfeld im Tollensetal © Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpa Foto: Jens Büttner
Der Schädel eines Mannes vom Schlachtfeld im Tollensetal zeugt von der tödlichen Verwundung.

Nach damaligen Maßstäben muss es sich im Tollensetal um eine Auseinandersetzung riesigen Ausmaßes gehandelt haben. Bis zu 4.000 Menschen waren beteiligt - und das um 1.300 vor Christus, also zu einer Zeit, in der in der Region nur etwa drei bis fünf Menschen auf einem Quadratkilometer lebten. 750 bis 1.000 Menschen ließen in der Schlacht ihr Leben - meist junge Männer zwischen 20 und 40 Jahren.

Tote kamen aus unterschiedlichen Regionen

Blick auf das Tollensetal an der Fundstätte aus der Luft © Universität Greifswald Foto: Dr. Fred Ruchhöft
Über den Fluss Tollense führte bereits vor 4.000 Jahren eine Brücke - möglicherweise ein wichtiger Handelsweg.

Unklar ist, wer genau hier kämpfte: Handelte es sich um Bauern oder um erfahrene Kämpfer? Forscher fanden Indizien dafür, dass eine Gruppe von Bogenschützen Pfeile auf die Gegner prasseln ließ. Möglicherweise war auch ein Teil der Männer beritten, denn auch Knochen von Pferden wurden gefunden. Gesichert ist, dass es sich bei den Gefallenen um Menschen unterschiedlicher regionaler Herkunft handelte. Das belegen die menschlichen Knochenfunde sowie Zahnanalysen.

Kampf um einen wichtigen Handelsweg?

Worüber der Konflikt entbrannte, ist ebenfalls ungeklärt. Forscher vermuten, dass möglicherweise eine Gruppe Menschen aus südlicheren Gebieten den Fluss auf ihrem Weg nach Norden queren wollte. An einer Stelle führte offenbar ein Damm über das morastige Gelände und eine Art Brücke über den Fluss. Archäologen konnten Reste einer derartigen Konstruktion nachweisen, die über 4.000 Jahre alt ist. Möglicherweise handelte es sich also um einen strategisch wichtigen Knotenpunkt - und damit bei der Schlacht um einen Konflikt, der sich um die dortige Vormachtstellung drehte.

Weitere Informationen
Dr. Gundula Lidke in der Ausgrabungsätte an der Tollense © NDR Foto: Dörte Rochow

Ein Schlachtfeld voller Gold und Zinn

Auf einem 115 Quadratmeter großen Feld im Tollensetal haben Forscher den Schauplatz einer bronzezeitlichen Schlacht entdeckt. Und graben dort nach Gold und Zinn. Bildergalerie

Dieses Thema im Programm:

Wie geht das? | 20.09.2017 | 18:15 Uhr

Mehr Geschichte

Bild des zerstörten Hamburg, gedreht vom späteren Hollywoodregisseur George Stevens. Im Hintergrund ist die Nicolaikriche zu sehen, auf der Straße Männer in deutschen Uniformen. Sie hatten nicht anderes anzuziehen. © NDR/SpiegelTV

Kriegsende: Hollywood-Regisseur dreht im zerbombten Hamburg

Seltene Farbaufnahmen zeigen das zerstörte Hamburg am Kriegsende 1945. Gedreht vom Hollywood-Regisseur und späteren Oscar-Preisträger George Stevens. mehr

Norddeutsche Geschichte