Stand: 23.10.2019 15:47 Uhr  - Hamburg Journal

Oktober 1999: Der "Alte Schwede" wird Hamburger

Am 23. Oktober 1999 wird der 217 Tonnen schwere "Alte Schwede" in Hamburg aus dem Wasser an den Elbstrand gehievt.

Selbst Pippi Langstrumpf hätte ihn wohl nicht aus dem Wasser wuchten können. Aber das märchenhaft starke Mädchen ist natürlich nicht zugegen, als im Jahr 1999 einer der schwersten Findlinge Deutschlands aus der Elbe in Hamburg gehoben wird. Stattdessen langt ein Schwimmkran mit einer Tragkraft von 1.600 Tonnen zu. Er hebt den riesigen Gesteinsbrocken auf einen Ponton. Von dort wird der Findling am 23. Oktober ans Elbufer bei Övelgönne gesetzt. Hunderte Zuschauer beobachten das Spektakel. Wissenschaftler analysieren später die Zusammensetzung des Gesteins und finden heraus: Es handelt sich um Granit aus dem schwedischen Småland - der Heimat von Astrid Lindgren und ihrer Romanfigur Pippi Langstrumpf. Ein paar Monate später hat die neue Attraktion am Elbufer ihren Namen weg: "Alter Schwede".

Der erste Bergungsversuch geht schief

Die Experten gehen davon aus, dass der Stein vor etwa 400.000 Jahren von Eiszeitgletschern nach Norddeutschland geschoben wurde. Im September 1999 war der Gesteinsbrocken bei Elbvertiefungs-Arbeiten entdeckt worden - in einer Wassertiefe von 15 Metern. Der erste Versuch, den Findling zu bergen, geht damals schief. Denn der "Große Stein von Övelgönne", wie er zunächst genannt wird, ist deutlich schwerer als vermutet. Auf "nur" 140 Tonnen war er geschätzt worden - und beim Bergungsversuch rutscht er prompt aus der Vertäuung und platscht zurück in die Elbe. Taucher müssen den Stein noch einmal mit Stahltrossen umwickeln. Beim zweiten Versuch glückt die schwere Aufgabe: "Es ist uns diesmal gelungen, die Seile sehr viel weiter unter dem Stein zu befestigen als beim ersten Mal", sagt Jörg Oellerich vom Amt für Strom- und Hafenbau nach der erfolgreichen Bergung. Anschließend wird der Findling vermessen: Er hat einen Umfang von 19,7 Metern, ist an der breitesten Stelle fast acht Meter dick und hat eine Höhe von 4,5 Metern. Das Gewicht beträgt satte 217 Tonnen. Zum Vergleich: ein knapp 40 Meter langer Airbus A 320 wiegt voll besetzt, beladen und betankt bloß 80 Tonnen.

"Stein des Anstoßes": St.-Pauli- gegen HSV-Fans

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Immer wieder wird der Findling von Unbekannten "verschönert". Unter anderem liefern sich Fußballfans ein Farbduell.

Am 6. Juni 2000 wird der Findling auf den Namen "Alter Schwede" getauft. Im Jahr 2001 wird er als Naturdenkmal unter Schutz gestellt. Der Findling darf somit nicht zerstört, beschädigt oder verändert werden. Das hat in den vergangenen Jahren allerdings nicht ganz geklappt: Immer wieder wird der Stein mit Parolen beschmiert. Oder auch mal großflächig mit den Vereinsfarben des FC St. Pauli angepinselt - was natürlich Liebhaber des HSV nicht lange zögern lässt, sich zu revanchieren. Der Stein wird schließlich mit einer Spezialversiegelung versehen, um Grafitti leichter wieder entfernen zu können.

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"Alter Schwede" wird wieder grau

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Die Arbeit hat begonnen: Der "Alte Schwede" am Hamburger Elbstrand wird von Graffiti befreit, aber auch vom Goldglanz. Video (00:35 min)

2019: Unbekannte besprühen Findling mit Goldfarbe

Am spektakulärsten ist die "Verschönerungs"-Aktion von Unbekannten, die den "Alten Schweden" Anfang 2019 komplett mit Goldfarbe besprühen. Hunderte Menschen pilgern anschließend an die Elbe, um sich mit dem nun in der Sonne funkelnden Gestein zu fotografieren. Doch die "goldene Zeit" des "Alten Schweden" währt nicht lang: Ziemlich rasch wäscht Regen die Farbe von dem Findling. Und schließlich entscheidet die Hamburger Hafenbehörde - trotz anderslautender Forderung vieler Hamburger - auch die Goldreste zu entfernen und den Originalzustand des Naturwunders aus dem schwedischen Småland wiederherzustellen.

Dieses Thema im Programm:

Hamburg Journal | 31.01.2019 | 19:30 Uhr

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