Stand: 02.02.2013 16:40 Uhr Archiv

Max Brauer: Der starke Mann aus Altona

von Irene Altenmüller, NDR.de

Rückkehr ins zerstörte Hamburg

Nach dem Krieg reist Max Brauer 1946 als Abgesandter des amerikanischen Gewerkschaftbundes (AFL) nach Hamburg. Die Stadt ist durch Bombenangriffe und Feuersturm in weiten Teilen zerstört. "Da standen wir nach langen Jahren der Emigration vor unserer Vaterstadt und sahen das erschütternde Bild unüberschaubarer Ruinen", erinnert sich Max Brauer an die ersten Eindrücke. Für den energischen Sozialdemokraten dennoch kein Grund zum Verzweifeln, sondern zum Handeln. Schnell hat er Kontakte zur Hamburger SPD geknüpft und wird wenig später als Kandidat für die Bürgermeisterwahl 1946 nominiert. Um den Weg zum Amt freizuräumen, nimmt er wieder die deutsche Staatsbürgerschaft an und gibt die amerikanische auf. Am 22. Oktober 1946 wählt ihn die Bürgerschaft zum Ersten Bürgermeister der Hansestadt.

Der energische Bürgermeister tauscht Kultur gegen Kohle

Bild vergrößern
Energisch treibt Brauer den Wiederaufbau seiner Stadt voran. 1958 legt er auch den Grundstein für eine neue Synagoge.

Mit seinem zupackenden, mitunter autoritären Führungsstil ist Max Brauer genau der richtige Mann für die schwierigen Nachkriegsjahre. Mit aller Kraft treibt er den Wiederaufbau der Stadt voran. Bis zu 15.000 Wohnungen werden jährlich errichtet, unter anderem entstehen die bekannten Grindelhochhäuser. Um die Versorgung der Bevölkerung mit Kohle zum Heizen im Winter 1946/47 sicherzustellen, handelt er gemeinsam mit Hamburger Theaterintendanten eine Art Tauschgeschäft mit dem Ruhrgebiet aus: Die Hamburger erhalten Waggons voller Kohle, dafür fahren Hamburger Künstler im Sommer ins Ruhrgebiet und geben Theateraufführungen. Auch die Hamburger Wirtschaft kommt wieder in Gang. 1949 erreicht Max Brauer von den USA die völlige Freigabe des Schiffbaus und der Schifffahrt in Deutschland.

Zwangspause vom Bürgermeisteramt

Trotz weithin sichtbarer Erfolge wächst innerhalb der SPD der Widerstand gegen den Bürgermeister. Er gilt vielen als stur, selbstherrlich und zu dominant. Bei den Bürgerschaftswahlen 1953 unterliegen die Sozialdemokraten knapp einem Mehrparteienbündnis aus CDU, FDP und weiteren Parteien. Der sogenannte Hamburg-Block kommt auf genau 50 Prozent der Stimmen. Brauer, der sich seiner Wiederwahl sicher war, weigert sich zunächst, zurückzutreten, und beugt sich erst einem konstruktiven Misstrauensvotum.

Bild vergrößern
Max Brauer 1957 nach seinem Wahlsieg. Drei Jahre später gibt er das Bürgermeisteramt an seinen Nachfolger Paul Nevermann ab.

Doch schon vier Jahre später ist Max Brauer wieder im Amt, die SPD erhält bei den Bürgerschaftswahlen 1957 die absolute Mehrheit. Es ist verabredet, dass er nach der Hälfte der Regierungszeit das Amt des Ersten Bürgermeisters an seinen Nachfolger Paul Nevermann abgibt. Doch es dauert etwas länger, bis sich Brauer von der Macht trennen kann. Erst im Dezember 1960 gibt er sein Amt an Nevermann ab. Bei seinem Abschied verleiht ihm die Universität Hamburg die Ehrendoktorwürde, die Bürgerschaft ernennt ihn zum Ehrenbürger.

Einzug in den Bundestag

Nach seinem Rückzug aus dem Hamburger Rathaus bleibt Brauer politisch aktiv. Bereits ab 1958 macht er sich überregional einen Namen als Sprecher der Bewegung "Kampf gegen den Atomtod", die sich gegen eine atomare Bewaffnung der Bundesrepublik einsetzt. 1961 zieht Brauer als Abgeordneter in den Bundestag ein. Bei den darauf folgenden Bundestagswahlen 1965 erhält er keinen aussichtsreichen Listenplatz mehr - enttäuscht zieht sich der mittlerweile 78-Jährige aus der Politik zurück. Am 2. Februar 1973 stirbt Max Brauer im Alter von 85 Jahren. Seine letzte Ruhestätte findet er auf dem Hauptfriedhof Altona.

Dieses Thema im Programm:

NDR Info / Zeitzeichen / 03.09.2012 / 20:15 Uhr

Geschichte in Video und Audio

29:48
7 Tage