Stand: 21.09.2015 14:20 Uhr

Axel Springer - Medientitan aus Hamburg

von Irene Altenmüller

Springer-Verlag zieht nach Berlin

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Schweigemarsch für Benno Ohnesorg. Nach dem Tod des Studenten eskaliert der Konflikt zwischen Springerpresse und APO.

Die Öffentlichkeit erfährt von diesen seelischen Krisen nichts. Springer baut sein Medienimperium weiter aus, gründet die Zeitschrift "Eltern" und kauft 1966 die Mehrheit der Ullstein-Gruppe, zu der auch die Berliner Tageszeitungen "B.Z." und "Berliner Morgenpost" gehören. Damit besitzt der Springer-Verlag in West-Berlin mit einem Marktanteil von 70 Prozent annähernd ein Medienmonopol. Anfang 1967 zieht auch der Hauptsitz des Verlags von Hamburg nach West-Berlin um. Das Verlagsgebäude steht in Sichtweite der Berliner Mauer - ein deutliches politisches Signal, dass sich der Verleger und sein Medienimperium nicht mit der deutschen Teilung abfinden.

"Bild"-Kampagne gegen Studenten

Doch in der Schusslinie der Springer-Blätter stehen nicht nur die DDR und der Ostblock. Ab 1966 gerät auch die politisch links stehende Studentenschaft ins Visier. Mit einer verbalen Hetzkampagne schürt die "Bild"-Zeitung die Stimmung gegen die protestierenden Studenten.

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Axel Springer um 1966 in West-Berlin, das er als "Frontstadt zum Sozialismus" empfindet.

Deren Sprachrohr, die APO, reagiert mit einer "Enteignet Springer"- Kampagne und verlangt offen die Zerschlagung des Konzerns. Der Konflikt eskaliert, als am 2. Juni 1967 der Student Benno Ohnesorg von einem Polizisten erschossen wird und die "Bild"-Zeitung die Studenten als eigentlich Schuldige an der Gewalt ausmacht. Nun wenden sich auch viele namhafte deutsche Schriftsteller wie Günter Grass und Peter Rühmkorf gegen den Verlag: Sie starten die Kampagne "Wir arbeiten nicht für Springer-Zeitungen".

Vier Grundsätze sind bis heute für alle Mitarbeiter bindend

Die Kritik an der geballten Medienmacht des Verlags, an der Art der Berichterstattung der Blätter und nicht zuletzt an seiner Person lässt Axel Springer nicht kalt. Im Oktober 1967 veröffentlicht er vier Grundsätze, die fortan für alle Redakteure des Verlags bindend sind: das Eintreten für die Wiedervereinigung Deutschlands, die Aussöhnung zwischen Deutschen und Juden, die Ablehnung jeder Art von politischem Totalitarismus sowie die Verteidigung der sozialen Marktwirtschaft.

Diese vier Grundsätze spiegeln auch das ausgeprägte konservative Sendungsbewusstsein des Verlegers wider. Noch heute muss sie jeder Angestellte - seit der Wiedervereinigung in abgewandelter Form - als Zusatzvereinbarung zum Arbeitsvertrag unterzeichnen.

Attentat auf Dutschke - schoss "Bild" mit?

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Nach dem Attentat auf Rudi Dutschke 1968 kommt es in vielen Städten zu Unruhen, die sich auch gegen die "Bild"-Zeitung richten.

Ihren diffamierend-polemischen Stil gibt die "Bild"-Zeitung trotz dieser Grundsätze nicht auf. So titelt sie am 11. April 1968: "Rudi Dutschke - Staatsfeind Nr. 1!". Nur wenige Stunden später wird der Studentenführer in Berlin angeschossen. Daraufhin geben viele der "Bild"-Zeitung eine Mitschuld an dem Attentat: "Bild schoss mit", lautet ihr Vorwurf. In West-Berlin und anderen Städten kommt es zu schweren Unruhen. Auch auf höchster Ebene wird nun Kritik laut. Eine von der Bundesregierung eingesetzte Kommission rügt den Umgang des Verlags mit der Pressefreiheit.

Die 70er-Jahre: Anschläge und Auszeichnungen

Am 19. Mai 1972 explodieren im Hochhaus des Springer-Verlags in Hamburg mehrere Bomben. 17 Menschen werden bei dem von der Rote Armee Fraktion (RAF) verübten Anschlag verletzt. In zwei Privathäusern Axel Springers in Kampen auf Sylt und im schweizerischen Gstaad kommt es ebenfalls zu Brandanschlägen. Die Attentate heizen die öffentliche Diskussion um Macht und Einfluss der Springerpresse erneut an.

Ein besonderes Verhältnis: Springer und die Juden

Während in Deutschland Axel Springer weiter im Kreuzfeuer linker Kritik steht, verleihen ihm 1974 und 1976 zwei israelische Universitäten - die Bar-Ilan-Universität und die Hebräische Universität von Jerusalem - Ehrendoktorwürden. 1983 folgt der Ehrentitel "Bewahrer Israels". Die Aussöhnung mit den Juden ist für Springer ein Lebensthema, dem er sich mit finanziellen Mitteln und persönlichem Engagement widmet. Rund 30 Mal reist der Verleger nach Israel.

Die 80er-Jahre - Springer zieht sich zurück

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Mit dem Selbstmord seines Sohnes Axel stirbt auch die Hoffnung des Verlegers auf eine familiäre Nachfolge.

Mit einem schweren persönlichen Schicksalsschlag beginnen für Axel Springer die 80er-Jahre: Sein ältester Sohn Axel, unter dem Pseudonym Sven Simon ein international anerkannter Fotograf und Chefredakteur der "Welt am Sonntag", begeht am 3. Januar 1980 auf einer Hamburger Parkbank Selbstmord. Den Medienmogul trifft der Tod des Sohnes bis ins Mark. In der Folgezeit zieht er sich mehr und mehr aus dem Tagesgeschäft des Verlags zurück. 1983 verkauft Springer 24,9 Prozent seines Verlags an Burda, weitere 49 Prozent veräußert er im Juli 1985.

Tod im Alter von 73 Jahren

Am 22. September 1985 stirbt Axel Springer im Alter von 73 Jahren an einer Herzmuskelentzündung in einem West-Berliner Krankenhaus. Zu der Tragik seines Lebens zählt, dass es ihm nicht vergönnt war, den Fall der Mauer und die Wiedervereinigung, für die er stets so vehement eingetreten war, zu erleben.

Der Springer-Konzern ist eines der größten Medienunternehmen Europas geblieben. 30 Jahre nach Axel Springers Tod ist bis heute seine letzte Ehefrau Friede Springer Mehrheitseignerin und stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende des Medienunternehmens.

Dieses Thema im Programm:

NDR Fernsehen | Hamburg Journal | 13.08.2016 | 19:30 Uhr

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